Kinderbetreuung in Lörrach

Neues Leben in der Alten Schule Haagen erfordert Absprachen

Peter Gerigk

Von Peter Gerigk

Mi, 15. September 2021 um 15:08 Uhr

Lörrach

Eine kommunale Kita und ein evangelischer Kindergarten befinden sich erstmal unter einem Dach. Die Erweiterung des denkmalgeschützten Gebäudes im Lörracher Stadtteil stößt auf viel Lob.

Träger eines Kindergartens feiern normalerweise dessen Eröffnung. Weil das vor fast genau einem Jahr wegen der Pandemie nicht möglich war, bot sich bei der Besichtigung der erweiterten Alten Schule Haagen am Dienstagabend den Leitungen der städtischen Kita und des evangelischen Kindergartens die Gelegenheit, Einblick in den Betrieb zu geben und über ihre Erfahrungen zu berichteten. André Grunert und Gisela Bühler zeigten sich sehr zufrieden mit ihrem neuen Domizil.

Der Haagener Ortsvorsteher Horst Simon kommentierte allerdings den Anlass kritisch, warum vorübergehend gleich zwei Einrichtungen darin untergebracht sind: "Mir blutet das Herz, dass wir nur einen Steinwurf entfernt das Gebäude des evangelischen Kindergartens abreißen müssen, während hier eine Renovierung möglich war." Er erinnere sich lebhaft an den Bau des Hauses an der Markgrafenstraße vor 50 Jahren – und natürlich ans 138 Jahre nach seiner Errichtung umgebaute Volksschulhaus der damals noch eigenständigen Gemeinde Haagen, wo er wie Stadträtin Christa Rufer und Stadtrat Alfred Kirchner einst die Schulbank drückten und ihre ehemaligen Klassenzimmer ansahen.

Stadt investierte 4,2 Millionen Euro

Wie das Lörracher Büro Moser Architekten das unter Denkmalschutz stehende Schulhaus von Juli 2018 bis September 2020 saniert, erweitert und den neuen Bedürfnissen angepasst hat, gefiel den Besuchern der Stadtverwaltung und des Gemeinderats sehr gut. Mit der Investition von rund 4,2 Millionen Euro ist das Gebäude nur für die städtische Kindertagesstätte konzipiert, im Obergeschoss hat der evangelische Kindergarten der Gemeinde Rötteln sich aber im November 2020 vorübergehend mit zwei Gruppen eingerichtet. Seine Leiterin Gisela Bühler räumte ein, mit zwei Einrichtungen im Haus sei es nicht einfach, doch sie würden ihren Alltag absprechen und sich arrangieren. "Das schaffen wir gut für diese Übergangsphase." Grunert sagte, die Kinder der Einrichtungen würden sich auch gegenseitig besuchen und ältere Verantwortung für jüngere übernehmen.

Für den Stadtteil Haagen sei es eine Freude, dass ein Kindergarten in diesem dorfprägenden Gebäude, das ein wichtiger Baustein des gesellschaftlichen Lebens war, eingerichtet worden ist, sagte Simon. Dass das viele ebenso sehen und von dem ertüchtigten und erweiterten Gebäude sehr angetan seien, berichtete Kita-Leiter André Grunert: "Eltern und andere Besucher sind begeistert, besonders vom Farb- und Lichtkonzept." Christin Hanemann lobte als Vertreterin der Kita-Eltern auch die Erzieher und Erzieherinnen. Ihre Zusammenarbeit mit den Eltern sei sehr gut: "Sie gehen immer sehr auf die Eltern ein, nehmen sich Zeit für sie und erkundigen sich nach den Kindern."

Nur 60 Prozent der Kinder sind aus Haagen

Grunert wies darauf hin, dass nur gut 60 Prozent der Kinder in der Kita in Haagen wohnen und andere vom Salzert oder sogar aus Kandern stammen. Die Kita bietet in Ganztagsgruppen zehn Krippenplätze für Kinder zwischen einem und drei Jahre sowie für ältere 20 Kindergartenplätze. Wenn der Neubau für den evangelischen Kindergarten fertiggestellt ist, wird die städtische Kita in der Alten Schule mit fünf Gruppen betrieben: Das Erdgeschoss übernehmen dann drei Krippen- und das Obergeschoss zwei Kindergartengruppen.

Oberbürgermeister Jörg Lutz betonte, angesichts der hohen Investition der Stadt sei es der Stadtverwaltung wichtig gewesen, zu zeigen, was mit dem Geld gemacht worden ist. Für die Stadt und für den Stadtteil sei ein Wert geschaffen worden. Das Gebäude sei gut gelungen und verknüpfe harmonisch den alten und neuen Teil: "Das ist ein Schmuckstück." Architekt Jürgen Moser nahm mit seinen Mitarbeitern Katja Eckert und Heiko Moritz an der Besichtigung teil und erläuterte auch kurz das gelobte Farbkonzept, das den grünen Sandstein des historischen Teils und die Farbe der Fassade im in Holzbauweise geschaffenen Neubau aufnimmt.