Soziale Netzwerke

Nato-Studie belegt, wie leicht Fake News zu platzieren sind

Martin Trauth

Von Martin Trauth (AFP)

Sa, 07. Dezember 2019 um 11:46 Uhr

Computer & Medien

Die Nato und die Europäische Union sorgen sich wegen politischer Manipulation über soziale Netzwerke und die Verbreitung von Falschnachrichten. Und das mit Recht, wie eine Studie belegt.

Eine am Freitag veröffentlichte Studie eines Nato-Forschungsinstituts zeigt, wie leicht es ist, Fake News zu streuen. Für 300 Euro bekamen die Autoren Zehntausende unterstützende Kommentare, Likes und Follower für Testbotschaften und -inhalte auf Facebook, Instagram, Twitter und Youtube – ohne dass dies den Netzwerken zumeist auffiel.

Experten des Nato Strategic Communications Centre of Excellence im lettischen Riga nutzten für das Experiment 16 Anbieter zur Manipulation sozialer Netzwerke aus Russland und Europa. Sie wurden aufgefordert, 105 von den Studienautoren verfasste Mitteilungen zu unterstützen. "Für nur 300 Euro kauften wir 3530 Kommentare, 25 750 Likes, 20 000 Views und 5100 Follower", heißt es in der Studie. Durch den Versuch sei es gelungen, 18 739 Konten zu identifizieren, die zur Manipulation genutzt würden. Allerdings handelte es sich bei den Testmitteilungen nicht um politische Botschaften, sondern um neutrale Inhalte "wie Neujahrswünsche", schreiben die Autoren. Sie wollten demnach verhindern, dass Nutzer die Netzwerke auf Missbrauch aufmerksam machten. Denn es sei darum gegangen, ob die Plattformbetreiber selbst erkennen könnten, dass es sich um nicht authentische Inhalte handele. Dies war der Studie zufolge nur selten der Fall. Vier Wochen nach dem Kauf seien 80 Prozent der gefälschten Unterstützungen weiter online gewesen.

Dies bedeute, dass "böswillige Aktivitäten" bei politischer Manipulation über dieselben Dienste wahrscheinlich auch weitgehend unbemerkt geblieben wären, heißt es in der Studie. Insgesamt gesehen war demnach der Kurzbotschaftendienst Twitter am effektivsten im Vorgehen gegen Missbrauch.