Rassismus

Nur eine geänderte Gesinnung bringt viel

Lothar Gonschor (Efringen-Kirchen)

Von Lothar Gonschor (Efringen-Kirchen)

Mi, 01. Juli 2020

Leserbriefe

Zu: "Zoff um ‚Mohr‘ im Wappen Möhringens", Agenturbeitrag (Politik, 17. Juni)
Wie weit wollen die "Tempelreiniger" bestimmter Sprachinhalte gehen? Vorab: Rassisten werden dunkelhäutige Menschen, egal wie sie bezeichnet werden, weiterhin hassen. In deren Kopf werden sie weiter "Nigger" oder "schwarzer Abschaum" heißen. Somit relativiert sich auch das Thema im Möhringer Wappen.

Wappeninhalte beziehen sich meistens auf geschichtliche Schwerpunkte, beziehungsweise auf die, die in der Zeit ihrer Entstehung für wichtig gehalten wurden. Nach mehrfachem Besitzerwechsel über Jahrhunderte sind die modernen Wappen ohnehin problematisch. Denn man könnte fragen: Warum ist das Wappen des Tübinger Pfalzgrafen und nicht das des Grafen von Calw im Möhringer verwendet, zu dessen Besitz Möhringen auch einmal gehörte? Warum nur das Symbol des Katharinenstiftes, der heiligen Katharina und so weiter? Irgendwie traf man eine Auswahl, um die Geschichtlichkeit des Ortes zu bezeugen. So sollte auch der alemannische Adlige, wohl namens Moro, nicht fehlen. Doch ist die Umsetzung als Mohrenkopf genauso banal, wie es die Abbildung einer Möhre wäre.

Falls Möhringer Einwohner sich nicht im Sklavenhandel dunkelhäutiger Menschen, deren Misshandlung und Verfolgung, in der Haltung oder Vermittlung von schwarzen Dienstboten hervorgetan haben, ist mit der Darstellung des Mohrenkopfes keine Diskriminierung a priori gegeben. Man denke dagegen, der besagte Kopf könnte Ansporn sein, überdurchschnittlich viele Asylbewerber aus Afrika aufzunehmen, oder in fünf bis zehn Jahren zeichnet sich Möhringen durch verdienstvolle schwarze Bürgermeister und Honoratioren aus, dann wäre vielleicht der heute umstrittene Kopf notwendige Forderung, symbolisch im Wappen zu stehen. Worte, Symbole verändern bringt wenig, nur veränderte Gesinnung bringt viel. Lothar Gonschor, Efringen-Kirchen