Newcomer und Urgesteine

Gert Brichta

Von Gert Brichta

Di, 08. Oktober 2019

Eisenbach (Hochschw.)

Die Eisenbacher Kunstausstellung hat immer mehr Strahlkraft.

EISENBACH. Ursprünglich als Ausstellung für Hobbykünstler gedacht, mischten sich im Laufe der Jahre immer mehr professionelle Künstler in die Reihen der Teilnehmer der Kunstausstellung, die der Förderkreis Kreatives Eisenbach initiiert. Wie vielfältig das künstlerische Schaffen ist, davon konnten sich die Besucher bei der zweitägigen Veranstaltung überzeugen, die mittlerweile zum achten Mal stattfand. Am Freitagabend wurde zur Vernissage geladen, viele Besucher wanderten von Stand zu Stand, Magnus Cordes-Schmid sprach mit den Künstlern, die kurz ihre Werke beleuchteten.

Paul Wangler ist bei den Eisenbacher Ausstellungen von Anfang an dabei und war der älteste Teilnehmer. Er präsentierte wie gewohnt Fotografien. Wangler ist in Eisenbach kein Unbekannter, er war langjähriges Gemeinderatsmitglied und ebenso Narrenvater, der die Bergmannszunft aus der Taufe hob. Am kommenden Donnerstag vollendet er sein 80. Lebensjahr. Seine Digitalkamera ist ständige Begleiterin auf Wanderungen oder Fahrradtouren, die er gemeinsam mit seiner Frau macht, dabei immer wieder erstaunliche Sujets festhält. Er zeigte Kapellen des Hochschwarzwalds und Hölzer im Wald – unter dem Motto "Am Wegesrand".

Zu den Newcomern zählte Florian Dufner: Nach dem Abitur in Neustadt absolvierte er eine Ausbildung als Industriemechaniker und studiert gegenwärtig in Münster Betriebswirtschaftslehre, steht kurz vor dem Abschluss. Er schließt nicht aus, nach dem ersten Examen weitere Studiengänge in Richtung Kunst und Philosophie zu belegen. Schon immer habe er gerne gezeichnet und irgendwann sei er dazu überredet worden, in Sachen Kunst seine Talente zu forcieren. Er zeigte überwiegend abstrakte Kunst wie beispielsweise ein Auge, das mit Spiegelelementen versehen ist, die zur Selbstreflexion einladen.

Zu den weiteren Eisenbacher Künstlern zählte Eva Kneipp, die mit ihrer Malerei in den vergangenen Jahren mit ihren Werken bei Ausstellungen vertreten ist. Stetige Fortbildung und immer neue Techniken gehören bei ihr mittlerweile zum Standard. Rainer Gehring verbindet in seinen Werken Natur und Technik. Im Klartext sind es Mineralien und High-Tech-Produkte, die er zu Kunstwerken vereint. Was wäre die Technik ohne die Natur, aus Mineralien werden Elemente als Bausteine für die moderne Technik gewonnen, für ihn ist dies seit Jahren ein Thema. Seine Werke zeigen somit die symbiotische Wechselwirkung.

Bianca Bohnet, die gelernte Bildhauerin und Schreinerin, faszinierte wie immer mit ihren Werken aus Holz. Dazu zählten unter anderem ihre Füße aus Holz, naturgetreu nachgebildet aus Lindenholz. Sie beschrieb den schwierigen Werdegang vom Gips- und Tonabdruck bis hin zur geschnitzten Nachbildung. Jacqueline Huschle aus Bubenbach, die Heilpädagogik mit dem Schwerpunkt Kunsttherapie studiert hat, beeindruckte mit ihrer Malerei ebenfalls.

Aus Friedenweiler kam Josef Ebi, der ehemalige Gastronom, Jäger und Jagdhornbläser. Er zeigte in seinen Bildern die Schönheit der Natur, die nicht in der freien Natur entstehen, sondern in der Erinnerung festgehalten werden, um anschließend malerisch umgesetzt zu werden. Stark vertreten waren Künstler aus Löffingen, die hier im Kunstverein engagiert sind. Ulrike Fritsch, Angi Vögt, Sylvia Benz, Erika Schirmer und Georg Voelter waren nach Eisenbach gekommen. Allgemein große Resonanz fanden unter den Löffinger Künstlern die Werke von Ulrike Fritsch, die Stillleben in Bestform auf Leinwand präsentierte.

Abgerundet wurde die Ausstellung mit Schmuckstücken von Alice Esser, die nicht nur wunderschöne Paravents fertigt, also Trennwände, die als Sichtschutz dienen oder die auch als spanische Wände bezeichnet werden. Günther Hucklenbroich, ein Neustädter Grafiker, präsentierte Fotografien, die zu Fotobildern umgewandelt wurden, den Prozess erklärte er expliziert. Auch nach Eisenbach gekommen war die in Lenzkirch lebende Cornelia Diem, die das Töpfern relativ spät erlernte, mittlerweile Kurse gibt und mit der Schule in Lenzkirch zusammenarbeitet. Sie zeigte Produkte aus ihrer Werkstatt, darunter das Paradestück, den "Mantel des Clochard", ein Meisterwerk der Töpferkunst.

Vertreten waren auch die Grundschüler der Lichtenbergschule, Kunstwerke des Nachwuchses ließen grüßen. Martin Müller, der musikalische Leiter des Musikvereins, setzte musikalische mit freien Improvisationen Akzente bei der Vernissage, dies auf dem Marimbaphon und dem Vibraphon.

Ergänzt wurde die Ausstellung durch Vorführungen an den Folgetagen von Bianca Bohnet sowie durch die Lesung der Eisenbacher Dorfschreiberin aus dem Jahr 2018, Ulrike Blatter, aus deren neustem literarischem Werk "Töchter des Todes", das während ihres Aufenthalts in Eisenbach entstanden war.

Info: Die nächste Veranstaltung des Förderkreises Kreatives Eisenbach ist die offene Bühne am Samstag, 12. Oktober, 20 Uhr, im Haus des Gastes in Bubenbach statt.