Reiz der Abwechslung

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Fr, 20. September 2019

Kultur

Museen im Dreiland: Laufende und kommende Sonder- und Dauerausstellungen in der Region.

Um Malerei, Knöpfe und Textilien, aber auch um Weiler Spuren in der Welt oder um den Nationalsozialismus und badische Kunst geht es in den Ausstellungen von Museen in der Region. Ein Überblick.
Noch bis Mitte November zeigt das Lörracher Dreiländermuseum seine große Ausstellung "Burg Rötteln – Herrschaft zwischen Basel und Frankreich", die den hochmittelalterlichen Stammsitz der Herren von Rötteln und die spätere Residenz der Markgrafen von Hachberg-Sausenberg in den Blick nimmt. Nur kurz kommt dagegen bis Ende September die Freiburger Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstförderer Gedok auf Stippvisite. Anlässlich des seit 100 Jahren bestehenden Frauenwahlrechts in Deutschland haben 20 zeitgenössische Künstlerinnen Plakate geschaffen, die im Hebelsaal des Museums rund um den Tag der Demokratie am 21. September gezeigt werden. Ab Ende November zeigt der Verein Bildende Kunst VBK unter dem Titel "so nah – so fern" Innen- und Außenräume in Malerei, Fotografie und Installation, bevor im Januar der 100. Geburtstag des Lörracher Malers Paul Ibenthaler (1920–2001) gebührend mit einer Werkschau zu feiern ist. Hinzu kommt 75 Jahre nach dem Ende der NS-Herrschaft 2020 eine große Ausstellung zum Thema Nationalsozialismus und badische Kunst.
Das Stadtmuseum Schopfheim zeigt noch bis 29. September die Ausstellung "Blühender, brummender Tisch". Dabei geht es um Flora und Fauna auf Stoff, Glas und Papier, beziehungsweise um alles, was man sich auf einem gedeckten Tisch vorstellen kann, erklärt Museumsdirektorin Ulla Schmidt, die die Exponate aus der eigenen Sammlung ausgewählt hat, wie immer ergänzt um Leihgaben. Der springende Punkt sei diesmal, dass jede Pflanze und jedes Tier, das zu sehen sein wird, biologisch bestimmbar sein muss, also keine Phantasiewesen erlaubt sind. Beispielsweise kommt eine blaugrüne Mosaikjungfer – 2012 war sie Libelle des Jahres – auf einer Porzellanschatulle vor. Nach der Ausstellung des städtischen Kunstvereins, die diesmal Werke des Japaners Yoshio Kuriki zeigt, folgt ab Mitte November wieder eine Hausausstellung. "Reiz der Abwechslung" wird sich mit Darstellungen der Jahreszeiten und typischen Tätigkeiten befassen. Zurückgreifen kann die Kuratorin hier unter anderem auf einen reichen Bestand von Schulwandbildern, aber auch auf Werke der Schopfheimer Maler Gustav Wilhelm und Carl August Friesenegger.
Keine Sonderausstellungen zeigt das Museum Alte Schule Efringen-Kirchen. Die mittlerweile 25 Jahre alte Dauerausstellung wird jedoch mit Ausnahme der Bereiche Dorfleben und Küche um 1900 vollständig neu konzipiert. Auch an den Ankerpunkten, wie etwa dem jungsteinzeitlichen Jaspisbergwerk in Kleinkembs wird nicht gerüttelt. Aktualisiert werden soll dagegen die Vermittlung. "Ich möchte einen Anreiz bieten, sich selbst mit der Regionalgeschichte auseinanderzusetzen", erklärt Museumsleiterin Maren Siegmann. Anstatt jedes Exponat mit wenigen Stichworten zu charakterisieren, will sie lieber auf kleine Geschichten, gerne auch im O-Ton erzählt, zurückgreifen. Schließlich sei die Region sehr geschichtsträchtig. Als Beispiel nennt Siegmann einen im 18. Jahrhundert vor Ort gefundenen Rest eines Mammutstoßzahns, der an sich nichts Besonderes wäre, gäbe es dazu nicht gleichzeitig den ersten paläontologischen Fundbericht weltweit, mindestens aber im deutschsprachigen Raum. Heute findet er sich im Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe. Dort trägt er nicht irgendeine Inventarnummer, sondern die Eins.
Am 13. Oktober öffnet das Museum am Lindenplatz in Weil am Rhein wieder seine Pforten. Unter dem selbstbewussten Titel "Weil Welt Weit – Weiler Spuren in der ganzen Welt" fragt die neue Ausstellung dann nach, was eigentlich echte Weiler Produkte sind und wo sie sich verteilt über den Globus finden. Dabei geht es sowohl um das Prädikat "Made in Weil" als auch um die drei Partnerstädte, das gleich gegenüber liegende Elsässer Huningue, das britische Bognor Regnis am Ärmelkanal und das brandenburgische Trebbin. Persönlichkeiten, die es zu internationalem Erfolg gebracht haben, finden ebenso Erwähnung wie Weiler im Ausland, die für die globale Vernetzung stehen. Als wichtiges Exportprodukt wird auch der Weiler Wein nicht vergessen. Kurioses kommt in der Ausstellung, die über eine eigene Kinderstation verfügt, zur Sprache, aber auch Ernsthaftes, wie das eng mit Weil verflochtene deutsch-französische Institut Saint-Louis ISL mit seiner Forschung auf militärischem Gebiet. An dessen einstigen Direktor, den Ballistiker Hubert Schardin erinnert ein ganz besonderes Exponat, die von ihm mitentwickelte und bis heute eingesetzte Funkenzeitlupenkamera.

Das Museum Weiler Textilgeschichte zeigt ab November die Sonderausstellung "Knopf dran". Station machen wird dann eine im Stadtmuseum Bietigheim-Bissingen zusammengestellte kleine Kulturgeschichte des Knopfs. Erinnert werde dabei sowohl an frühe Formen aus vorrömischer Zeit als auch an die erst im Mittelalter aufkommende regelrechte Knopfmode, erklärt Museumsleiterin Simone Kern. Von Interesse seien dabei auch die verwendeten Materialien und die neuen Berufszweige, die in der Folge entstanden. Weiterhin zu sehen ist die Dauerausstellung über die mehr als 100-jährige Geschichte der Textilproduktion in Weil-Friedlingen, die in ihrer Blütezeit rund 2300 Menschen Arbeit gab. Mit historischen Maschinen, Werkzeugen, Musterbüchern und weiteren Überbleibseln aus einer untergegangenen Industriekultur erinnert sie an Betriebe wie die Seidenstoffweberei Schwarzenbach und die Färberei Schusterinsel.