Polizei zerschlägt Drogenhändlerring

Getarnt als "Kräutermischung" oder "Badesalz": Ein 32-Jähriger verkaufte jahrelang harte Drogen

Patrick Guyton

Von Patrick Guyton

Do, 14. März 2019 um 20:30 Uhr

Panorama

Die Organisation um einen 32-jährigen Münchner Produzenten verkaufte über Internetshops sogenannte neue psychoaktive Stoffe und verdiente damit zehn Millionen Euro.

Die bayerische Polizei hat einen international tätigen Drogenhändlerring aufgelöst. Die Organisation um einen 32-jährigen Münchner Produzenten hatte über mindestens 30 Internetshops sogenannte Kräutermischungen an mehr als 20 000 Käufer in Deutschland und im Ausland verschickt – und zehn Millionen Euro verdient.

"Ich bin doch nicht so blöd und nehme das Zeug selbst", sagte der 32-Jährige den Ermittlern nach seiner Festnahme. Stattdessen mixte der Mann die "Neuen psychoaktiven Stoffe" (NpS) und verkaufte sie im Internet – beziehungsweise ließ er sie verkaufen. Denn laut Kriminaldirektor Jörg Beyser vom bayerischen Landeskriminalamt (LKA) seien mindestens 42 Personen am "Händlerring" beteiligt gewesen, denn das LKA aufgedeckt hat.

Laut dem bayerischen Innenministerium sei es das größte Ermittlungsverfahren wegen der neuartigen Drogen im gesamten Bundesgebiet.

NpS werden auch "Legal Highs" genannt – legal sind sie aber nicht mehr

Seit einigen Jahren breiten sich Substanzen aus, die früher "Legal Highs" genannt wurden, aber nicht mehr legal sind. Sie bestehen aus meist in China hergestellten chemischen Stoffen, die mit Kräutern und Lösungsmittel gemixt werden. Chemische Kenntnisse seien zur Herstellung der NpS nicht erforderlich.

Unter harmlos klingenden Bezeichnungen wie "Kräutermischung" oder "Badesalz" werden sie meist im Internet vertrieben, erzählt Walter Bogenreuther, Kommissariatsleiter Rauschgift bei der Kripo Ansbach. Manche Stoffe können schwere Psychosen oder Halluzinationen auslösen, andere wirken wie Haschisch, aber um ein Vielfaches verstärkt.

Die Ware wird in Tütchen verpackt, die wie Verpackungen von Sammelkarten aussehen

Auf der Pressekonferenz am Donnerstag zeigt das LKA die Original-Zutaten aus der Drogenküche des 32-Jährigen Produzenten: Ein Deutscher aus Dinkelsbühl im Kreis Ansbach, der sich mit den Gewinnen ein Luxusleben in München gönnte, so die Ermittler. Sie zeigen große Ballen aus Damianakraut, welches eigentlich als Heilmittel dient, Lösungsmittel in Eimern sowie die im Labor hergestellten Drogen, gepresst als weiße Blöcke.

Es folgt die abgepackte Ware – glitzernde Tütchen, die wie die Verpackungen von Kinder-Sammelkarten aussehen. Ein Clown mit einer roten Nase ist darauf abgebildet, dazu der Name "Psycho". 30 Euro kostete eine Fünf-Gramm-Packung, sagt Bogenreuther.

Die Konsumenten rauchen das Gemisch, von dem sie nicht wissen, was es enthält. 2016 sind 40 Menschen in Bayern daran erwiesenermaßen gestorben, 2017 waren es 37 und 2018 schließlich 8. Den Rückgang erklärt das LKA damit, dass eine Substanz, die häufig tödlich wirkte, vom Markt verschwunden ist.

Die Drogen wurden per Nachnahme mit der Post verschickt

Der Kopf des Drogenrings hat eine Art mittelständisches Unternehmen aufgebaut, so LKA-Präsident Robert Heimberger. Der 32-Jährige, der geständig ist, produzierte die Drogen in Dinkelsbühler und Münchner Wohnungen. Die viele Kilogramm schweren Brocken gingen an "Umverpacker", hauptsächlich nach Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Diese füllten das Material in die 3- oder 5-Gramm-Tüten. Per Nachnahme wurden sie verschickt, die Kunden zahlten bar beim Postboten.

Eine Gruppe aus Internetadministratoren wiederum pflegte die 30 Online-Shops. Man kümmerte sich um Sonderangebote – "drei zum Preis von zwei", Kundensupport, Rücknahmen und Umtausch. Andere Mitarbeiter waren beauftragt, das auf den vielen Konten eingehende Drogengeld zu waschen. So wurden auf einem Konto etwa innerhalb von fünf Monaten 10 000 Zahlungseingänge registriert.

Der Haupttäter verdiente 60 000 Euro pro Monat mit seinem Geschäft

Von März 2017 bis März 2018 dauerten die Ermittlungen, seitdem sitzen vier Beschuldigte in Haft. In diesem Zeitraum wurde mehr als eine Tonne Drogen für zehn Millionen Euro verkauft. Der Haupttäter gab an, monatlich 60 000 Euro verdient zu haben. Fünfstellige Restaurantrechnungen wurden entdeckt, die Wohnung sei voll gewesen mit unbenutzten Luxusartikeln – darunter Vuitton- und Gucci-Sonnenbrillen, ein riesiger Flachbildschirm und viel Rosenthal-Porzellan.