Daimler in der Bredouille

dpa

Von dpa

Sa, 13. Juli 2019

Wirtschaft

Die Autos verkaufen sich schlechter, zusätzliche Belastungen zehren am Gewinn.

STUTTGART (dpa). Die Serie der schlechten Nachrichten für Daimler und seinen neuen Vorstandschef Ola Källenius reißt nicht ab. Zum zweiten Mal innerhalb von nur drei Wochen muss der Autobauer seine Erwartungen für 2019 nach unten korrigieren.

Die Verkaufszahlen bleiben mau, die diversen Probleme unter anderem mit dem Diesel, die den Konzern schon lange plagen, werden nun wohl noch viel teurer als gedacht. Daimler legt weitere Milliarden auf die hohe Kante, um sich gegen Risiken zu wappnen. Das hat Folgen: Im laufenden Geschäft wird am Jahresende noch weniger Gewinn übrig bleiben als 2018, wie Daimler am Freitag ankündigte.

Eigentlich hätten Källenius und sein ebenfalls neuer Finanzchef Harald Wilhelm die Zahlen für das erste Halbjahr erst übernächste Woche verkünden sollen. So schlecht, wie die Zwischenbilanz nun ausfiel, konnte Daimler so lange allerdings nicht warten. Ein Verlust von 1,6 Milliarden Euro steht im zweiten Quartal nach vorläufigen Zahlen im operativen Geschäft zu Buche. Damit liege man "signifikant unter den Markterwartungen", teilte Daimler mit. Entsprechend schockiert reagierte die Börse am Freitag.

Für Källenius kommt zum Einstieg ziemlich viel zusammen. Schon im Juni hatte Daimler einen hohen dreistelligen Millionenbetrag zurückgelegt, um für die Folgen des Dieselskandals gewappnet zu sein. Der Autobauer muss Hunderttausende Mercedes-Fahrzeuge zurückrufen und nachbessern, weil darin nach Auffassung der Behörden die Steuerung der Abgasreinigung manipuliert wurde. Daimler sieht das nicht so, kooperiert nach eigenen Angaben aber mit den Behörden.

Nun sollen noch einmal ganze 1,6 Milliarden Euro dazukommen – "im Zusammenhang mit laufenden behördlichen und gerichtlichen Verfahren und Maßnahmen betreffend Mercedes-Benz Dieselfahrzeuge in verschiedenen Regionen", wie es in der Mitteilung hieß. Details wollte Daimler nicht nennen. Gegen den Konzern läuft abgesehen von strafrechtlichen Ermittlungen gegen einzelne Mitarbeiter noch ein sogenanntes Ordnungswidrigkeitenverfahren, das mit einer hohen Geldbuße enden könnte. Zudem ist offen, ob und, wenn ja, welche finanziellen Folgen die Manipulationsvorwürfe in den USA haben werden.

Ein erweiterter Rückruf von Takata-Airbags schlägt einigermaßen überraschend mit einer weiteren zusätzlichen Milliarde zu Buche. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer spricht insgesamt von "hausgemachten Problemen" beim Stuttgarter Autobauer. "Die Konjunktur ist ja noch gar nicht eingepreist", sagte er.

Ausgleichen kann Daimler diese hohen Belastungen derzeit kaum. Das Kerngeschäft mit Mercedes-Benz-Autos läuft weiter schleppend. Mit rund 1,13 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen im ersten Halbjahr liegt Daimler deutlich unter den Zahlen des Vorjahres.

Eine Umsatzrendite von drei bis fünf Prozent, die Daimler jetzt im Kernbereich Mercedes-Benz erwartet, ist gerade einmal die Hälfte dessen, was sich der Konzern langfristig vorgenommen hat. Der Wert gibt den Anteil vom operativen Gewinn am Umsatz an.