Nahverkehrsplanung erntet wenig Beifall

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Di, 06. April 2021

Kirchzarten

Gemeinden im Dreisamtal kritisieren überwiegend den Planentwurf des Zweckverbands Region-Nahverkehr Freiburg.

. Eine wesentliche Aufgabe des Zweckverbands Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF) ist die laufende Fortschreibung der Nahverkehrsplanung in den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen sowie der Stadt Freiburg. Aktuell liegt ein Nahverkehrsplanentwurf des ZRF für den Zeitraum 2021 bis 2026 vor, zu dem die betroffenen Gemeinden Stellung nehmen sollten. In Stegen, Buchenbach und Kirchzarten wurde die Planung mit teils heftiger Kritik beantwortet.

Im Gemeinderat in Stegen erläuterte Wolfgang Lederle vom ZRF das Gerüst des Entwurfs. Demnach basiert die ZRF-Planung auf einem Grundgedanken: Schienen- und Busverkehr sollen mit einem einheitlichen Qualitätsstandard besser vernetzt werden. Durch das Prinzip "Zug und Bus – aus einem Guss" soll die Anbindung aller politischen Gemeinden im Zuständigkeitsbereich ans Schienennetz künftig gleichermaßen an allen Tagen in der Woche im Stundentakt erfolgen. Bestehende Parallelverkehre von Bus und Schiene sollen entfallen. Regionale Vernetzungen über die Kreisgrenzen hinaus – etwa nach Todtnau, Bonndorf oder Furtwangen – soll es auch weiterhin geben. Dieses Basisangebot sowie den Schülerverkehr könne der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald mit den zur Verfügung stehenden Mitteln stemmen. Allerdings sei darin die derzeit in unterschiedlichem Ausmaß bestehende Anbindung der Ortsteile nicht enthalten. Der Kreis verfüge nicht über die für diese Erschließungslinien jährlich anfallenden sieben Millionen Euro. Sollten diese Verkehre weiterhin gewünscht werden, müssten die Gemeinden dafür selbst Lösungen finden.

Stegen
Diese Planungsgrundlagen stießen in Stegen auf wenig Gegenliebe. In zahlreichen Stellungnahmen wiesen die Ratsmitglieder auf die Bedeutung der Bus-Direktverbindung nach Freiburg für den Schulstandort Stegen mit dem Kolleg St. Sebastian und dem Bildungs- und Beratungszentrum für Hörgeschädigte (SBBZ) hin, die auch von vielen Schülerinnen und Schülern aus Freiburg besucht würden. Ähnliches gelte für die Anbindung des Ortsteils Wittental mit dem Kinderlernhaus. Ein anderes Beispiel sei die stark frequentierte Direktverbindung St. Peter – Eschbach – Stegen – Freiburg am frühen Morgen. Durch die bestehenden regionalen Buslinien sei jetzt schon vielfach ein Halbstundentakt zum Bahnhof Kirchzarten gegeben, der Stundentakt also eine Verschlechterung. Dies und weitere Kritikpunkte wurden für die Stellungnahme der Gemeinde zur ZRF-Planung einstimmig festgehalten.

Kirchzarten
Auch der Gemeinderat in Kirchzarten beurteilte einstimmig den ZRF-Entwurf als Rückschritt im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Deshalb müsse der bestehende und deutlich bessere Status quo des ÖPNV-Angebots hinsichtlich Taktung und Linienführung mindestens beibehalten werden. Dies betreffe insbesondere die Linienführung nach St. Peter über Zarten und die Anbindung vom Wohngebiet Neuhäuser. Die Fokussierung aller Buslinien auf den Bahnhof Kirchzarten mit einhergehender Streichung der Parallelverkehre bedeute eine nicht akzeptable Verschlechterung des Nahverkehrsangebots. Im Übrigen spreche auch der beengte Raum am Bahnhof gegen diese Zentralisierung. Deshalb sollte der bewährte Umsteigeknoten Schulzentrum unbedingt beibehalten werden.

Buchenbach
Der Buchenbacher Gemeinderat hingegen sah in dem Anhörungsentwurf eine deutliche Verbesserung für die Gemeinde. An Werktagen verkehre die Buslinie von St. Märgen zum Bahnhof Himmelreich dann nach Plan im Stundentakt, dies bedeute eine wesentlich bessere Anbindung vor allem für den Ortsteil Wagensteig. Allerdings wurde auch hier auf die Erhaltung der bestehenden Anbindung des Ortsteils Unteribental insistiert.

Nach Sichtung und Auswertung der Stellungnahmen der Gemeinden will der ZRF in der zweiten Jahreshälfte 2021 eine endgültige Beratungsfassung vorlegen, die endgültige Beschlussfassung zum Nahverkehrsplan ist für Dezember 2021 anvisiert.