Lob vom Beirat und Kritik von Lehrern

Axel Habermehl

Von Axel Habermehl

Do, 13. Juni 2019

Südwest

Debatte über Unterrichtsbeginn.

STUTTGART. Der Vorstoß von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), den Unterrichtsbeginn an Schulen nach hinten zu verlegen und zeitlich stärker zu staffeln, hat ein geteiltes Echo ausgelöst. Gerhard Brand, Landesvorsitzender des Lehrerverbands VBE, erklärte: "Eine Flexibilisierung am Morgen führt zu einer Ausdehnung des Unterrichts am Nachmittag." Eine solche "Einführung der Ganztagsschule durch die Hintertür" lehne er ab. Brand empfahl Hermann, "sich um sein eigenes Ressort zu kümmern und das Kultusressort den Profis zu überlassen".

Dagegen befand Ingeborge Schöffel-Tschinke, Vorsitzende des Landesschulbeirates, Hermanns Idee habe "einen gewissen Charme". Jedoch sei der Verkehr dabei "nur ein Faktor unter vielen – und sicher nicht der entscheidende". Sie betonte, Wissenschaftler kritisierten schon lange den frühen Unterrichtsbeginn. Viele Jugendliche seien biologisch am frühen Morgen nicht in der Lage, ihre volle Leistung zu bringen. Das bisherige System des frühen Schulbeginns benachteilige diese. Sie befürworte eine Ganztagsschule.

Hermann hatte damit gerechnet, dass seine Ideen, von denen er sich eine Entspannung des morgendlichen Verkehrs erhofft, auf Widerstand von Lehrern treffen würde: "Den Lehrern passt das natürlich gut, dass sie zeitig anfangen und nachmittags rechtzeitig fertig sind und noch etwas vom Tag haben", sagte er vergangene Woche.