Queen geht auf Harry und Meghan zu

Peter Nonnenmacher und dpa

Von Peter Nonnenmacher & dpa

Di, 14. Januar 2020

Panorama

Elizabeth II. bezeichnet Diskussionen mit ihrem Enkel und seiner Frau auf einer Krisensitzung als "sehr konstruktiv".

LONDON. Prinz Harry und Herzogin Meghan galten als Hoffnung der britischen Königsfamilie. Nach ihrer Ankündigung, sowohl in Großbritannien wie in Kanada zu leben, finanziell unabhängig zu sein und sich von ihren Verpflichtungen teilweise zurückzuziehen, ist die Monarchie im Schockzustand. Ihre Familie und sie selbst unterstützen den Wunsch von Harry und Meghan, ein "neues Leben als junge Familie zu schaffen", sagte nun die Queen am Montag auf einer Krisensitzung.

Während sie es "lieber gesehen" hätte, dass Harry und Meghan "Vollzeit-Mitglieder der königlichen Familie" geblieben wären, "respektiere" sie deren Wunsch, ein unabhängigeres Leben zu führen, ohne ganz aus dem Königshaus auszuscheiden, erklärte die Queen. Man habe zunächst "eine Übergangszeit" vereinbart, die das Paar teils in Kanada, teils im Vereinigten Königreich verbringen werde. Es müssten noch weitere Entscheidungen in den nächsten Tagen getroffen werden, teilte die 93 Jahre alte Königin nach dem Treffen auf ihrem Landsitz in Ostengland mit. Meghan hatte sich telefonisch aus Kanada zugeschaltet. An dem Treffen hatten auch Harrys Bruder William (37) und Thronfolger Prinz Charles (71) teilgenommen.

Umstritten ist zum Beispiel, wie sich der Herzog und die Herzogin von Sussex "finanziell unabhängig" machen wollen. Harry und Meghan wollen künftig ohne die direkten Zuschüsse aus der Staatskasse auskommen – außer sie sind für die Königin im Einsatz. Ihren britischen Wohnsitz, das Anwesen Frogmore Cottage auf dem Gelände von Windsor, wollen sie behalten. Dieses vom Steuerzahler restaurierte Gut hat ihnen die Queen zur Verfügung gestellt.

  Arm sind Harry und Meghan nicht. Ihr gemeinsames Vermögen soll sich auf insgesamt 30 Millionen Pfund belaufen. Beide hoffen nun auf weitere Einnahmequellen. Eine Handelsmarke "Sussex Royal" existiert bereits. Sie reicht von lukrativen Bücher-Deals bis hin zu Modeartikeln. Eine Instagram-Gefolgschaft von mehr als zehn Millionen potenziellen Konsumenten steht bereit. Jede Handtasche, mit der Meghan sich in den vergangenen zwei Jahren zeigte, war binnen kürzester Zeit ausverkauft. Auch Film- und Fernseh-Projekte sind offenbar geplant. Verträge mit dem Disney-Konzern und Oprah Winfrey gibt es bereits. Festansprachen und Auftritte bei Großveranstaltungen werden als weitere Einnahmemöglichkeit betrachtet. Stiftungen wie die von Ex-US-Präsident Barack Obama und seiner Frau Michelle sollen Vorbild sein. Meghan, die sich vor ihrer Heirat einen Namen als TV-Soap-Star machte, könnte wohl mit Angeboten aus Hollywood rechnen.  

Nicht nur die anderen Windsors dürfte es angesichts dieser Pläne grausen. Wie kann man es dem Sechsten in der Thronfolge und seiner Frau erlauben, aus ihrem royalen Status persönlichen Profit zu schlagen? Und was sagt die Öffentlichkeit dazu?   Schließlich haben die beiden gelobt, ihre Pflicht gegenüber Queen und Commonwealth zu erfüllen.

  Über 200 Termine hat Harry allein im vergangenen Jahr absolviert. Und nur durch vorbehaltlosen Einsatz für die Krone könne jemand seine Zugehörigkeit zum Königshaus rechtfertigen, meinen britische Royalisten.   Eine Überlegung war, dass die beiden ihre Sussex-Titel abgäben: Was natürlich wenig Spielraum gelassen hätte für ihre Marke "Sussex Royal". Eine Änderung der Thronfolge – der radikalste Schritt – hätte einen Parlamentsbeschluss erfordert. Das wäre ein echter Paukenschlag gewesen. Offenbar rechnet die Königin aber nun damit, dass Harry und Meghan dem Königshaus auf irgendeine Weise erhalten bleiben – und es nicht zu einem harten Abgang kommt. Ein Kompromissvorschlag, der wohl auch besprochen wurde, läuft darauf hinaus, Harry eine Sonderrolle im Commonwealth zu übertragen, dem auch seine Wahlheimat Kanada angehört. Präsident des Commonwealth-Trusts der Queen ist er bereits, Meghan seine Stellvertreterin.

In einer versöhnlichen Geste widersprach Harry am Montag außerdem zusammen mit Bruder William Berichten, denen zufolge er und Meghan vom Rest der Familie "schikaniert" worden seien und aus London "vertrieben" würden ins amerikanische Exil. Das sei "kompletter Unsinn", beteuerten die Brüder in einer gemeinsamen Erklärung.