Auch sogenannte "Asoziale" gelten bald als NS-Opfer

Lea Krug

Von Lea Krug

Do, 13. Februar 2020

Deutschland

Der Bundestag stimmt ab.

BERLIN. Schwarze und grüne Stoffdreiecke mussten sie in den Konzentrationslagern tragen. Die von den Nazis sogenannten "Asozialen" und "Berufsverbrecher" wurden zwischen 1933 und 1945 stigmatisiert und interniert. Doch als Verfolgte galten sie bislang nicht. Das soll sich nun ändern. An diesem Donnerstag wird der Bundestag aller Voraussicht nach für die Anerkennung der Gruppen als NS-Opfer stimmen. Außerdem sollen KZ-Gedenkstätten und Dokumentationszentren unterstützt werden, um Beiträge zur Erinnerung an diese Opfer zu leisten.

Als "Asoziale" bezeichneten die Nazis Obdachlose, Alkoholiker, Wanderarbeiter und Bettler. "Berufsverbrecher" wurden Menschen genannt, die wiederholt wegen Diebstahls, Einbruchs, Prostitution, Abtreibung und Zuhälterei aufgefallen waren. Ohne weiteres Verfahren wurden sie nach Verbüßung ihrer Straftaten in Konzentrationslager gebracht. FDP, Grüne und Linke fordern Entschädigungen, während die Koalition die beiden Gruppen in die Aufzählung der Antragsberechtigten des Allgemeinen Kriegsfolgengesetztes aufnehmen möchte, weil dies einfacher umzusetzen sei.

"Diese Anerkennung kommt spät, aber sie kommt", erklärt Erhard Grundl, Sprecher für Kulturpolitik der Fraktion der Grünen. Er hatte sich ein interfraktionelles Vorgehen gewünscht. Dafür, dass es nicht geklappt hat, macht er die Union verantwortlich. Melanie Bernstein, Obfrau der Union im Kulturausschuss erklärt auf den Vorwurf: "Um den Prozess zu beschleunigen, aber auch, um ein mehrheitsfähiges Ergebnis zu erreichen, haben wir gemeinsam mit zahlreichen Experten einen eigenen Antrag in der Koalition erarbeitet." Nun sei sie froh, dass ein für alle Fraktionen tragbarer Kompromiss gefunden sei, der den Opfern gerecht werde. Auch die Sozialdemokraten begrüßen die Anerkennung der Opfer. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder erklärt: "Absolut niemand saß zu Recht im KZ. Kein Obdachloser, keine Prostituierte und auch niemand, der ein Verbrechen verübt hat."