Pisa-Noten sind schlechter

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Von dpa

Mi, 04. Dezember 2019

Deutschland

Zum zweiten Mal in Folge gehen die Leistungen deutscher Schüler zurück / Sie landen im Mittelfeld.

BERLIN (dpa). Fast zwei Jahrzehnte nach dem großen "Pisa-Schock" und dem anschließenden Aufwärtstrend zeigt die Leistungskurve der deutschen Schüler wieder eindeutig nach unten. Im internationalen Pisa-Vergleichstest schnitten die Deutschen in allen drei Testbereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften schlechter ab als drei Jahre zuvor.

Deutschland liegt zwar weiter über dem OECD-Durchschnitt. "Mittelmaß kann aber nicht unser Anspruch sein", sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Die Opposition sprach sogar von einer "Pisa-Klatsche".

Deutlich wurde im aktuellen Pisa-Test erneut, dass es in Deutschland einen besonders starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Erfolg in der Schule gibt. Jeder fünfte 15-Jährige erreicht beim Lesen nur Grundschulniveau oder scheitert in Mathematik und Naturwissenschaften an einfachen Aufgaben. Und was allen Beteiligten Sorgen macht: Deutschlands Jugendliche verlieren zunehmend die Lust am Lesen. Die neuen Zahlen wurden 2018 erhoben, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stellte sie am Dienstag in Berlin vor. Die Pisa-Studie ist die größte internationale Schulleistungsvergleichsstudie. Seit dem Jahr 2000 werden dafür alle drei Jahre weltweit Hunderttausende Schüler im Alter von 15 Jahren getestet. Dieses Mal nahmen rund 600 000 Schüler aus 79 Ländern teil, in Deutschland knapp 5500. Es war die mittlerweile siebte Runde.

Die deutschen Schüler erzielten in den drei Teilbereichen jeweils etwas weniger Punkte als bei der vorherigen Untersuchung, die 2016 veröffentlicht worden war. Die Pisa-Verantwortlichen der OECD verwiesen zwar darauf, dass die deutschen Schüler leistungsmäßig weiterhin auf einem guten Niveau lägen. In Mathematik und Naturwissenschaften sei Deutschland sogar deutlich besser als der Durchschnitt der OECD-Länder. Dennoch müsse die Bundesrepublik ihre Begeisterung für Bildung und Kompetenzen erneuern und ihren Reformgeist wieder auf den Weg bringen, sagte OECD-Vizegeneralsekretär Ludger Schuknecht.

"Einer der Faktoren hinter dem Leistungsrückgang können die seit der Flüchtlingskrise gestiegenen Ansprüche an das Bildungssystem sein", hieß es von der OECD. Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) äußerte sich ähnlich. Die Ergebnisse seien weniger auf die Qualität der Schulen als auf einen zunehmenden Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund zurückzuführen, sagte sie SWR Aktuell.

Unverändert groß bleibt Deutschlands Abstand zur Spitzengruppe. Dort haben sich EU-Länder wie Estland und Finnland festgesetzt – aber auch asiatische Länder und Metropolregionen.