Natur

Streuobstwiesen im Kreis Lörrach wären auch für Touristen interessant

Rolf Reißmann

Von Rolf Reißmann

Fr, 18. Oktober 2019 um 13:10 Uhr

Lörrach

Streuobstwiesen sind ein Garant für die Artenvielfalt im Landkreis Lörrach. In anderen Teilen Deutschlands werden sie auch touristisch genutzt. Im Landkreis Lörrach bisher nicht.

Streuobstwiesen gehören zum charakteristischen Landschaftsmerkmal auf dem Dinkelberg. In Europa gehören Streuobstwiesen zu den Jahrhunderte alten Kulturformen. In Adelhausen gab es eine komplexe Beratung von Fachleuten, die sich intensiv mit dieser speziellen Landschaftsform befassen.

Nur wenige Landwirtschaftsformen sind zweifach nutzbar; diese Wiesen mit den in lockerem Abstand gepflanzten Bäumen gehören dazu. Die Wiesen werden für Futterzwecke genutzt, oben gedeiht das Obst in der zweiten Ebene.

Wissenschaftliche Untersuchungen

In den zurückliegenden Jahren stellten das Büro Ökokonzept und das Büro Frinat, beide aus Freiburg, wissenschaftliche Untersuchungen zur Artenvielfalt an. Ausgewählt wurden dafür Areale bei Inzlingen, Adelhausen, Dossenbach und Schopfheim. Die Lebenskette an Bäumen und im Bodenbewuchs ist auf dem Dinkelberg besonders reichhaltig, Die Wiesenpflanzen ziehen Insekten an, diese wiederum Insektenfresser und diese wiederum kleine und größere Raubtiere sowie Greifvögel.

"Nirgendwo leben so viele Rotmilane wie hier." Thomas Ullrich, Ökokonzept

Die Untersuchungen ergaben, dass zu den 40 festgestellten Vogelarten zahlreiche stark gefährdete gehören. Gartenrotschwanz, Neuntöter, Wendehals und auch der Feldsperling gehören zu den typischen Vogelarten auf dem Dinkelberg. "Nirgendwo leben so viele Rotmilane wie hier", erklärte Thomas Ullrich von Ökokonzept. Die Zugvögel unter ihnen, wie Neuntöter und Wendehals, verbringen die Wintermonate in sehr ähnlichen afrikanischen Landschaften. "Aus dieser Hochwertigkeit der Kulturlandschaft ergibt sich auch der Auftrag zur Pflege und Entwicklung, vor allem durch Baumschnitt und Neuanpflanzung", ergänzte Ullrich.

Dagmar Schindler vom Büro Frinat wies in ihrem Vortag darauf hin, dass Streuobstwiesen mehrfach vielfältig sein sollten. Einmal durch unterschiedliche Arten, so können nahezu alle Obstsorten nebeneinander gedeihen. Andererseits sollten Bäume aller Altersstufen vertreten sein, bis hin zu absterbenden. So entstehe eine Vielfalt von Nist- und Aufenthaltsmöglichkeiten für Vögel und Fledermäuse. Bei der parallel verlaufenden Untersuchung zu Fledermäusen wurden nach Netzfang 70 Tiere bewertet. Sie vertraten insgesamt zehn auftretende Arten, am häufigsten die Bechsteinfledermaus, das graue und das braune Langohr.

Es gibt Fördermittel

Bei diesen Arten wurde auch Nachwuchs festgestellt, was eine Reproduktion im Revier bestätigt. Bei der Bewirtschaftung von Streuobstwiesen sollte darauf geachtet werden, dass Leitlinien, wie etwa Busch- oder Baumreihen zu nahegelegenen Wäldern erhalten bleiben, dies sind die Flugorientierungen für Fledermäuse bei der Nahrungssuche. Die Tiere wechseln häufig ihre Ruhehöhlen, mitunter täglich, deshalb werden viele Höhlen benötigt. Ein Jungtier konnte mit einem Sender ausgestattet werden, mit dem inzwischen der Flug in ein Winterquartier bei Hausen bestätigt wurde.

Schließlich erhielten die Teilnehmer Anregungen zur Pflege und Bewirtschaftung. Vom Land sind Fördermittel vorgesehen, teilweise bis zu 60 Euro für aufwändigen Obstbaumschnitt. Obwohl Streuobstwiesen auf dem Dinkelberg landschaftsprägend sind, finden sie immer weniger Beachtung, zahlreiche Landwirte oder auch ehrenamtliche Betreuer geben diese Arbeit aus Altersgründen auf, berichtete Simona Moosmann, Geschäftsführerin des Landschaftserhaltungsverbandes (LEV).

Touristische Nutzung

Durch Schließung von Mostereien wird die Obstverwertung schwieriger, hier sollten Kommunen zusammen arbeiten um eine Lösung zu finden. Interessenten, die eine Streuobstwiese übernehmen möchten, dürfen sich gerne bei den Kommunen melden. Noch ungenügend ausgebaut ist der Tourismus. Während in anderen Gegenden Deutschlands vor allem zur Blütezeit Streuobstwiesen als Ziele touristischer Ausflüge genutzt werden, ist dies hier nicht üblich. Damit könnte der besondere landschaftliche Reiz und das Interesse an der Pflege verstärkt werden.