Nagelsmann wird Trainer beim FC Bayern

dpa

Von dpa

Mi, 28. April 2021

1. Bundesliga

Münchner zahlen Rekord-Ablöse an Leipzig / DFB spricht wegen Bundestrainer-Amt mit Flick.

Die spektakulärste Trainer-Rotation in der deutschen Fußball-Geschichte ist perfekt. Julian Nagelsmann will nach seinem Abgang aus Leipzig die Titeljagd des vermutlich künftigen Bundestrainers Hansi Flick fortsetzen. Nach der Vertragsauflösung der Münchner mit Flick wird bald dessen Vorstellung beim DFB als Nachfolger von Joachim Löw erwartet. Leipzig, das von den Bayern die höchste Ablöse für einen Trainer im Fußball erhält, steht nicht nur wegen des Nagelsmann-Abgangs vor einer Zäsur.

Nagelsmann unterschreibt beim Rekordmeister einen Fünfjahresvertrag bis zum 30. Juni 2026, was einen großen Vertrauensvorschuss für den erst 33-Jährigen und bislang titellosen Coach bedeutet. "Das Gesamtpaket ist einfach ein besonderes. Für keinen anderen Verein hätte ich das gemacht", sagte Nagelsmann zum vorzeitigen RB-Ende. Über die gerade in Corona-Zeiten für einen Trainer hohe Ablöse kann nur spekuliert werden. Die in den Raum geworfenen 30 Millionen Euro werden sicher nicht erreicht. Aber auch die kolportierten rund 15 Millionen Euro plus Prämienzahlungen sind ein Rekord. Angesprochen auf die Zahlung im zweistelligen Millionen-Bereich gab sich Nagelsmann cool: "Grundsätzlich ist mir jetzt nicht angst und bange aufgrund einer Ablösesumme." Der gebürtige Bayer freut sich auf das reizvolle neue Amt in jenem Verein, von dem er als Kind und Jugendlicher schon Fan war. Und auf seine Familie, die schon im Freistaat wohnt.

Wie Flick mit der Meisterschaft will sich Nagelsmann auch mit einem Titel vom aktuellen Verein verabschieden – mit dem Pokalsieg. Und nächste Saison wird Nagelsmann dann von RB gejagt. "Voller Angriff auf Julian Nagelsmann und den FCB", verkündete Vorstandschef Oliver Mintzlaff neben ihm sitzend das künftige Motto.

Ob dann der gehandelte Amerikaner Jesse Marsch aus Salzburg für den ursprünglich bis 2023 an Leipzig gebundenen Nagelsmann übernimmt, ist offen. Zwei weitere Optionen könnten Oliver Glasner (VfL Wolfsburg) oder Roger Schmidt (PSV Eindhoven) sein. Offen ist auch noch der Name des neuen Bundestrainers – aber eigentlich nur noch offiziell. Der DFB wird in dieser Angelegenheit in Gespräche mit Hansi Flick und den FC Bayern gehen, wie der DFB am Dienstag mitteilte. Die Bayern machten mit der Auflösung des bis zum 30. Juni 2023 datierten Flick-Vertrags in diesem Sommer den Weg zu Nationalmannschaft frei. Der 56-Jährige äußerte sich noch nicht zu seiner Zukunft. Spekuliert wurde aber schon, dass Co-Trainer Miroslav Klose Flick im Falle eines Wechsels zum DFB begleiten könnte. Auch der Vertrag des WM-Rekordtorjägers läuft aus.

Zusammen mit den 42,5 Millionen Euro für Abwehrchef Dayot Upamecano überweisen die Münchner deutlich über 50 Millionen Euro an RB. Inwieweit das und eine von den Münchnern coronabedingt kalkulierte Umsatzeinbuße von 150 Millionen den Handlungsspielraum für Transfers im Sommer einschränkt und wie stark Nagelsmann als von Sportvorstand Hasan Salihamidzic geschätzte Wunschlösung mitgestalten darf, bleibt abzuwarten. Die Münchner regeln nicht nur ihre Lieblingslösung für die Flick-Nachfolge. Sie schwächen dazu den zuletzt größten Konkurrenten, bei dem der Abgang von Sportdirektor Markus Krösche schon feststand. "Wir werden die Lücke schließen", sagte Mintzlaff. Er erinnerte an Abgänge wie die von Timo Werner (FC Chelsea) oder Naby Keïta (FC Liverpool). Auch danach habe man weiter Erfolg gehabt. Für RB gab am Ende die "rationale statt die emotionale Seite" den Ausschlag, so Mintzlaff. Bayern habe die "massiv hohe Ablöseforderung" und damit eine "Rekordablöse" für den damals für fünf Millionen Euro aus Hoffenheim verpflichteten Nagelsmann erfüllt.