Neue Wege in die Gemeinde und die Gemeinschaft

Eva Korinth und Peter Stellmach

Von Eva Korinth & Peter Stellmach

Sa, 28. März 2020

Titisee-Neustadt

Die evangelische Pfarrerin Gabriele Heuß und ihr Kollege Rainer von Oppen nutzen in Corona-Zeiten andere Wege für geistliche Impulse.

HOCHSCHWARZWALD. Die evangelischen Kirchengemeinden Lenzkirch-Schluchsee und Neustadt/Eisenbach bieten ihren Gläubigen geistliche Impulse, Gebete und Predigten auf ihren Homepages, via Facebook und Youtube.

"Wir verbarrikadieren uns nicht digital", stellt Pfarrerin Gabriele Heuß klar, die für Lenzkirch und Schluchsee zuständig ist. Das Internet sei eine Möglichkeit die Gläubigen zu erreichen, da es wegen des Coronavirus keine Gottesdienste, Zusammenkünfte und Treffen gibt. Heuß nutzt noch den Pfarrgemeindebrief, der mit den Amtsblättern verteilt wird. In Lenzkirch läuten um 7, 12 und 18.30 Uhr die evangelischen und die katholischen Kirchenglocken zeitgleich – Anlässe zum Innehalten und Beten. Hierfür hat Heuß im Gemeindebrief Gebete abgedruckt.

Auf der Kirchengemeindeseite im Internet stellt sie ihre Sonntagspredigt ein mit Fürbitten, Vaterunser und dem Segen. Zu lesen ist die vom 21. März mit "Laetare", Freuet euch, und dem Thema "Ja, was brauchen wir wirklich zum Leben?" "Wer die Predigt und das Gebet ausdrucken kann, der tue es und schenke es denjenigen, die nicht online sind", steht über der Predigt. Enkel oder Kinder sollen ihren Großeltern und Eltern, die zur Corona-Risikogruppe zählen und sich zuhause aufhalten und kein Internet haben, die Predigt zukommen lassen.

Das Telefon ist Heuß wichtigstes Kommunikationswerkzeug, um vor allem mit den Älteren in der Gemeinde zu sprechen, ihnen Trost zu geben und zu zeigen, dass sie nicht vergessen werden, auch, um mit ihnen zu beten. Viele Ältere seien allein, weil ihre Kinder weit verstreut lebten. Immer wieder geht die Pfarrerin los, hinterlässt eine Kerze oder eine Trauerkarte, wenn jemand gestorben ist, um trauernden Angehörigen kundzutun, sie sind nicht alleine. "Wir dürfen ja nicht in die Haushalte hinein, um Kranke zu besuchen und auch nicht, wenn jemand am Sterben ist."

Im Herbst, wenn Corona hoffentlich überstanden ist, will sie Trauergottesdienste abhalten. Dann sollen Hinterbliebene die Möglichkeit bekommen, im großem Familienkreis Abschied zu nehmen und nicht wie derzeit nur im engsten. Mit ihren Pfarrerkollegen tauscht sie sich aus, wie es wohl nach der Coronakrise weitergehen wird.

Heuß gehört den Notfallseelsorgern an. "Uns kann das Pflegepersonal jederzeit anrufen, auch nachts, wir sind immer erreichbar", sagt sie. Bevor ein Pfleger den Mut verliere oder ihm die Last zu schwer werde, kann er die Nummer wählen.

Für Ostern will Heuß ein Video auf die Homepage stellen. Die Organistin wird zu hören und sehen sein, wie sie spielt, Pfarrerin Heuß, wie sie predigt.

Die evangelische Kirchengemeinde Neustadt/Eisenbach hat einen Youtube-Kanal eingerichtet (evangelische Kirche Neustadt). Dort ist seit Mittwoch die erste Andacht online. Morgen wieder und dann jeden Sonn- und Feiertag will Pfarrer Rainer von Oppen einen geistlichen Impuls senden – eine etwas andere Form der Kontaktaufnahme. Elf Minuten dauert das erste Video, Gabriele von Oppen hat ihren Mann aufgenommen, der Blick der Kamera schwenkt vom Altarraum über die leeren Stühle. Die Kirchenmusikerin spielt Klavier dazu. Dem Vaterunser schließt von Oppen den Aufruf zur Nachbarschaftshilfe an: Tel. 07651-200116. "Besonders wehmütig ist uns zumute, wenn wir an die vor uns liegenden Feiertage denken, an denen Gemeinschaft besonders schön ist: Palmsonntag, Karfreitag und Ostersonntag", äußert der Pfarrer. Deshalb ruft er zu einer Mitmachaktion auf: kreativ sein, in Kontakt bleiben – für alle sichtbare Gemeinschaft herstellen. Dafür sollen Jung und Alt etwas malen, basteln oder bauen, von den Ergebnissen der Arbeit ein Foto machen und es von Oppen schicken (Mail: rainer.von-oppen@t-online.de) An den Feiertagen werden die Fotos während der Online-Andacht gezeigt. "So seid ihr als unsere Gemeinde in unserer Kirche dabei". Von Oppen und seine Frau sind gespannt auf die Fotos; wichtig ist, dass die Bilder spätestens einen Tag vor dem jeweiligen Fest bei ihnen ankommen.