Das E-Rezept aufs Smartphone

Jens Schmitz

Von Jens Schmitz

Sa, 09. November 2019

Südwest

Modellversuch "Gerda" soll bundesweit Vorbild werden / 2020 soll er auf den ganzen Südwesten ausgedehnt werden.

STUTTGART. Nach Pionierarbeit beim Bildschirm-Arzt geht Baden-Württemberg den nächsten Schritt: Seit diesem Monat können gesetzlich Versicherte in Modellregionen ein elektronisches Rezept empfangen und an eine örtliche Apotheke ihrer Wahl weiterleiten. 2020 soll das im ganzen Land möglich werden. Mit der Initiative wollen Kassen, Apotheker und Politik bundesweit Standards setzen.

Das Projekt heißt "Gerda" (Geschützer E-Rezept-Dienst der Apotheken), und die Beteiligten sind erkennbar zufrieden: "Eine historische Stunde", erklärte Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) bei der Vorstellung am Donnerstag. "Wir schreiben heute Geschichte", pflichtete Johannes Fechner bei, Vizevorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg: "Als erstes Bundesland in Deutschland können wir den gesetzlich Krankenversicherten jetzt telemedizinische Beratung und bei Bedarf gleichzeitig auch ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel zukommen lassen." Tatjana Zambo, Vizepräsidentin des Landesapothekerverbandes, erkannte "eine neue Ära in der Arzneimittelversorgung". Der Präsident der Landesapothekerkammer, Günther Hanke betonte: "Die Technologie hat das Potenzial, Vorlage für eine bundeseinheitliche Lösung zu sein."

Das Verfahren ist zunächst an das Telemedizinangebot "docdirekt" gekoppelt, das im vergangenen Jahr gestartet ist. Über eine App auf dem Smartphone können gesetzlich Versicherte dort Ärzte per Video konsultieren. Für ein Rezept mussten sie bislang aber weiterhin eine Praxis aufsuchen. Mit der neuen Technik können Ärzte das Dokument auf einen Server schicken. Patienten können es dort einsehen und anschließend einer teilnehmenden Apotheke ihrer Wahl zugänglich machen. Über eine Chatfunktion können sich Apotheke und Kunde auch verständigen, beispielsweise zum Abholtermin oder einem Botendienst.

Fechner zufolge gibt es bei "docdirekt" 40 Telemedizinärzte. Bei einem Drittel der Gespräche hätten die Mediziner gern ein elektronisches Rezept ausgestellt, wenn das möglich gewesen wäre. "Gerda" wird nun in den Landkreisen Stuttgart und Tuttlingen getestet. Zambo zufolge nehmen daran zehn Apotheken teil; zahlreiche weitere hätten sich aber schon angemeldet und seien im Prozess der Softwareanpassung. Wenn alles glatt geht, kommt 2020 die Ausweitung auf ganz Baden-Württemberg. Die Beteiligten betonten, sie wollten bei Ausstellung und Transport von Rezepten eine Vorreiterrolle einnehmen Das Land finanziert diesen Vorstoß mit einer Million Euro.