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Aldi verlangt für Obst- und Gemüsebeutel aus Plastik künftig einen Cent

dpa, AFP

Von dpa & AFP

Di, 11. Juni 2019 um 14:39 Uhr

Wirtschaft

Dünne Plastikbeutel für Obst und Gemüse kosten bei Aldi künftig einen "symbolischen Cent". Zudem will der Discounter neue Tüten aus einem nachwachsenden Rohstoff anbieten.

Der Discounter Aldi schafft die kostenlosen Obst- und Gemüsebeutel aus dünnem Plastik ab. Wer bei dem Billiganbieter beim Einkauf von Äpfeln, Birnen oder Tomaten nicht auf den sogenannten Knotenbeutel verzichten will, muss dafür vom Sommer an einen Cent pro Stück zahlen, wie das Unternehmen am Dienstag ankündigte. Zuvor hatte die "Süddeutsche Zeitung" darüber berichtet. Bisher bieten die großen Lebensmittelhändler die dünnen Kunststoffbeutel in ihren Obst- und Gemüseabteilungen in der Regel noch kostenlos an.

Der Hintergrund des Aldi-Schritts: In den vergangenen Jahren ist zwar der Verbrauch an "klassischen" Plastiktüten in Deutschland deutlich zurückgegangen, weil sie kaum noch umsonst abgeben werden. Der Verbrauch an den sogenannten Knotenbeuteln, wie sie an den Obsttheken ausliegen, hat sich dagegen kaum verringert, wie das Bundesumweltministerium kürzlich mitteilte.

Aldi-Managerin plädiert für branchenweite Lösung

Die Erfahrungen belegten, dass die Bepreisung der Plastiktaschen Verbraucher zum Umdenken bewegt habe, betonte Aldi-Managerin Kristina Bell. Einen ähnlichen Erfolg erhoffe sich der Discounter nun von dem "symbolischen Cent" für die Einwegtüten im Obst- und Gemüsebereich. Bell betonte: "Wir würden uns freuen, wenn andere Händler mitziehen. Denn nur durch eine branchenweite Lösung könne wir bei der Reduzierung der Plastiktüte einen großen Schritt nach vorne machen."

Alle Filialen von Aldi Nord und Aldi Süd bieten ab Sommer neue Obst- und Gemüsebeutel aus einem nachwachsenden Rohstoff an, der bei der Zuckerrohrproduktion anfällt, wie das Unternehmen mitteilte. Dünne Beutel in dieser Variante gibt es zum Beispiel auch beim Einzelhändler Tegut. Entsorgt werden die Tüten wie üblicher Kunststoff über die gelbe Tonne, sie können recycelt werden.

FDP warnt vor "unbedachtem Einsatz" von Alternativen

FDP-Umweltexpertin Judith Skudelny sagte der AFP, wenn "wenige Cent reichen, damit sich die Menschen nachhaltiger verhalten", dann sei das ein guter Weg. Zugleich warnte sie vor dem "unbedachten Einsatz von Alternativen". Zuckerrohr komme derzeit vor allem aus Brasilien, Indien und China. "Steigern wir die Nachfrage nach Zuckerrohr, verändern wir die Landnutzung vor Ort und fördern indirekt Regenwaldabholzung und Artensterben." Außerdem dürfe Aldi nun nicht seine Gewinne erhöhen, sondern sollte diese in Umweltschutzprojekte stecken, forderte Skudelny.

Die Kette Real hatte bereits im Februar angekündigt, bis Ende 2020 die Plastikbeutel in den Obst- und Gemüseabteilungen abzuschaffen. Ersetzt werden sollen sie durch Papiertüten oder die Mehrwegnetze, die es bereits jetzt in den Märkten zu kaufen gibt. Die Supermarktkette Rewe hatte kürzlich in seinen ostdeutschen Filialen zum "Plastikfasten" aufgerufen und die dünnen Beutel für einen Tag aus dem Sortiment genommen. Auf Anfrage verwies das Unternehmen am Dienstag ebenfalls auf die Mehrwegfrischenetze, die es seit Oktober in allen Rewe-Märkten und seit April dieses Jahres bei Penny gibt. Das Angebot werde von den Kunden "gut angenommen".