Digitalnomaden

Nachtschicht unter Nordlichtern: Wo lässt es sich gut leben und arbeiten?

Dörte Nohrden

Von Dörte Nohrden

Fr, 01. April 2022 um 22:04 Uhr

Reise

Wie wäre es, das Homeoffice mit dem Reisen zu verbinden? Viele Sehnsuchtsorte weltweit haben sich auf Digitalnomaden eingestellt.

Viele Menschen in Deutschland arbeiten seit Ausbruch der Corona-Pandemie in den eigenen vier Wänden. Dort, wo Online-Meetings den Büro-Konferenztisch ersetzen, birgt das für einen Teil von ihnen ein großes Stück Freiheit. Denn: Sind arbeitsrechtliche Bedingungen geklärt, kann der Laptop prinzipiell überall dort aufgeklappt werden, wo eine stabile Internetverbindung reibungsloses Arbeiten garantiert.

Eine "Workation" verknüpft Arbeit (englisch: work) mit Urlaub (englisch: vacation) und bietet Abenteuerlustigen wie Ruhesuchenden gleichermaßen verführerische Möglichkeiten, den Job ortsunabhängig zu erledigen. Hotels und Reiseveranstalter sind – etwa mit längeren Vermietungszeiträumen – auf diesen Zug aufgesprungen.

Neben den von Digitalnomaden längst eroberten Regionen wie Thailand oder den Kanarischen Inseln etablieren sich auch an vielen anderen Sehnsuchtsorten neue Coworking-Büros.

Frühlingserwachen auf Madeira
Bei wohlig warmen Temperaturen blüht es auf Madeira das ganze Jahr hindurch. Die Blumeninsel inmitten des Atlantiks empfängt arbeitende Gäste mit offenen Armen, insbesondere seit dem Launch des öffentlich geförderten Projektes "Digital Nomads Madeira Islands".

Dessen Herz schlägt in Ponta do Sol an der Südküste. Der 8000-Seelen-Ort ist seit jeher auf sonnenhungrige Besucherinnen und Besucher aus aller Welt eingestellt. "Jetzt haben wir zusätzlich die Stabilität und Schnelligkeit des Internets verbessert und Gemeinschaftsarbeitsplätze geschaffen", sagt Projektmanagerin Micaela Vieira. Neben weiteren Standorten in Santa Cruz, Machico und der Inselhauptstadt Funchal kann das Homeoffice auch auf die Schwesterinsel Porto Santo verlegt werden – lange Sandstrände inklusive.

"Wir haben bereits 11 000 Registrierungen aus 121 Ländern erhalten", sagt Vieira. Mit diesem Ansturm habe niemand gerechnet. "Es kommen Freiberufler genauso wie Leute, die nun ortsunabhängig arbeiten können oder ihre Arbeit coronabedingt verloren haben und ein eigenes Business starten wollen."

Kein Wunder bei allem, was die Insel neben dem angenehmen Klima an Naturschönheiten zu bieten hat. Außer Sonne, Strand und relativ günstigen Lebenshaltungskosten locken Wanderungen entlang der künstlichen Wasserläufe (Levadas) oder Streifzüge durch den Lorbeerwald, ein Unesco-Weltnaturerbe (Infos: http://mehr.bz/madwo

Sommerfrische auf Rügen –
Office an der Ostsee
Wozu in die Ferne schweifen, wenn auf der Ostseeinsel Rügen ein Domizil mit Strandzugang wartet? Die Rüganer Hannes Trettin und Toni Gurski haben ihren Traum von einer Coworking-Community vor zwei Jahren im Örtchen Lietzow wahr gemacht.

Das Gelände von "Project Bay" (Infos: http://mehr.bz/ruegw schmiegt sich an den Strand des Boddens im Herzen der Insel. Ob die Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund oder das Seebad Binz – bekannte Inselziele lassen sich mit dem Leihfahrrad erreichen. Lietzow ist per Zug erreichbar. Nach Feierabend heißt es hier: paddeln, kiten, baden und später gemeinsam am Lagerfeuer wärmen. "Zu uns kommen Freiberufler wie CEOs, hier werden alle schnell zu einer großen Familie", sagt Trettin.

Deutschlandweit bieten mehr und mehr ländlich gelegene Gemeinschaftsbüros gerade in den Sommermonaten wunderbare Möglichkeiten, die Arbeit mit einem Hauch Urlaub zu verbinden. Unter dem Dach der Genossenschaft CoWorkLand etwa sind mehr als 100 Coworking-Büros vereint – vom Ammersee bis hinauf an die schleswig-holsteinische Schlei (https://coworkland.de

Paradies für Naturverliebte –
Mobil arbeiten auf Mauritius
Präsentiert sich der Spätherbst in Deutschland grau in grau, zeigt sich auf der Südhalbkugel der Frühling in ganzer Pracht. Paradiesisch kommt der Inselstaat Mauritius daher: Das Eiland reiht sich ein in die Inselkette der Maskarenen, rund 800 Kilometer östlich vor Madagaskar – und ist ein Sehnsuchtsziel schlechthin.

Weitläufige Sandstrände rahmen das Inselreich, das mit üppiger Vegetation, Gebirgsketten und lebendigen Städten gesegnet ist. Ob schnorchelnd die Unterwasserwelt erkunden oder zu rauschenden Wasserfällen wandern: Es ist ein Fest für Naturverliebte.

Ortsunabhängig arbeitende Langzeitgäste können online das "Premium Visum" beantragen. Es ist kostenlos, bis zu einem Jahr gültig und nur an wenige Bedingungen geknüpft.

So bleibt genug Zeit, einige Brocken der kreolischen Sprache zu lernen und in die mauritische Kultur einzutauchen. Weiterer Vorteil: Die Zeitverschiebung beträgt lediglich drei Stunden und ist so mit den heimischem Arbeitszeiten kompatibel. Noch geringer fällt die Differenz bei Zielen auf dem afrikanischen Kontinent aus (http://mehr.bz/mau

Wo Nordlichter tanzen –
Wintervergnügen in Lappland
Stille Winterweiten unter tanzenden Nordlichtern und damit vielfältige Freizeitsportmöglichkeiten gibt’s im hohen Norden Finnlands vor oder nach getaner Arbeit. "Wir sehen zunehmend mehr Besucher, die von hier aus remote arbeiten, übrigens auch im Sommer", sagt Heidi Kristiina Siira. Gemeinsam mit zwei Kolleginnen hat sie vor zwei Jahren das Coworking-Office Kohta in Äkäslompolo, nordwestlich von Rovaniemi, gegründet. Es liegt im beliebten Skigebiet Ylläs (http://www.kohtacoworking.com

"Unsere Gäste mieten sich bei uns einen Schreibtisch und wohnen dann in gemütlichen Blockhütten, Hostels oder Hotels", erklärt Siira und nennt das populärste Utensil für den Winter: die Stirnlampe. Auf dem gleichnamigen See Äkäslompolo vor der Haustür gibt’s dann statt Kanus schneeglitzernde Loipen, die sich auf 330 Kilometer durch das gesamte Skigebiet ziehen.

Wer immer noch Wünsche offen hat, kann diese – gut 170 Kilometer südlich – beim Weihnachtsmann persönlich einreichen und eine Workation in Rovaniemi einplanen (mehr.bz/ynorth

Infos: Einen Überblick über Coworking-Spaces in Deutschland bietet Coworkingmap.de, international sind etwa die Plattformen Nomadstays.co und Workation.com.