Handball

Nico Baumann,TuS Schutterwald: "Werden unterschätzt"

Wolfgang Künstle

Von Wolfgang Künstle

Fr, 08. November 2019 um 10:16 Uhr

Oberliga BaWü

Nico Baumann, der mit dem Aufsteiger TuS Schutterwald eine gute Rolle in der Handball-Oberliga spielt, spricht über die Gründe für den Erfolg.

Mit bislang 10:8 Punkten hat sich der TuS Schutterwald, Aufsteiger in die Handball-Oberliga Baden-Württemberg respektabel geschlagen. Am vergangenen Wochenende kassierte die Mannschaft von Trainer Nico Baumann am Bodensee allerdings eine deftige Klatsche. Wie die Mannschaft dies weggesteckt hat und was es für ihn als Trainer noch zu tun gibt, erzählte Baumann im Gespräch mit Wolfgang Künstle.

BZ: Vergangenes Wochenende hat der TuS Schutterwald beim 24:36 in Konstanz eine ziemlich kalte Dusche abbekommen. Wie sind Sie damit umgegangen.
Baumann: Eine kalte Dusche – ja, das kann man so sagen. Wir mussten das Ganze auch erst einmal sacken lassen. Wir haben einige Dinge im Training angesprochen und die Mannschaft hat es sehr gut aufgenommen. Insgesamt hat sie die Niederlage sehr gut weggesteckt und ich bin sehr zufrieden, wie wir seither trainiert haben.
BZ: Obwohl Sie wussten, dass der Tag der deftigen Niederlage irgendwann kommen würde, war es doch eine schmerzliche Erfahrung, oder?
Baumann: Natürlich. Vor allen Dingen, weil ich einige elementare Dinge wie den absoluten Siegeswillen einfach vermisst habe. Wir hatten ja schon einige recht gute Partien, vielleicht haben einige Spieler gedacht, dass es so weitergeht, auch wenn sie einen Gang zurückschalten. Aber als Aufsteiger musst du in jedes Spiel gehen, als ob es ein Endspiel wäre.
BZ: Inzwischen sind neun Partien gespielt. Wie sind Ihre Eindrücke in der Oberliga? Wo liegen die Unterschiede zur Südbadenliga?
Baumann: Unsere Eindrücke sind durchweg positiv. Man kommt weit herum, sieht neue Gegner, neue Hallen, neue Schiedsrichter – das macht schon Spaß. Ein ganz großer Unterschied ist natürlich die Leistung. Die Mannschaften sind alle gleichmäßig top besetzt. In der Südbadenliga hast du mal einen Gegner, bei dem du ein, zwei Spieler ein bisschen außer Acht lassen kannst. Das gibt es in der Oberliga nicht. Zudem verfügt fast jede Mannschaft über Schlüsselspieler, die Drittligaerfahrung haben oder sogar noch höher gespielt haben. Das findest du in der Südbadenliga nicht. Außerdem spielen alle Teams einen top Handball. Du kannst gegen fast jeden Gegner gewinnen – oder eben auch verlieren.
BZ: Wie haben Sie nach dem Aufstieg die Arbeit in der Mannschaft verändert?
Baumann: Wir haben einige Dinge angleichen müssen. Ich habe beispielsweise früher mit der Vorbereitung begonnen und wir haben mehr Krafttraining absolviert.
BZ: Da war die Mannschaft sicher begeistert...
Baumann: Die Spieler haben es sehr gut aufgenommen, weil sie wussten, dass es nötig sein würde. Wir trainieren auch weiterhin dreimal die Woche, allerdings haben wir Montag und Dienstag das Training von anderthalb auf zwei Stunden verlängert, damit auch hier noch Zeit für den Kraftraum bleibt.
BZ: In der Tabelle belegt der TuS derzeit mit 10:8 Punkten Platz sieben. Selbst wenn das letzte der vier Auswärtsspiele, die Sie in Serie hatten, verloren ginge, wäre der Mittelfeldplatz zunächst sicher. Zufrieden?
Baumann:
Auf jeden Fall, wir hätten nicht gedacht, dass wir so gut stehen würden. Wir haben gegen alle anderen Aufsteiger gewonnen, was uns gewundert hat, da wir ja in den Qualifikationen in den vergangenen Jahren immer gegen den Tabellenzweiten gescheitert waren. Das hat uns positiv überrascht. Vielleicht werden wir als Aufsteiger noch ein wenig unterschätzt. Aber wir konnten auch nicht einfach davon ausgehen, dass Christoph Baumann, der Topscorer in der Südbadenliga, seine Form in die Oberliga mitnimmt. Und nach der Verletzung von Felix Zipf sind Philipp Harter und Michael Herzog überragend in die Bresche gesprungen.
BZ: Das hört sich alles sehr gut an. Gibt es dennoch Stellschrauben, an denen Sie die kommenden Wochen noch drehen müssen?
Baumann: Wir haben diese Woche angefangen, an der Abwehrarbeit zu feilen. Die 6:0 ist unsere Paradeabwehr, doch in manchen Fällen sind wir gezwungen, eine 3:2:1 zu stellen. Dafür müssen wir lernen, aggressiver zu Werke zu gehen. Das müssen wir herauskitzeln. Und unser größtes Sorgenkind ist der Angriff, wenn wir gegen eine 3:2:1-Deckung spielen müssen. Wir müssen da die Abwehr mehr in Bewegung bringen und viel mehr über die Außen kommen. Aber da kommt bislang kein Ball hin. Vielleicht wurden wir auch ein wenig von der Schnelligkeit überrascht, mit der die Abwehrspieler uns zudecken.
BZ: Das klingt nach einer ziemlich großen Aufgabe.
Baumann: Handball spielen können unsere Jungs alle. Deshalb mache ich mir keine Sorgen, dass es nicht bis in ein paar Wochen funktioniert.
BZ: Was ist drin diese Saison?
Baumann: Mein Ziel ist nach wie vor der einstellige Tabellenplatz und das scheint auch machbar zu sein. Wir haben ja in der Hinrunde sechs Heim- und neun Auswärtsspiele und in der Rückrunde natürlich umgekehrt. Da sollte auf alle Fälle ein gutes Ergebnis drin sein.
BZ: Was erwartet Sie am Sonntag in Neckarsulm?
Baumann: Eine körperlich starke Mannschaft mit einer guten 6:0-Abwehr und einem wurfgewaltigen Rückraum. Ehrlich gesagt bin ich überrascht, dass sie so weit hinten stehen. Ich rechne mir auf alle Fälle Chancen aus.