Großes Dunkelfeld

dpa

Von dpa

Mi, 18. September 2019

Panorama

Studie zu Polizeigewalt.

BOCHUM (dpa). Auf einen Verdachtsfall von illegaler Polizeigewalt kommen in Deutschland Forschern zufolge mindestens fünf Fälle, die nicht angezeigt werden. Das geht aus der ersten Studie zur Erforschung illegaler Polizeigewalt in Deutschland hervor. Das Dunkelfeld läge damit bei mindestens 10 000 mutmaßlichen Gewalttaten durch Polizisten im Jahr.

Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum haben einen Zwischenbericht der Studie ("Körperverletzung im Amt") veröffentlicht, für die knapp 3400 mutmaßliche Opfer von rechtswidriger Polizeigewalt Auskunft gaben. Laut amtlicher Statistik wird gegen rund 4000 Polizisten pro Jahr von den Staatsanwaltschaften ermittelt – wegen 2000 Verdachtsfällen illegaler Polizeigewalt. Das ist das sogenannte Hellfeld bekannt gewordener Vorfälle.

Mit dem errechneten Verhältnis von 1:5 von Hell- zu Dunkelfeld sei man sehr vorsichtig gewesen, denn eigentlich habe die Studie sogar ein Verhältnis von 1:6 ergeben. "Wir nehmen außerdem an, dass diejenigen, die Anzeige erstatten, sich auch eher an einer solchen Umfrage beteiligen, also überrepräsentiert sind", sagte Tobias Singelnstein. Dem Vorwurf, dass Befragte die Polizei mit falschen Beschuldigungen überhäuft haben könnten, entgegnet der Kriminologe: "Wir haben eher große Zurückhaltung und Furcht der Befragten erlebt."

Was die angezeigten Vorfälle angeht, weisen die Strafverfahren gegen Polizisten den Forschern zufolge eine auffallend hohe Quote an Einstellungen der Verfahren auf. Nur in sieben Prozent der angezeigten Fälle sei Anklage erhoben oder ein Strafbefehl beantragt worden.