Narren schicken Burgis in Kurzurlaub

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Von Reinhard Cremer, Rolf-Dieter Kanmacher & Antje Gessner

Sa, 22. Februar 2020

Efringen-Kirchen

Im Kandertal und im Rebland zelebrierte man die Amtsenthebungen – bisweilen mit bissig ernstem Unterton.

REBLAND/KANDERTAL (cre/kn/ age). Vielerorts haben die Narren am Schmutzige Dunschdig das Heft in die Hand genommen.

In Efringen-Kirchen
Der Hemdglunkiumzug ging angeführt von den Zieefägge vom Rathaus durch den Ort zum Seniorenzentrum. Dort wurden die Glunkis bereits von Bürgermeister Philipp Schmid, den Bewohnern und den Betreuern erwartet, die auch die Bewirtung übernahmen. In einem umfangreichen Dialog hielt Marvin Aberer als Vertreter der Narrenschar dem Bürgermeister zahlreiche Verfehlungen vor. Unter anderem stellte er die Frage nach dem Sinn eines Seniorenrates oder schloss sich der Kritik an den durchgehenden Leitplanken an der B 3 an. Einen neuen Namen für die Mehrzweckhalle hatte er auch parat: Man könne sie ja in Anbetracht der Vorliebe der Senioren "Erste Udo-Jürgens-Gedächtnishalle" nennen. Keine Widerrede des Bürgermeisters half. Am Ende wurde er doch den Rathausschlüssel los – auf jeden Fall bis Aschermittwoch.

In Istein
Begleitet vom Musikverein und von der Ischteiner Gugge zog der weiße Tatzelwurm in Istein vom Sternen durchs Dorf zur Schlüsselübergabe-Zeremonie am Rathaus. Erstmals hatten die Narren es mit Daniela Britsche und damit einer Ortsvorsteherin zu tun. Aber die Narren, vertreten durch den Zeremonienmeister der Drübel, Bernd Bräunlin, kannten kein Pardon. Nach dem Hissen der Narrenfahne machte Bräunlin im Beisein einer Abordnung der Isteiner Cliquen Chlotze Horni, Orchideen-Wiiber und Schwelle-Waggis sowie der Narrenzunft und der Ischteiner Gugge der Ortsvorsteherin klar, dass Sich-Wehren nichts nütze. Erst beim gemeinsamen Fischessen am Aschermittwoch gebe es den Schlüssel wieder z’ruck. Schließlich ging’s zum Glunkiball in die Halle.

In Wollbach
Auf dem Platz vor der Kandertalhalle war am Schmutzige Dunnschtig einiges los. Viele große und kleine Hemdglunkis hatten sich eingefunden, um vor dem Umzug bei Glühwein, Würstchen und Blasmusik der "Dampfis" der Amtsenthebung von Ortsvorsteher Max Sütterlin beizuwohnen. Dieser übergab in fasnächtlichem Frack mit Fliege und Hut den symbolischen Amtsschlüssel an Julia Cordes von den Chochlöffeln. Für die Kinder gab es kleine Überraschungsgeschenke aus einer großen Kiste, dann wurden die Fackeln angezündet, mit denen alle Hemdglunkis Richtung Dorfmitte wanderten, wo der Narrenbaum aufgestellt wurde. Später musste Sütterlin wie jedes Jahr in den Topf der Chochlöffel – eine Tradition.

In Rümmingen
In familiärer Atmosphäre fand in Rümmingen die fasnächtliche Amtsenthebung von Bürgermeisterin Daniela Meier statt. Umrahmt von vielen Kindergartenkindern und deren Eltern und Erzieherinnen übergab Meier den symbolischen Amtsschlüssel an Marco Polini von den Dorfhäxe und las auch noch ein kleine Fasnachtsrede in lustigen Reimen vor. "Schön, dass Ihr mir eine politische Pause gönnt... ich mach dann mal frei", verkündete die als Hemdglunki verkleidete Bürgermeisterin von der Rathaustreppe. Auf dem Platz erschallte ein kräftiges "Narri! Narro!" Die Kinder trugen Lieder vor und es wurden Würstchen gegrillt, bis sich die Hemdglunkis aufmachten, mit Kind und Kegel durchs Dorf zu ziehen. Und wie geht es nun dem neuen, fasnächtlichen Regenten von Rümmingen? "Einfach super", sagt Marco Polini und freut sich.

In Malsburg-Marzell
Nach einem kommunalpolitisch reichlich turbulenten Jahr war es am Donnerstag kein Wunder, dass die Narrenzunft Grabedierer dem Bürgermeister einige Tage Urlaub gönnen wollten. Doch da Mario Singer erkrankt war, musste sein Vertreter Manfred Wetzel in die Bresche springen. Bereits am Vormittag hatten die Kinder des evangelischen Kindergartens Schwalbennest in Marzell mit einem "Glunkiumzug" erfreut. Vor dem Marzeller Rathaus sorgte am Abend der Musikverein Edelweiß unter Dietmar Schmiedlin für zünftige Musik. Bernhard Roser mit seinem närrischen Team forderten den Bürgermeister-Vize zur Amtsübergabe auf. Manfred Wetzel als amtierender Vogt vom Hindere Chandertal übergab nach einer geschliffenen Narrenrede, die er zusammen mit Pfarrerin Susanne Roßkopf hielt, letztlich doch Schlüssel und Gemeindekasse bis zum Heringsessen am Aschermittwoch an die Narren und lud alle zu einem geselligen Umtrunk ein.