Daimler unter Verdacht

Bernd Röder

Von Bernd Röder (dpa)

Mo, 15. April 2019

Wirtschaft

Neuer Vorwurf im Diesel-Skandal gegen Stuttgarter Autobauer / Nachrüstung kommt kaum voran.

BERLIN. In der Affäre um Manipulationen bei der Abgasreinigung von Dieselautos steht eine Mercedes-Baureihe unter neuem Verdacht. Daimler soll bei rund 60 000 Fahrzeugen des Modells Mercedes-Benz GLK 220 CDI mit der Abgasnorm 5 manipuliert haben. Auch bei der Diesel-Nachrüstung mit Abgas-Software bekleckern sich die deutschen Autohersteller nicht mit Ruhm: Sie sind noch immer in Verzug.

Derzeit sei rund eine Million der betroffenen 5,3 Millionen Fahrzeuge bei der Software noch nicht auf dem neuesten Stand, teilte das Bundesverkehrsministerium in Berlin am Samstag mit. Dabei handelt es sich um jene Diesel-Autos, für die deutsche Hersteller im Jahr 2017 ein Software-Update zugesagt hatten und dies bis Ende vergangenen Jahres verwirklichen wollten. Außerdem gibt es laut Ministerium noch eine weitere Million Diesel, die von in- und ausländischen Herstellern später gemeldet wurde und nun möglichst schnell ebenfalls umgerüstet werden soll. Darunter seien auch "verpflichtende Rückrufe der vergangenen Monate von Fahrzeugen deutscher Hersteller".

Derweil hat Bild am Sonntag einen neuen Verdacht gegen Daimler publik gemacht. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) habe ein formelles Anhörungsverfahren wegen Verdachts auf eine weitere "unzulässige Abschaltvorrichtung" eingeleitet, berichtete die Zeitung. Die Manipulation soll bei rund 60 000 Fahrzeugen des Modells Mercedes-Benz GLK 220 CDI mit der Abgasnorm 5 vorgenommen worden sein. Ein Daimler-Sprecher bestätigte am Sonntag, dass Fahrzeuge aus den Produktionsjahren 2012 bis 2015 untersucht würden. Die Zahl bestätigte er nicht.

Die Behörde ist laut Bild am Sonntag bereits im Herbst 2018 auf die verdächtige Software-Funktion bei dem Motor OM 651 gestoßen. Weitere Emissionsmessungen bei einem GLK-Modell hätten den Verdacht erhärtet. Die beanstandete Software-Funktion aktiviert nach Recherche der Zeitung eine spezielle Temperaturregelung, die den Kühlmittelkreislauf künstlich kälter hält und so die Aufwärmung des Motoröls verzögert. Die Folge: Die Stickoxid-Werte blieben auf dem Prüfstand auf einem niedrigeren Niveau. Im Straßenbetrieb werde die Funktion dagegen deaktiviert und der Grenzwert von 180 Milligramm je Kilometer deutlich überschritten.

Ein Daimler-Sprecher bestätigte am Sonntag, dass es eine Anhörung in dieser Sache gebe, man prüfe den beschriebenen Sachverhalt. Mit dem KBA liefen dazu bereits seit Monaten Gespräche. Daimler werde die verlangte Stellungnahme noch im April abgeben und kooperiere "vollumfänglich" mit dem Kraftfahrt-Bundesamt. Zugleich widersprach der Konzern der Darstellung, wonach das KBA herausgefunden habe, dass Daimler die Programmierung der Kühlmittel-Funktion bei Software-Updates unbemerkt entferne. Laut Daimler gehören die Updates zu einem früher angekündigten Vorhabenpaket für mehr als drei Millionen Fahrzeuge. Dabei halte sich Daimler an den mit Ministerium und KBA vereinbarten Genehmigungsprozess.

Daimler hatte im September 2018 mit den Software-Updates für seine Fahrzeuge begonnen. Zuvor hatte das KBA für rund 700 000 Daimler-Diesel wegen einer illegalen Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung einen Rückruf angeordnet. Darunter fiel nach damaligen Angaben des Konzerns jedoch nur ein Teil der Wagen, die als Erste die neue Software bekamen. Die übrigen seien Teil einer freiwilligen Aktion. Daimler hatte Nachbesserungen an knapp 300 000 Dieseln in Europa angekündigt, die Zahl im Sommer 2017 dann aber auf drei Millionen aufgestockt.