Brasilien

Amazonas-Brände: Minister Müller fordert Verzicht auf billige Soja-Importe

kna

Von kna

Mi, 28. August 2019 um 09:53 Uhr

Deutschland

Angesichts der verheerenden Waldbrände im Amazonas fordert der Entwicklungsminister einen Stopp der Rodungen in Südamerika. Landwirtschaftsministerin Klöckner will Druck auf Brasilien ausüben.

"Der Regenwald darf nicht für neue Sojafelder brennen", sagte Gerd Müller (CSU) der "Passauer Neuen Presse": "Ein wichtiger Schritt wäre, auf Schweinemast auf Basis billiger Sojaimporte von gerodeten Flächen zu verzichten." Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) erhob schwere Vorwürfe gegen Brasilien.

Entwicklungsminister Müller sagte, er setze sich dafür ein, dass nur noch zertifiziertes, nachhaltig angebautes Soja in die EU kommt. Beim globalen Regenwaldschutz gehe es um nichts weniger "als die Überlebensfrage der Menschheit". Er kritisierte, dass die sieben wichtigsten Industriestaaten (G7) bisher "nicht mehr als ein paar Wassertropfen an Unterstützung" zur Rettung beitrügen. Deswegen brauche man jetzt dringend ein weitergehendes G7-Rettungsprogramm für Regenwälder weltweit.

"Die brasilianische Regierung an den Pranger zu stellen, Schuldzuweisungen und Twitter-Kriege helfen nicht", sagte Müller: "Weder dem Regenwald, noch den indigenen Völkern oder dem Klima." Der CSU-Politiker forderte eine globale Regenwald-Initiative: "Die Lunge des Planeten brennt - nicht nur in Brasilien, sondern auch in Indonesien, Russland oder Afrika."

Landwirtschaftsministerin Klöckner sagte der Tageszeitung "Die Welt", Brasilien habe sich mit Abschluss des Mercosur-Abkommens zu einer nachhaltigen Waldwirtschaft bekannt. "Wenn das Land dieser Verpflichtung nicht nachkommt, werden wir nicht tatenlos zuschauen."

Sie werde darüber mit ihrer brasilianischen Amtskollegin sprechen. Das geplante Handelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay beinhalte ein Nachhaltigkeitskapitel mit verbindlichen Regelungen, sagte Klöckner: "Wenn diese nicht eingehalten werden, kann es die vereinbarten Zollerleichterungen nicht geben. Da geht es auch um unsere Glaubwürdigkeit."

Im Amazonasgebiet wüten die schwersten Waldbrände seit 21 Jahren. Nach Meinung von Experten besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen der illegalen Abholzung des Regenwaldes und dem Ausbruch der Feuer. Sie gehen davon aus, dass die meisten Feuer durch Brandrodung in abgeholzten Gebieten entstanden sind. Auch in Bolivien und Peru sind verheerende Brände ausgebrochen.