Rollenbilder in Familien ändern sich stark

dpa

Von dpa

Di, 10. September 2019

Deutschland

Elterngeld wird reformiert.

BERLIN (dpa). Die Vorstellungen über die Rolle von Müttern und Vätern haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Das geht aus einer Allensbach-Erhebung hervor, die im Bundesfamilienministerium vorgestellt wurde. Demnach wird das Familienmodell "Vater arbeitet voll, Mutter geht in Teilzeit und kümmert sich um Haushalt und Kinder", unpopulärer. Mehr und mehr Väter bleiben für die Kinder zu Hause.

Der Umfrage zufolge befürworten noch 28 Prozent der befragten Eltern, dass Mütter sich hauptsächlich um die Kinder kümmern, während Väter Vollzeit arbeiten gehen. Vor zwölf Jahren waren es noch 43 Prozent gewesen. Gleichzeitig ist die Zustimmung zum Familienmodell, in dem beide Elternteile voll arbeiten und sich Kinderbetreuung und Haushalt teilen, von 15 auf 24 Prozent gestiegen. Eine deutliche Mehrheit der Befragten ist der Ansicht, dass sich Väter heute mehr an der Erziehung und Betreuung ihrer Kinder als noch vor 10 oder 15 Jahren beteiligen – und 70 Prozent finden das gut oder sehr gut.

In den meisten Familien bleiben die Frauen zu Hause

Die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, sagte bei der Vorstellung der Zahlen, im Bereich Frauenrollen und Männerrollen habe es in den vergangenen Jahren so starke Veränderungen gegeben wie in wenigen anderen Bereichen. Ein Grund für die sich verändernden Einstellungen dürfte das Elterngeld sein, das 2007 eingeführt wurde und an Väter oder Mütter, die wegen der Kinder zu Hause bleiben, gleichermaßen gezahlt wird. 85 Prozent der Bevölkerung hält die staatliche Leistung der Umfrage zufolge für eine "gute Regelung". Seit 2015 hat sich die Zahl derjenigen, die einen Vater kennen, der in Elternzeit war, von 48 auf 69 Prozent erhöht. Trotzdem sind es aber immer noch in großer Überzahl die Frauen, die für den Nachwuchs zuhause bleiben, zeigen Daten des Statistischen Bundesamts.

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) nahm die Vorlage der Studie zum Anlass, eine weitere Elterngeldreform anzukündigen. Es soll weiter ausgebaut und mehr auf Partnerschaftlichkeit zwischen Müttern und Vätern ausgerichtet werden. Zudem solle die Reform auch Eltern von zu früh geborenen Kindern unterstützen. Es gebe da eine Zunahme, sagte Giffey. Wenn ein Kind ein oder zwei Monate zu früh komme, dann sei die Entwicklung nach der Elternzeit nicht die gleiche, wie wenn das Kind zum errechneten Termin komme.