Scheunenfund

Dieser Lamborghini Miura S aus Freiburg brachte fast 1,5 Millionen Euro

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Di, 03. Dezember 2019 um 09:44 Uhr

Freiburg

Das Auto stand jahrzehntelang verstaubt in Freiburg-Kappel: In London ist ein seltener Lamborghini Miura für fast 1,5 Millionen Euro versteigert worden. Er bleibt aber in Süddeutschland.

Frank Sinatra hat einen besessen, Miles Davis seinen im Kokainrausch zu Schrott gefahren – der Lamborghini Miura ist eine automobile Legende. Nur 750 wurden davon gebaut, von dem Modell Miura S sogar nur 140.

Wie viele von letzterem noch existieren, kann niemand sagen – einer davon stand jedoch bis vor wenigen Wochen in Freiburg-Kappel und verstaubte in einer unscheinbaren Garage. Vor Kurzem wurde der Scheunenfund beim britischen Aktionshaus RM Sotheby’s versteigert – und machte seinen Besitzer zum Millionär.

Der Miura war eine Revolution

Ferrucio Lamborghini und Enzo Ferrari waren in den 1960er Jahren erbitterte Rivalen – und zwei völlig unterschiedliche Charaktere. Da der aristokratisch-schnöselige Ferrari, dort der rustikale Lamborghini, der eigentlich Traktoren gebaut hatte und mit dem Sportwagenbau zunächst fremdelte.

Das änderte sich, als drei Ingenieure Lamborghinis in ihrer Freizeit an einem Prototypen des Miura arbeiteten und diesen dem Chef präsentierten. Nach anfänglichem Zögern fing der Chef doch noch Feuer, denn das, was die drei Techniker ihm präsentierten, war nichts anderes als eine Revolution und ein Weg, dem arroganten Konkurrenten aus Maranello eine Harke zu zeigen.

Der Miura war mit seinen 350 PS nicht nur der der schnellste Straßensportwagen seiner Zeit, auch sein Antriebskonzept brach mit sämtlichen Konventionen. Statt einem Front- oder Heckmotor war der gewaltige Zwölfzylinder quer in der Mitte, gleich hinter den beiden Sitzen eingebaut. Fortan sollte aus Lamborghini ein praktisch reiner Sportwagenbauer werden – und einer der klangvollsten Namen der Automobilgeschichte.

Der Freiburger Miura war ein Erbstück

Kein Wunder, dass für die verblieben Miuras Höchstpreise unter Sammlern gezahlt werden. So auch für den Freiburger Miura S.: 1.248.125 britische Pfund zahlte ein anonymer Bieter bei der Versteigerung, rund 1.440.000 Euro – und machte einen Freiburger damit reich.

Seit 1974 war der 1969 gebaute sonnengelbe Miura S im Besitz des Freiburgers Hanspeter Weber. Als dieser im Mai 2015 überraschend verstarb, hinterließ er den Sportwagen seinem Bruder Karl – und dieser ließ ihn seither in der Garage stehen. Eine dicke Staubschicht hatte sich bereits gebildet, als sich die Nachkommen Webers nach langen Überlegungen entschieden, das Auto zu verkaufen.

"Ein solches Auto zu finden ist der Traum." Oldtimer-Experte Marcus Görig
Sie wandten sich an das Auktionshaus RM Sotheby’s, das den Münchner Oldtimer-Experten Marcus Görig umgehend in den Breisgau schickte. "Ich habe gedacht, mich trifft der Schlag, als ich das Auto gesehen habe", sagt Görig auf BZ-Anfrage. "So muss sich der Archäologe Howard Carter gefühlt haben, als er die Grabkammer des Tutenchamun öffnete."

"Ein solches Auto zu finden ist der Traum für jeden, der einen solchen Job macht wie ich", sagte Görig dem RTL II-Automagazin Grip, das den Weg des Sportwagens bis zur Auktion begleitete. Der Wagen sei fast im Originalzustand und sein Werdegang lasse sich lückenlos nachvollziehen.

Der Miura bleibt in Süddeutschland

Selbst als das Auto im Verkaufsraum des Auktionshauses stand, hat man es extra nicht auf Hochglanz poliert, um den ursprünglichen Charakter des Scheunenfunds zu demonstrieren. "Das ist mit Sicherheit das einzige ungewaschene Auto hier – und das haben wir auch bewusst so belassen", sagte er in dem TV-Beitrag.

Am Ende zeigte sich Karl Weber nach dem rekordverdächtigen Ergebnis der Aktion überwältigt. "Mir kommen die Tränen", sagt er sichtlich gerührt – und versprach, einen Teil des Erlöses der Freiburger Kinderklinik zu spenden.

Gleichzeitig gehe für ihn nun eine Tradition zu Ende, denn der Lamborghini sei über Jahrzehnte ein fester Bestandteil der Familie gewesen. Immerhin geht der Sportwagen nun nicht an einen Sammler in Fernost oder Russland. Meistbietender war ein süddeutscher Geschäftsmann, sagte Mit-Auktionator Görig der BZ.
Der Lamborghini Miura LP400 S

  • Motor: V12
  • Hubraum: 3929 Kubikzentimeter
  • Leistung: 272 kW (370 PS) bei 7700 U/min
  • Drehmoment: 388 Nm bei 5500 U/min
  • Leergewicht: 1298 kg
  • Beschleunigung: 5,5 Sekunden 0-60 mph
  • Höchstgeschwindigkeit: über 270 km/h

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