Der Südwesten nimmt etwa 200 Flüchtlinge auf

dpa

Von dpa

Mi, 16. September 2020

Deutschland

Nach dem Brand im Camp Moria auf der Insel Lesbos.

(dpa/BZ). Nach dem Beschluss der Bundesregierung, weitere 1553 Flüchtlinge aus Moria und anderen griechischen Lagern zu holen, werden etwa 200 Schutzsuchende auf das Land entfallen. Dies teilte das Innenministerium in Stuttgart mit. "Mit der Aufnahme von Familien, deren Schutzbedürftigkeit bereits in einem Asylverfahren anerkannt wurde und die sich auf den Inseln befinden, haben wir klare und nachvollziehbare Kriterien", sagte Ressortchef Thomas Strobl (CDU). "Damit kommt es erst gar nicht zu einer Magnetwirkung für weitere Flüchtlinge." Mehr Menschen aus den Camps in den Südwesten zu holen, werde die hohen Schutzstandards vor Corona-Erkrankungen in den Aufnahmeeinrichtungen gefährden. Zudem überdehne man in diesem Fall die Aufnahmebereitschaft in der Bevölkerung.

Kretschmann stellt sich hinter die Initiative der Kanzlerin

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) stellte sich hinter die Initiative von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU). Er sei froh, glücklich und voll des Lobes, sagte er.

Zugleich bieten mehrere baden-württembergische Kommunen Hilfe an. Stuttgart will bis zu 70 Migranten aufnehmen, Mannheim 50. Mannheims Oberbürgermeister und Städtetagspräsident Peter Kurz (SPD) besteht aber auch auf einem solidarischen Verteilmechanismus unter aufnahmewilligen EU-Ländern – und einem finanziellen Ausgleich, solange sich einzelne Staaten einer gesamteuropäischen Lösung verweigerten. Heidelberg erklärte sich bereit, bis zu fünf Kinder aufzunehmen. Tübingens OB Boris Palmer (Grüne) sagte: "Wir hätten morgen Platz für 100 Geflüchtete." Entscheidend sei aber die gesellschaftliche Akzeptanz. "Daher spreche ich mich dafür aus, nur Kinder, Familien und Asylberechtigte zu uns zu bringen." Für alle anderen sei schnelle Hilfe vor Ort angemessen.

Freiburgs OB Martin Horn (parteilos) hatte bereits vergangene Woche die grundsätzliche Bereitschaft erklärt, Flüchtlinge aufzunehmen.