Einmal tanzen wie Helene Fischer

Jutta Geiger

Von Jutta Geiger

Sa, 01. Juni 2019

Neuenburg

Tanz-Workshop mit Choreographen bekannter Stars in Neuenburg / Teilnehmerinnen auch von weiter her .

NEUENBURG AM RHEIN. Es war ein ganz besonderer Workshop, der den 28 Teilnehmerinnen noch lange in Erinnerung bleiben wird. Denn er nahm sie für einen Nachmittag lang mit in die Welt des Showbiz und ließ sie sowohl spüren, wie sich Stars und Sternchen auf dem Laufsteg oder auf der Bühne fühlen, als auch wie viel Anstrengung hinter der perfekten Choreografie steckt.

"Behind the Scenes Tour" hieß der Workshop, zu dem die Turnabteilung des Turnvereins Neuenburg fortgeschrittene Tänzer in die Altrheinhalle eingeladen hatte. Die drei Referenten, die je ein Drittel des Workshops leiteten, nannten sich Army of Love und wollten ihren Warriors of Love, also den Kursteilnehmern, Tipps und Techniken vermitteln sowie Einblicke in den Showalltag geben. Dabei legten die drei Trainer keinerlei Starallüren an den Tag: "Wir haben alle mal so angefangen wie ihr. Jede von euch ist okay, jede verfolgt ihren Weg so, wie sie kann", bekamen die erwartungsfrohen Tänzerinnen mit auf den Weg.

Nach einer kurzen Einführung, bei der die 28 Teilnehmerinnen erfuhren, dass es völlig normal sei, wenn man sich total überfordert fühle und man kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehe, denn dann lerne man am besten, ging es auch schon los mit einem Warm-up. Marianne Scheffers, groß, schlank, blondgelockt, heizte den Damen ordentlich ein und tracktierte sie mit wüsten Bauchmuskelübungen, die bei ihr selbst aussahen, als wären sie ein Kinderspiel. "Ist euch warm?", fragte sie lächelnd und kein bisschen aus der Puste, während die Kursteilnehmerinnen schon rote Gesichter hatten und sich Luft zufächelten. Sie forderte Ruhe von den Damen im Alter von 15 bis 32, denn reden lenke vom Eigentlichen ab. "Für einen Auftritt kann man nicht zehn Tage lang proben, da hat man nicht länger als ein, zwei Tage Vorbereitungszeit à zehn Stunden, also muss man voll bei der Sache sein!", plauderte sie aus dem Nähkästchen. In vier Gruppen eingeteilt schickte sie die Teilnehmerinnen auf einen imaginären Catwalk, ließ sie mal auf gedachten Highheels mit kurzem Rock, mal sportlich und mal in Outdoorklamotte durch die Altrheinhalle schreiten und war hellauf begeistert: "Wir haben hier 28 neue Topmodels", lobte sie und gab Tipps für die Handhaltung beim Laufen, für elegantes Stehen oder das richtige Wenden auf dem Laufsteg. "Ihr seid super, weil ihr alles gleich umsetzt!", freute sich die sympathische 36-Jährige und riet den jungen Damen, immer mal wieder innezuhalten und in sich hinein zu spüren, auf ihr Herz zu hören.

Cale Kalay ging ohne Pause zum nächsten Teil über. Er arbeitete als Tänzer und Coach für Kylie Minogue, Robin Schulz und viele andere, spielte in Musicals, war Lead-Dancer auf Helene Fischers Tourneen und ist seit 2016 Jurymitglied in verschiedenen Tanz-Sendungen im Fernsehen. Er präsentierte den Teilnehmerinnen seinen Song "Hurricane" und vermittelte ihnen gleich zu Beginn seine Lebensphilosophie: "Wenn ich trainiere oder irgendwas von mir verlangt wird, dann gebe ich immer 150 Prozent. Gebt euch nicht mit Hundertprozent zufrieden! Ich komme manchmal sogar von der Bühne und habe mich dort verletzt, ohne es zu merken, weil ich mich so auf das Training und das Tanzen konzentriert habe." Er wollte eine Performance zu seinem Titel sehen, die in weiten Teilen den Tänzerinnen selbst überlassen war; im zweiten Teil gab er die Choreografie dann komplett vor. "Gebt mir das genauer!", forderte er immer wieder, sprach einzelne Tänzerinnen direkt an, gab Tipps für exakteren Hüftschwung und wie der Kopf bewegt werden sollte, und ließ eine Wiederholung auf die andere folgen. "Stellt euch vor, ihr müsstet euch durch Honig durchkämpfen", gab er als Tipp für verschiedene Bewegungen, aber auch: "Stellt euch vor, ihr seid der Hauptakteur und habt 45 Tänzer hinter euch!" Er duldete weder Trinkpausen noch Ablenkung. "Places please!", war die Aufforderung, sich bereit zu machen und schon ging es wieder los. Die Tänzerinnen gaben alles und hatten den Song nach nur einer Stunde komplett drauf, der 33-jährige Trainer zeigte sich zufrieden und wurde unter Jubelschreien von der ganzen Mädelsmenge umarmt.

Nach drei Stunden dann die erste Pause: Obwohl im Vorraum ein Kuchenbuffet für die Teilnehmerinnen bereitstand, aß kaum eine davon. "Ich bin viel zu aufgeregt, ich hab seit heute Morgen nichts essen können", erzählte eine Teilnehmerin, die extra aus Düsseldorf angereist war. Ein anderes Mädchen, das zu diesem Zeitpunkt schon das dritte Outfit trug, kam aus Köln. "Man kann von den Dreien so viel lernen", gab sie als Grund für die lange Anreise an. Ein Mädchen aus der Schweiz hatte ebenfalls den ganzen Tag noch nichts gegessen. Sie fasste sich an den Rücken: "Ich glaube, ich hab mir was gezerrt. Aber egal!". Sind die Erwartungen der Teilnehmerinnen bisher erfüllt worden? "Ja, absolut, es ist super gut!", sagte eine, "Noch viel besser, als erwartet", schwärmte eine andere.

Nach zehn Minuten Pause folgte Teil Drei. Dieses Mal ging es an die Choreografie von Helene Fischers Hit "Achterbahn", denn keine andere als Sarah Hammerschmidt, die die aktuelle Helene Fischer Tour choreografierte, stand als dritte Trainerin auf dem Programm und brachte den Teilnehmerinnen ihre Achterbahnfahrt näher. "Diese Choreo ist leicht, sexy, aber auch powerful!", versprach sie den Tänzerinnen, und schon ging es los.