Tatort Dallas

50 Jahre Kennedy-Attentat: Ein Gefühl verlorener Unschuld

Jens Schmitz

Von Jens Schmitz

Sa, 16. November 2013 um 00:00 Uhr

Panorama

Drei Schüsse erschütterten die Welt: Ein halbes Jahrhundert nach dem Attentat auf den US-Präsidenten J. F. Kennedy haben der Mord und sein Opfer nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Ein Dokument der Zeitgeschichte.

Die Zeit ist stehen geblieben hier oben, jedenfalls scheint es so. Sonnenlicht strömt durch die alten Scheiben im fünften Stock, auf den Dielen stapeln sich Schulbuchkartons. Durchs Fenster schweift der Blick über die Dealey Plaza, auch sie sieht kaum anders aus als vor 50 Jahren: Am 22. November 1963 zielte Lee Harvey Oswald von diesem Sims aus auf den 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Die Katastrophe war im Fernsehen zu sehen, sie sorgte weltweit für Fassungslosigkeit. Bis heute beißen Verschwörungstheoretiker sich an dem Attentat die Zähne aus. Vor allem aber machte es John F. Kennedy unsterblich: Ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod haben der Mord und sein Opfer nichts von ihrer Faszination eingebüßt; zum 50. Jahrestag erscheinen mehr als 1000 neue Bücher und Filme.

Was das Phänomen ausmacht, werden auch sie nicht letztgültig klären. Das wird nirgends deutlicher als in Dallas selbst. Nur mühsam hat sich die Stadt von jenen Novembertagen erholt. Der Blick aus dem fünften Stock im ehemaligen Texas School Book Depository ist heute Teil einer Gedenkstätte, die versucht, dem Geschehen historische Perspektive zu geben. Aber obwohl ein Mord selten von mehr Zeugen beobachtet wurde, ist diese Sicht vielfach gebrochen. "Es gibt immer noch Menschen, die diesen Ort nicht besuchen wollen", sagt Stephen Fagin, Kurator des Sixth Floor Museums. "Dieses Gebäude wurde als Manifestation des Bösen bezeichnet."

Dabei hatte Dallas schon vor dem Mord einen miesen Ruf. Eine kleine, aber lautstarke Gruppe von Rechtsextremisten hatte das Image landesweit ramponiert. Nun hatte ein linksradikaler Gelegenheitsarbeiter die schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Der strahlende Hoffnungsträger der freien Welt war tot, erschossen auf einer harmlosen Tour zum Spendensammeln. Jahrelang wurden Menschen aus Texas im Rest der USA angefeindet, war Dallas als "Stadt der Schande" verhasst. Fagin hat diese Zeit ...

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