Kriminalität

Das sind die sieben miesen Tricks der Corona-Betrüger

Hanna Gersmann

Von Hanna Gersmann

Mi, 25. März 2020 um 13:30 Uhr

Panorama

Gerade in Krisenzeiten nutzen Kriminelle die Angst der Menschen aus, um sich zu bereichern. Ein Überblick – von angeblichen Wundermitteln bis zu Fake-Shops.

Ach, würde es nur helfen gegen das Coronavirus – die Zwiebel, die im Internet als Wundermittel angepriesen wird, der vermeintliche Banker, der gar nicht von der eigenen Bank ist, und der sich am Telefon meldet. Dahinter stecken Betrüger, die nicht Ihr Bestes, sondern Ihr Geld wollen. Wie lassen sich diese neuen, fiesen Tricks erkennen?

Vertrauen Sie auf Ihren gesunden Menschenverstand

"Auf Whatsapp oder Facebook geistern haarsträubende Tipps gegen das aktuelle Coronavirus durch die Welt", warnt Mechthild Winkelmann von der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen. Mal sollten aufgeschnittene und in der Wohnung ausgelegte Zwiebeln Viren "aufsaugen". "Dabei stärkten Zwiebeln allenfalls als Nahrung das Immunsystem", sagt Winkelmann. Mal heiße es, gegen Corona helfe, gekochten Ingwer auf leeren Magen zu essen. Doch auch das sei "natürlich Quatsch", sagt sie. Ebenso wenig könne Kokosöl, wie mitunter empfohlen, den "virtuellen Belastungsdruck deckeln", nur weil man es auf der Zunge zergehen lasse. Und ein Vitamin-Präparat? "Nein", sagt die Verbraucherschützerin, "es gibt keine Nahrungsergänzungsmittel, die eine Erkrankung mit dem neuartigen Coronavirus verhindern können." Heißes Wasser könne es übrigens auch nicht. "Es ist gut, vitaminreich zu essen, auch mal einen Tee zu trinken, aber mit irgendwelchen Hausmittelchen wird niemand immun gegen Corona", so Winkelmann. Und schon gar nicht sei damit – das sagt schon der gesunde Menschenverstand – eine Heilung zu erreichen.

Seien Sie misstrauisch

Richtig stutzig machen, so Winkelmann, müsse einen das angebliche Wundermittel "MMS", das "Miracle Mineral Supplement". MMS, das mitunter auch unter dem Namen CDL, Chlordioxidlösung, verkauft werde, sei gefährlich. Es bestehe aus Natriumchlorid und einer Säure. Es reize und ätze Schleimhäute und Haut, diene zum Beispiel zum Bleichen von Textilien. Winkelmann: "Auf keinen Fall einnehmen!" Auch Arsen in homöopathischen Dosen sei "keine gute Idee" . Arsen ist ein giftiges Halbmetall. "Misstrauisch sein!", sagt Winkelmann. Es sei nicht ausreichend, wenn jemand etwas empfehle, weil ein anderer ihm etwas gesagt habe, der wiederum einen kenne, der jemanden kennt. Man sollte sich nur auf seriöse Quellen verlassen, wie etwa die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Öffnen Sie nicht jedem die Tür

Die Betrüger geben sich als Mitarbeiter der örtlichen Wasserwerke aus ("Wir wollen nur schnell eine Probe nehmen!") oder als Ärzte des Gesundheitsamtes. Sie tragen Mundschutz und Schutzanzüge, behaupten sie wollten die Hausbewohner auf Coronaviren testen. Oder als Feuerwehrleute, auch als Mitarbeiter der Telekom. Der Fantasie scheinen da keine Grenzen gesetzt. Tatsächlich wollen sie nur eins: Zutritt zur Wohnung bekommen. Das Gesundheitsamt aber mache nur in Ausnahmefällen und niemals nachts Hausbesuche. Die Mitarbeiter weisen sich außerdem immer aus. So erklärte das beispielsweise die Polizei Sachsen. Fazit: Am besten machen Sie nicht auf, wenn jemand vor der Wohnung steht, den Sie nicht kennen.

Wenden Sie sich im Zweifel an die Polizei

Es ist eine Variante des altbekannten Enkeltricks: Die Betrüger geben sich – am liebsten bei Älteren – am Telefon als Angehörige aus, behaupten, sie hätten sich mit dem Coronavirus angesteckt und bräuchten Geld. Ein Freund komme später und hole es ab. Erwähnen Sie gegenüber dem dubiosen Anrufer auf keinen Fall den Namen Ihres Enkels, der Nichte, wen immer der Anrufer ins Spiel bringt. Sondern bringen Sie den Anrufer dazu, diesen Namen zu nennen. Fragen Sie zudem nach Dingen, die nur der echte Verwandte kennen kann. Auf keinen Fall sollten Sie Details zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen preisgeben. So erklärt das Ralf Michelfelder, der Präsident des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg. Er mahnt: "Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen." Sein Tipp: "Wenden Sie sich sofort an die Polizei unter der Telefonnummer 110, wenn Sie einen Betrug vermuten", sagt Michelfelder.

Beschweren Sie sich bei nervenden Werbeanrufen

Unseriöse Geschäftemacher versuchen derzeit, Sparanlagen oder Kreditkarten am Telefon zu verkaufen – angeblich, weil Bargeld bald entwertet werden würde. "Das ist natürlich nicht der Fall", erklärt Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale Sachsen. Sei Verbrauchern am Telefon ein Vertrag "untergeschoben" worden, müssten diese das nicht hinnehmen. "Sie können ihn 14 Tage lang widerrufen." Telefonwerbung kann man bei der Bundesnetzagentur melden. "Diese kann die Rufnummern abschalten und gegen die Betreiber Bußgelder verhängen."

Lassen Sie sich nicht zum Panikkauf verführen

Betrüger schicken Werbemails und verweisen auf einen Internetshop, der gar nicht existiert. Dort werden etwa Desinfektionsmittel oder Atemschutzmasken angeboten, die sonst kaum erhältlich sind, gerne zu überhöhten Preisen. Wer sie bestellt, im Voraus bezahlt, bekommt keine Lieferung. Sei das Geld überwiesen, gebe es nichts zurück, erklärt Verbraucherschützerin Siegert. Diese sogenannten Fake-Shops hätten oft kein Impressum, auch keine direkte Kontaktmöglichkeit. Für die Bestellung sei häufig nichts anderes möglich als Vorkasse.

Checken Sie beim Empfang einer E-Mail zunächst den Absender

Sie fälschen E-Mails, geben angeblich Tipps, wie sich in Corona-Zeiten Geld retten oder eine tolle Rendite erzielen lässt – und wollen doch nur sensible Daten klauen. Öffnen Sie diese sogenannten Phishing-Mails erst gar nicht, die angehängten Dateien erst recht nicht, auch nicht etwaige Links, rät der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Auch bei vermeintlichen Corona-Newslettern sollten man vorsichtig sein. Die Mails sehen täuschend echt aus. Gerade erst hat die Weltgesundheitsorganisation, die WHO, davor gewarnt, dass Betrüger in ihrem Namen Phishing-Mails verschicken oder anrufen.