Die Ärmsten haben die teuersten Konten

dpa

Von dpa

Di, 12. November 2019

Wirtschaft

Verbraucherschützer wollen endlich klare Bestimmungen.

FRANKFURT (dpa). In Deutschland hat jeder das Recht auf ein Bankkonto – unabhängig von Wohn- und Einkommensverhältnissen. So soll beispielsweise auch Obdachlosen und allen Geflüchteten der Zugang zum bargeldlosen Zahlungsverkehr ermöglicht werden. Doch ausgerechnet für diese Menschen ist das laut Stiftung Warentest mitunter richtig teuer. Denn sie "haben nur Anspruch auf ein Basiskonto und zahlen dafür besonders viel", heißt es in einer am Montag veröffentlichten Untersuchung.

Bei einigen der 124 untersuchten Kreditinstitute kostet die Führung eines Basiskontos demnach mehr als 200 Euro im Jahr. In zwei Fällen betrugen die Kosten für ein Modellkonto der Tester sogar rund 250 Euro. Nur zwei der untersuchten Banken boten ein Basiskonto zum Stichtag am 1. Oktober 2019 kostenfrei an.

Seit Mitte 2016 hat in Deutschland jeder Bürger einen Rechtsanspruch auf ein Girokonto. Alle Geldhäuser sollen Menschen ohne festen Wohnsitz auf Wunsch ein Basiskonto auf "Guthabenbasis" einrichten. Das bedeutet: Der Konteninhaber erhält eine Bankkarte und darf Geld überweisen, überzogen werden kann ein solches Basiskonto nicht. Die Gebühren sollen angemessen sein und können einen Gewinn der Institute beinhalten.

Nur zwei Banken wollen keine Gebühren

Diese unkonkrete Formulierung im Gesetzestext ist laut Verbraucherschützern ein Problem: "Damit haben Menschen jetzt zwar einen Rechtsanspruch auf ein Konto, können es sich womöglich aber kaum leisten", sagt Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). "Institute können sich durch teure Angebote von ihrer Pflicht zum Basiskontoangebot faktisch befreien." Der VZBV fordert eine gesetzliche Kostendefinition. "Die von Stiftung Warentest festgestellten unterschiedlichen Entgelte bei Basiskonten sind ein Zeichen für einen funktionierenden Wettbewerb", sagt hingegen Sylvie Ernoult von der Deutschen Kreditwirtschaft.

Anfang 2019 hatte das Oberlandesgericht Frankfurt ein Basiskonto bei der Deutschen Bank für zu teuer befunden. Für besonders schutzbedürftige Verbraucher seien ein monatlicher Grundpreis von 8,99 Euro sowie 1,50 Euro für jede beleghafte Überweisung "unangemessen hoch und damit unwirksam", hieß es in einem noch nicht rechtskräftigen Urteil.