Natur und Soziales in Einklang bringen

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Fr, 16. April 2021

Südwest

BUND und Paritätischer Wohlfahrtsverband wollen die sozial-ökologische Wende voranbringen.

. Die baden-württembergischen Landesverbände des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (PWV) wollen gemeinsam die sozial-ökologische Wende vorantreiben. Dazu haben die beiden Organisationen eine Kooperation vereinbart.

Die Zusammenarbeit zweier großer Verbände auf dem Gebiet von Umwelt- und Naturschutz sowie sozialer Dienstleistungen will man vonseiten der Verantwortlichen auch als Signal verstanden wissen: "Noch immer werden im gesellschaftlichen Diskurs häufig ökologische gegen soziale Interessen ausgespielt. Es besteht die Gefahr, hierdurch die gesellschaftliche Spaltung weiter voranzutreiben und die Radikalisierung einzelner Gruppen zu riskieren", sagte Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des BUND, bei einer Video-Pressekonferenz zu Vorstellung der Kooperation. Ursel Wolfgramm, Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-Württemberg, betonte, es sei wichtig, im Kampf gegen Klimawandel und Umweltzerstörung alle Menschen dazu zu bringen, ihren Beitrag zu leisten.

Handlungsbedarf sehen die beiden Verbände auf den Feldern Bauen und Wohnen, Mobilität sowie bei der Erzeugung gesunder und ökologisch nachhaltiger Lebensmittel. Das Thema Wohnen sei ein Beispiel dafür, wie Klimaschutz und soziale Fragen ohne Intervention in Gegensatz geraten können. In ihrem Positionspapier fordern BUND und PWV darum, energetische Sanierungen auch im Bereich des (sozialen) Mietwohnungsbaus massiv voranzutreiben, ohne jedoch finanziell schwache Mieter weiter zu belasten.

Beim Thema Mobilität wird der Interessenskonflikt als weniger ausgeprägt angesehen. Die Forderung nach einem Ausbau des Nahverkehrs komme auch ärmeren Menschen entgegen, die sich individuelle Mobilität gar nicht oder aber nur eingeschränkt leisten können. Die Verbände fordern deshalb eine kostenlose Nutzung des Nahverkehrs für Menschen, die auf Hartz IV angewiesen sind, und alle Rentner, die Anspruch auf Grundsicherung oder Grundrente haben – sowie eine gerechtere Aufteilung des Verkehrsraums zugunsten des Fuß- und Radverkehrs.

Mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband ist einer der Kooperationspartner gleichzeitig Dachverband von Trägern zahlreicher Einrichtungen der sozialen, Alten- und Behindertenhilfe. Auch hier liege nach Meinung der Verantwortlichen viel Potenzial, die ökologische Wende voranzutreiben. Bestrebungen gebe es einige. Joachim Walter, Leiter der Müllheimer Christophorus-Gemeinschaft, berichtet von den Bemühungen seiner Einrichtung etwa in der Verpflegung oder bei der Gestaltung der Wohn- und Arbeitsstätten, ökologisch nachhaltig zu wirtschaften. Vonseiten der Kostenträger für die Eingliederungshilfen für Menschen mit Behinderungen werde dies bislang aber kaum honoriert. "Wir versuchen so gut es eben geht, diese Bemühungen aus anderen Quellen zu finanzieren. Das kann aber auf Dauer nicht die Lösung sein", so Walter.