Sachsen

Vorfahrt für die Braunkohle – Pödelwitz muss weg

Bernhard Honnigfort

Von Bernhard Honnigfort

Do, 22. Mai 2014 um 00:00 Uhr

Deutschland

Deutschland steckt mitten in der Energiewende, dennoch boomt die Braunkohle – und bei Leipzig soll ein altes Dorf dem Bagger weichen. Aus Pödelwitz berichtet Bernhard Honnigfort.

"Mehr ist es gar nicht", sagt Jens Hausner. Er sitzt über eine Karte gebeugt, große braune, hellbraune und weiß schraffierte Flächen und ein kleiner Flecken am Rand, erdbeergroß. "Es wäre der letzte Schnitt." Pödelwitz, sein Dorf, seine Heimat. Mehr als 700 Jahre alt, kleine Bauernhöfe, eine alte romanische Kirche aus dem 13. Jahrhundert, der Friedhof, Kastanienbäume, die gerade aufblühen, Eichen. Die Karte auf seinem Wohnzimmertisch zeigt das Braunkohleabbaugebiet Vereinigtes Schleenhain im Leipziger Süden, an dessen Rand erdbeergroß Pödelwitz liegt. Jedenfalls noch.

Hausner ist 48 Jahre alt, hat die Figur und die Oberarme eines mächtigen Gewichthebers und ist Bauer. Er arbeitet in einer Agrargenossenschaft. Er hat in den mehr als 300 Jahre alten Hof an der Dorfstraße eingeheiratet. Das Haus mit dem Sandsteintor und den Fachwerkscheunen wurde nach dem Brand 1820 wieder aufgebaut. 20 Hektar Land gehörten einmal zu dem Anwesen, 17 sind weggebaggert. Wenn Hausner erzählt, dann sehr ruhig und überlegt und freundlich im Ton. Auch wenn ihn der Inhalt bis ins Mark trifft.

Der Leipziger Süden ist schon fast 300 Jahre lang ein Braunkohlerevier, so wie es die Lausitz in Brandenburg und Ostsachsen oder das Rheinische Kohlerevier zwischen Aachen und Köln ist. Es ging los im Jahr 1669, als der Altenburger Stadtphysikus Dr. Matthias Zacharias Pilling "brennbare Erde" fand. 1718 entstand der erste Tagebau. Seit vier Generationen nun wird das Land Hunderte Meter tief ausgegraben, Dörfer werden abgerissen, Menschen umgesiedelt. Zurück ...

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