Aus Deutschland entführte Frau im Elsass befreit

dpa

Von dpa

Do, 13. Juni 2019

Südwest

Pflegerin aus Schwaben war vor einer Woche verschwunden / Ihr Ex-Freund soll sie mit einem Komplizen verschleppt haben.

ASPACH/HAGENAU (dpa/tst). Eine 47-jährige Frau, die in der vergangenen Woche aus Deutschland verschwunden und vermutlich entführt worden war, ist am Dienstagabend in einem Wald bei Haguenau im Département Bas-Rhin rund 30 Kilometer nördlich von Straßburg von der französischen Polizei befreit worden. Festgenommen wurden ihr 51-jähriger früherer Freund und ein 23-jähriger Komplize des Mannes. Die beiden sind wie die Frau polnischer Herkunft.

Die 47-Jährige ist eine Pflegerin aus Aspach (Rems-Murr-Kreis). Nach Polizeiangaben war sie nach einer Pause nicht ihre Arbeitsstelle zurückgekehrt. Nach Überzeugung der Polizei hat das Scheitern seiner Beziehung den Polen dazu getrieben, seine Ex-Freundin in einem Wohnmobil ins deutsch-französische Grenzgebiet zu verschleppen. Nach Informationen der elsässischen Zeitung Dernières Nouvelles d’Alsace (DNA) hatte die Frau am Tag ihres Verschwindens ein Treffen mit dem Mann verabredet, der auch der Vater ihrer Tochter sei.

Die Tat soll der 51-Jährige nach Polizeiangaben detailliert geplant haben. "Es deutet nichts auf eine Kurzschlusstat hin", sagte ein Sprecher der deutschen Polizei in Aalen. "Der Mann hat sich im Vorfeld entsprechend schlaugemacht und ist dann erst nach Deutschland eingereist." Unklar bleibt bislang, was der Mann mit seiner Tat erreichen wollte. Lösegeld habe er nicht verlangt, so die Auskunft der Polizei.

Der neben dem Ex-Freund verdächtige 23-Jährige soll nach Angaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und des SWR ein Mitarbeiter des verdächtigten Mannes sein. Dieser ist Automechanikers.

Polnische, französische und deutsche Polizisten hatten bei den Ermittlungen zusammengearbeitet. An der Festnahme der beiden Männer und der Befreiung im Elsass waren nach Angaben der Polizei in Aalen keine deutschen Beamten direkt beteiligt.

Zuletzt sollen die Verdächtigen mit ihrem Opfer zu Fuß unterwegs gewesen sein. Das Wohnmobil, in dem die Pflegekraft verschleppt worden war, war bereits vor knapp einer Woche leer in einem Wald bei Straßburg gefunden worden. Laut DNA hatte am Tag zuvor ein Zeuge den Hauptverdächtigen eilig aus dem Fahrzeug kommen sehen, danach hatte er Geräusche aus dem Inneren gehört, die darauf schließen ließen, dass jemand darin festgehalten wurde. Nach dem Auffinden war das Wohnmobil von der Spurensicherung der französischen Polizei untersucht worden.

Vor der Festnahme waren die mutmaßlichen Entführer bereits mehrfach von Zeugen gesehen worden, vergangene Woche hatte eine im Wald platzierte Wildkamera eines Jägers die beiden Entführer festgehalten. Auf dem Foto waren auch die auffälligen Tätowierungen des 51-Jährigen zu sehen gewesen. Einen Tag später hatte sie zudem ein Zeuge in Begleitung der 47 Jahre alten Frau gesehen, sagte der Aalener Polizeisprecher.

Ein weiterer Zeuge schließlich hatte einen der beiden Männer beim Einkaufen entdeckt und die Polizei alarmiert. "Die Kollegen legten sich daraufhin tagelang auf die Lauer, und siehe da: Der Mann wurde beim Wasserkaufen ertappt", so der Aalener Sprecher. Die Polizei verfolgte ihn und schlug am Zelt des Duos in einem Waldstück zu. Zuvor waren auf der Suche auch Hubschrauber und Polizeihunde eingesetzt worden.

Verhör erst durch die französische Polizei

Die Männer würden zunächst in Frankreich verhört, teilte die Aalener Polizei mit. Zwar gilt ihre Auslieferung als wahrscheinlich, doch müssen zunächst die französischen Behörden darüber entscheiden. Einen gesonderten Antrag müsse die deutsche Justiz wegen des bereits vorliegenden europäischen Haftbefehls nicht stellen, sagte Heiner Römhild von der Stuttgarter Staatsanwaltschaft.

Vor dem Zugriff und der Festnahme am Dienstag in Frankreich hatte die Polizei auch in Deutschland die Öffentlichkeit davor gewarnt, im deutsch-französischen Grenzgebiet Anhalter mitzunehmen. Sie hatte befürchtet, die beiden Männer könnten eine Mitfahrgelegenheit nach Polen suchen.