Nothilfe für Afghanistan

dpa

Von dpa

Di, 14. September 2021

Ausland

Zusagen von einer Milliarde Dollar auf UN-Geberkonferenz / 500 Millionen Euro aus Deutschland.

Auf einer internationalen Afghanistan-Konferenz haben zahlreiche Staaten Hilfsgelder von insgesamt einer Milliarde Dollar (846 Millionen Euro) für die notleidende Bevölkerung zugesagt – und gleichzeitig Forderungen in punkto Menschenrechte an die Taliban gestellt. Deutschland stellt 100 Millionen Euro für Afghanistan und die Region Soforthilfe bereit sowie weitere 500 Millionen in Aussicht.

Bei der ersten Geberkonferenz seit der Machtübernahme der militant-islamistischen Bewegung im August machten viele Staaten am Montag in Genf klar, dass sie ihre kurzfristige humanitäre Unterstützung zwar nicht an Bedingungen knüpfen. Die Zusammenarbeit mit dem Taliban-Regime werde aber von deren Umgang mit ausländischen Helfern, Frauen, Kindern und Minderheiten abhängen.

Nach UN-Zahlen haben 93 Prozent der Haushalte in Afghanistan nicht genug zu essen. Nach Einschätzung von UN-Behörden steht die Grundversorgung in Afghanistan vor dem Zusammenbruch. Dies bestätigten die herrschenden Taliban, deren Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte: "Die Menschen sind in wirtschaftlichen Schwierigkeiten: Lebensmittel sind knapp, Medikamente sind knapp."

Mit humanitärer Hilfe sollen medizinische Leistungen, Wasserversorgung und sanitäre Einrichtungen aufrechterhalten werden. Zudem sollen Schutzmaßnahmen für Kinder und Frauen, Notunterkünfte sowie Schulen finanziert werden, und die Helfer brauchen Geld, um die 3,5 Millionen Vertriebenen im Land sowie die mehr als zwei Millionen afghanischen Flüchtlinge in Nachbarländern zu unterstützen.

Außenminister Heiko Maas (SPD) kündigte in Genf 100 Millionen Euro als Soforthilfe für notleidende Menschen in Afghanistan und der Region an und stellte weitere 500 Millionen in Aussicht. "Jenseits der humanitären Hilfe werden wir unsere künftige Haltung gegenüber einer Regierung der Taliban nicht von deren Worten, sondern vielmehr von deren Taten abhängig machen."

UN-Generalsekretär António Guterres wies darauf hin, dass die Taliban die Vereinten Nationen schriftlich um internationale Unterstützung in der Entwicklungszusammenarbeit, im Kampf gegen Dürre und in Sicherheitsfragen gebeten haben. "Ich denke, dass die internationalen Gemeinschaft damit ein Druckmittel in der Hand hat", sagte Guterres. Die Taliban hätten zugesichert, dass Hilfsorganisationen ihrer Arbeit nachgehen könnten und dabei geschützt würden.

UN-Menschenrechtschefin Michelle Bachelet wies jedoch auf gebrochene Versprechen zum Schutz von Mitarbeitern der Vorgängerregierung sowie zur Einhaltung von Frauenrechten hin. Außerdem berichtete sie über zunehmende Angriffe gegen UN-Mitarbeiter.