Der Dieselskandal erreicht Mitsubishi

afp

Von afp

Mi, 22. Januar 2020

Wirtschaft

Verdacht auf Abgasmanipulation / Bei Razzia werden auch Continental-Standorte durchsucht.

FRANKFURT (AFP/dpa). Der japanische Autohersteller Mitsubishi steht unter Verdacht, Diesel-Käufer mit illegalen Abschalteinrichtungen betrogen zu haben. Bei einer Razzia in vier Bundesländern durchsuchten Ermittler am Dienstag Geschäftsräume der deutschen Mitsubishi-Niederlassung, einer Tochtergesellschaft und zweier großer Zulieferer.

Continental bestätigte, dass drei Standorte durchsucht worden seien. Das Unternehmen werde als Zeuge geführt und kooperiere "vollumfänglich" mit den Behörden, teilte der Zulieferkonzern in Hannover mit. Der baden-württembergische Konkurrent Bosch war nach eigenen Angaben am Dienstag nicht betroffen.

Laut Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht, dass 1,6- und 2,2-Liter-Dieselmotoren von Mitsubishi-Fahrzeugen der Abgasnormen Euro 5 und Euro 6 mit einer Abschalteinrichtung zur Schadstoffminderung versehen sind. Die Abschalteinrichtung sorge dafür, "dass die zulässigen Grenzwerte für Stickoxide zwar auf dem Prüfstand, nicht jedoch im Realbetrieb eingehalten werden".

Käufer, die entsprechende Modelle seit 2014 als Neuwagen erworben hätten, sollten sich als Zeugen bei der Polizei melden. Sie sollten Kaufvertrag sowie Fahrzeugschein und -brief zu einer örtlichen Polizeidienststelle bringen. Dort könnten sie Strafanzeige stellen. Betroffen sind Diesel mit 1,6 Litern Hubraum ab September 2015 und mit 2,2-Liter-Maschinen ab November 2012. Erhärtet sich der Manipulationsverdacht, drohen den Kunden nach Justizangaben Fahrverbote oder sogar die Stilllegung ihrer Fahrzeuge.

Beamte der Staatsanwaltschaft, verschiedener Polizeipräsidien und Landeskriminalämter durchsuchten am Dienstag bundesweit zehn Gewerbeobjekte. Neben der Mitsubishi-Deutschlandzentrale im hessischen Friedberg gab es Einsätze in Frankfurt, im Main-Taunus-Kreis, im Kreis Darmstadt-Dieburg, in Hannover, in Regensburg, im Kreis Freising und im Kreis Heinsberg. Dort sollten Beweismittel gewonnen werden, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt mitteilte.

Der japanische Autobauer Mitsubishi Motors ist seit 2016 Teil einer Allianz mit Renault und Nissan. Der Dieselskandal, von dem Mitsubishi bisher verschont geblieben war, hatte 2015 seinen Anfang genommen, als Volkswagen den Einbau von Manipulationssoftware in weltweit elf Millionen Fahrzeugen eingestand. Durch die Manipulation konnten Fahrzeuge auf der Straße bis zu 40-mal so viel Stickoxide ausstoßen wie erlaubt.