Merkel stellt Erdogan weitere EU-Hilfen in Aussicht

dpa

Von dpa

Sa, 25. Januar 2020

Ausland

Die Kanzlerin dankt in Istanbul der Türkei für ihr Engagement in der Flüchtlingskrise.

ISTANBUL (AFP/dpa/BZ). Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan weitere Hilfen der EU bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise in Aussicht gestellt. "Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die EU über die zwei mal drei Milliarden Euro hinaus Unterstützung leistet", sagte sie am Freitag nach einem Gespräch mit Erdogan in Istanbul. Darüber werde in den EU-Gremien gesprochen.

"Das, was die Türkei hier leistet, ist bemerkenswert", lobte Merkel das türkische Engagement. "Und jeder kann sich vorstellen – die Türkei hat ungefähr so viele Einwohner wie Deutschland –, wenn man 3,5 oder fast vier Millionen Flüchtlinge aus Syrien beherbergt, was das für eine Anstrengung ist, und dafür möchte ich der Türkei auch ganz herzlich danken." Die EU hatte Ankara 2016 sechs Milliarden Euro für die Versorgung syrischer Flüchtlinge in der Türkei zugesagt. Das war Teil eines Flüchtlingspaktes, der die Türkei verpflichtete, alle neu auf den griechischen Inseln ankommenden Migranten zurückzunehmen und stärker gegen Schlepperbanden vorzugehen.

Laut Merkel soll die türkische Küstenwache gestärkt werden. Sie spiele eine wichtige Rolle beim Versuch, Migranten auf dem Weg nach Griechenland und damit in die EU aufzuhalten. Zuletzt waren auf den griechischen Inseln wieder mehr Boote mit Flüchtlingen aus der Türkei angekommen. Die Bilder aus den überfüllten Lagern hatten – zusammen mit Drohungen Erdogans, die Grenzen zu öffnen – Sorgen vor einer neuen Krise geschürt.

Erdogan wiederum rief die EU dazu auf, mehr Verantwortung für die Versorgung von syrischen Flüchtlingen zu übernehmen. Dass die europäischen Länder den Syrern "noch mehr und schnellere Hilfe leisten, ist allem voran eine menschliche Verantwortung", sagte Erdogan. Die Türkei hat mehr als 3,6 Millionen Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland aufgenommen. Gleichzeitig haben sich die Kämpfe rund um die von Rebellen kontrollierte syrische Region Idlib zuletzt intensiviert. Erdogan sagte, inzwischen seien 400 000 Menschen Richtung türkische Grenze geflohen.

Das Thema Flüchtlinge hat damit wie erwartet eine große Rolle bei den Gesprächen gespielt. Anders als bei manch früheren Treffen schien die Atmosphäre zwischen Merkel und Erdogan entspannt. Merkel kam ebenfalls auf die Situation in der nordsyrischen Rebellenhochburg Idlib zu sprechen. Es sei im Gespräch um Möglichkeiten gegangen, die Türkei bei der Versorgung von Menschen zu unterstützen, die auf syrischem Gebiet in Zelten lebten. Erdogan sagte, dass die Kanzlerin angeboten habe, zu helfen.