Neustart bei den Frauen

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 30. August 2020

USC Eisvögel

Die drei Bundesligisten USC Freiburg, RSV Weil und HSG Freiburg vor der Saison.

Dem Leistungssport unterhalb des Profifußballs hat Corona stark zugesetzt. Nach einem halben Jahr Pause stehen viele Teams nun wieder in den Startlöchern: zu Besuch bei drei Frauen-Bundesligisten in Südbaden.

Es gibt sie noch: Die guten Nachrichten für Alen Kovac. Am späten Mittwochnachmittag ist der hauptamtliche Cheftrainer der Tischtennisspielerinnen des ESV Weil guter Dinge: "Gerade sind die Testergebnisse gekommen, alle negativ", strahlt der langjährige kroatische Nationalspieler, der seit zwei Jahrzehnten mit seiner Familie am Rhein lebt und coacht.

Von Montag an kann der ESV richtig trainieren

Vor dem Endspurt der Saisonvorbereitung hat der Tischtennistrainer sich mit seiner Familie noch einmal ein paar freie Wochen in der kroatischen Heimat gegönnt. Und weil die Bundesregierung dort immer mehr Regionen zum Risikogebiet erklärt hat, hat Familie Kovac verfrüht die Heimreise angetreten und sich testen lassen – in Neuenburg an der Autobahn-Teststation für Reiserückkehrer. Weil er sich nicht mit dem Virus angesteckt hat, darf er direkt voll ins Training einsteigen. Zum Glück, denn bereits kommendes Wochenende startet der Club in die Erstligasaison: Beim Pokalturnier in Berlin rechnet er sich durchaus etwas aus. Genauso wie in der Bundesligasaison, bei der es wegen der Pandemie ein verändertes System geben wird, in dem keine Doppel gespielt werden: "Wir wollen mindestens in die Playoffs", sagt der Vorsitzende Serge Spiess. Dazu müssten sie ein Team im Abschlussklassement hinter sich lassen. Hohe Ziele für einen Aufsteiger, der am Ende der abgebrochenen Saison nur aufsteigen durfte, weil Zweitligameister TTC Weinheim auf den Gang ins Oberhaus verzichtete. Doch die Verantwortlichen haben ihre Hausaufgaben erledigt und das Team verstärkt. An den vorderen beiden Positionen schmettern weiterhin die ukrainische Nationalspielerin Ievgeniia Sozoniuk und die Bulgarin Polina Trifonova. In der zweiten Liga war kein Spitzenduo stärker. Neu am hinteren Paarkreuz sind die 17-jährige deutsche Jugendmeisterin Sophia Klee sowie Izabela Lupulesku, Platz 97 in der Weltrangliste. Zudem hat Vivien Scholz noch einmal zugesagt.

Trainer Kovac hat vier der fünf Spielerinnen am Montag erstmals zusammen. "Da können wir dann richtig trainieren", freut sich der Coach. Denn normalerweise stellen die Weilerinnen ein Team der Pendler, das nur zum Spieltag zusammenkommt, während der spielfreien Tage und Wochen aber an unterschiedlichen Orten lebt und trainiert. Einzig die hochveranlagte Sophia Klee wird während der Woche fehlen. Doch auch dafür haben sich die Weilerinnen etwas einfallen lassen. "Wir fahren am Freitag schon die halbe Strecke und trainieren dann noch einmal gemeinsam mit Sophia, um gut vorbereitet nach Berlin zu kommen."

In der Unisporthalle Freiburg laufen die Dinge derzeit noch etwas lockerer ab. Für die Bundesliga-Basketballerinnen des USC Freiburg wird die Saison erst Ende Oktober starten – verschoben aufgrund der Pandemie. Daher kommt das Team dieses Jahr später als in den Vorjahren zusammen. Erst Mitte September werden auch die Profis aus Übersee im Breisgau eintreffen.

Für die Aufbauposition haben die Freiburger die langjährige spanische Jugendnationalspielerin Paloma Gonzalez Vazquez verpflichtet. Die 21-Jährige wechselt vom spanischen Zweitligisten CB Pozuelo nach Freiburg. Für die Centerposition haben die Eisvögel die 22-jährige Cassidy Boensch geholt. Sie wechselt direkt vom College in den Breisgau. Die dritte Ausländerin im Bunde ist die Kanadierin Daneesha Provo (Flügel). Damit hat der USC einen externen Profi weniger als in den Vorjahren verpflichtet.

Trainerin Hanna Ballhaus ist sich deshalb sicher: "Es wird verdammt schwer, aber wir freuen uns auf die Aufgabe." Besonders angetan ist sie von der Trainingsleistung ihrer im Schnitt gerade einmal 18 Jahre alten deutschen Spielerinnen. "Wir wollen beweisen, dass man auch mit eigenen Talenten gut mitspielen kann." Gleichzeitig plagen den USC Geldsorgen. Aufgrund der Pandemie stehen Sponsorenausfälle im niedrigen sechsstelligen Betrag im Raum. Auch deshalb haben die Eisvögel eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen – in Zeiten von Corona zählt jeder Cent. Am anderen Ende der Stadt ist Ralf Wiggenhauser noch unsicher, wie bereit seine Zweitliga-Handballerinnen für den Saisonstart sind: "Wir hatten deutlich weniger Testspiele als sonst", sagt der HSG-Trainer und findet: "Wir hatten gute Phasen, aber auch schwächere. Wir müssen das stabilisieren."

Der Kader ist um Jugendspielerinnen erweitert worden. Hinzu kommen Kim Schmitt vom TSV Steißlingen, Anna Bretz von der HSG Rodgau Nieder-Roden und Svenja Wunsch von der SG Kappelwindeck-Steinbach. Ein Coup ist die Verpflichtung der dänischen Kreisläuferin Natacha Buhl. "Ich halte unseren Kader für besser als vergangenes Jahr", sagt Wiggenhauser und hofft auf einen frühen Klassenerhalt. Drei Teams muss die HSG dazu hinter sich lassen: Kommenden Samstag (20 Uhr/Wentzingerhalle) bietet sich die erste Gelegenheit, den Grundstein zu legen. Da beginnt die Saison mit einem Spiel gegen Herrenberg.