Deutsche Exporte legen zu

dpa

Von dpa

Sa, 08. August 2020

Deutschland

Im Juni geht es für die von Corona gebeutelte Wirtschaft aufwärts / Auch Chinas Ausfuhren steigen.

(AFP/dpa/BZ). Die deutsche Wirtschaft bleibt auf Erholungskurs. Die Ausfuhren im Juni stiegen um 15 Prozent verglichen mit Mai, die Industrieproduktion legte neun Prozent zu. Beides blieb aber deutlich unter Vor-Corona-Niveau. Hoffnungsvolle Zahlen meldete Deutschlands wichtigster Handelspartner China.

Die Exporte deutscher Unternehmen waren im Juni 96 Milliarden Euro wert, teilte das Statistische Bundesamt mit. Der Anstieg zum Vormonat war der größte seit Beginn der Zeitreihe 1990, allerdings war der vorangegangene Absturz wegen der coronabedingten Beschränkungen ebenfalls historisch gewesen. So lagen die Ausfuhren im Juni noch neun Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats und 16 Prozent unter dem im Februar 2020 erreichten Vor-Krisen-Niveau.

Der Lockdown hatte der Wirtschaft im März und April zugesetzt, seit Mai geht es aufwärts. Aber: "Fast 90 Milliarden Euro fehlen den Exporteuren nach dem heftigen Einbruch bislang alleine im ersten Halbjahr in der Kasse", sagte Ines Kitzing vom Außenhandelsverband BGA. "Nur mühsam kämpfen sich die Unternehmen zurück aus diesem tiefen Tal."

Auch die Einfuhren nach Deutschland legten im Juni zu. Sie stiegen im Vergleich zum Mai um sieben Prozent auf 80,5 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren sie noch um zehn Prozent niedriger, gegenüber dem Vor-Krisen-Monat Februar um 12,5 Prozent geringer.

Aufwärts ging es im Juni auch bei der Industrieproduktion. Im Vergleich zu Mai nahm sie um neun Prozent zu, blieb aber zwölf Prozent unter Vorjahresniveau.

Vertreter der Industrie erwarten laut Umfrage des Ifo-Instituts damit, dass sich die Lage in den kommenden drei Monaten weiter bessert. Die Laune der Manager sei im Juli das dritte Mal in Folge gestiegen. Allerdings plane die Autoindustrie, ihre Produktion nur geringfügig auszuweiten. Und die Maschinenbauer – die zweite Schlüsselbranche der heimischen Industrie – blieben pessimistisch.

Der Blick nach China stützt die Hoffnung, dass sich der Aufschwung fortsetzt. Peking meldete für Juli den stärksten Anstieg der Exporte seit Jahresbeginn – um sieben Prozent im Vorjahresvergleich.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie erklärte, die Stabilisierung des chinesischen Außenhandels setze wichtige Impulse für eine Erholung des Welthandels. "Davon profitieren auch deutsche Unternehmen." Die Weltwirtschaft sei aber "noch lange nicht über den Berg". Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel rechnet damit, dass die weitere Erholung "wohl deutlich mühseliger" wird. Viele Abnehmerländer seien von der Pandemie stärker betroffen als Deutschland.

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben erläuterte: Wegen der Reisebeschränkungen könnten Firmen oft Manager, Techniker und Vertriebsmitarbeiter nicht zu Kunden oder Lieferanten schicken. "Für Geschäftsanbahnungen sowie Montagen oder Reparaturen von Maschinen ist der persönliche Kontakt vor Ort häufig aber unerlässlich ."