Nutzungskonflikte im Wald

Benedikt Sommer

Von Benedikt Sommer

Sa, 08. Februar 2020

Emmendingen

Jagdpächter und Jäger stellen sich in Mundingen vor / Freizeitverhalten kontra Naturschutz.

EMMENDINGEN-MUNDINGEN. In der Ortschaftsratsitzung am Mittwoch stellten sich die Jagdpächter und Jäger der beiden Reviere auf der Gemarkung des Ortes vor. Vor allem die Jagd in Ortsnähe stellt die Waidmänner (und eine Jägerin) vor besondere Herausforderungen.

Von den 550 Hektar seines Reviers Mundingen I, das Pächter Udo Schnitter mit sieben Jägern betreut, sind gut die Hälfte Reben und landwirtschaftliche Flächen. Mitten drin liege zudem die Ortschaft, so Schnitter. Dies, aber vor allem die Kulturflächen machten das Revier zu einem "sehr schwierigen Gebiet". Denn einfach nur auf dem Hochsitz zu sitzen, gehe in diesem Terrain nicht. "Wir sind viel unterwegs, Pirschen in den Reben, Laufen die Terrassen und Maisäcker ab", erklärte der Jagdpächter. Das gehe nur während der Dämmerung, morgens und abends. Da sie bewaffnet seien und oft auch Tarnkleidung trügen, sorge dies bei manchem Spaziergänger für Irritationen. Das war auch ein Grund, weshalb Ortsvorsteherin Carola Euhus, die Jäger einmal öffentlich vorstellen wollte. "Wir sind aber nicht gefährlich, das sind alles geschulte Leute, Familienväter, ohne sie würde hier alles anders aussehen", betonte Schnitter. Und im Ort selbst bestehe sowieso ein generelles Jagdverbot.

Während sie in ihrem Terrain die Schwarz- und Rehwildbestände gut kontrolliert bekämen, bereiteten die "Prädatoren", also Beutegreifer, zunehmend Probleme bereiten. Vor allem die Dachs- und Fuchspopulationen seien durch die milden Winter der vergangenen Jahre stark gewachsen. "Wir bekommen massive Beschwerden aus der Bevölkerung, auch über untergrabene Rebterrassen", so Schnitter. In diesem Jagdjahr, also seit Juni des vergangenen Jahrs, hätten sie bereits 36 Dachse geschossen, das habe er in seinen zwanzig Jägerjahren noch nicht erlebt. Geschützte und immer seltener werdende Arten wie der Feldhase, das Rebhuhn oder der Fasan, gerieten durch diese starken Populationen unter Druck. Viele Füchse litten zudem unter der Fuchsräude. Die auch für Hunde hochansteckende Hauterkrankung, führe für die am Ende haarlosen und von den unter der Haut sitzenden Milben aufgedunsenen Tiere zu einem qualvollen Ende. Auch überhand nehmende Elstern, Saat- und Rabenkrähen, die die bedrohten Singvögel-Bestände weiter gefährdeten, könnten über "Bioäckern" bejagt werden, da es für biologisch arbeitende Landwirte Sondergenehmigungen gebe. "Das Saatgut ist nicht gebeizt und daher sehr begehrt. Diese Äcker sind wir verpflichtet zu schützen". Grundsätzlich würden alle im Revier erlegten Tiere entsorgt. Aufgefundene Tierkadaver sollten bei der Polizei, der Gemeinde oder dem Jagdpächter gemeldet werden.

Ähnlich, aber mit etwas anderem Schwerpunkt, ist die Lage von Jochem Bücherer, der gemeinsam mit Markus Bauer und sechs Kollegen (darunter eine Jägerin) das Revier Mundingen II, "Richtung Freiamt hin", betreut. Landwirtschaftliche Flächen machen hier mit etwa 50 Hektar bei 285 Hektar Gesamtgröße nur einen relativ kleinen Teil des Reviers aus. Aber auch hier erschwert die Konkurrenz um den Raum die Aufgaben, etwa bedrohte Wildarten zu schützen. "Das ist schwierig, das meiste Land wird land- oder forstwirtschaftlich genutzt", so Bücherer. Mit den Land- und Forstwirten setzten die Jäger daher auf Zusammenarbeit. Der Anlage von Randstreifen, der Kitzrettung vor dem Mähen oder auch dem Aufstellen von Wasser bei Trockenheit käme hier eine große Bedeutung zu. Unter Druck gerät die Fauna jedoch nicht nur durch die wirtschaftliche Nutzung der Flächen, sondern auch durch das Freizeitverhalten der Bevölkerung in einem immer dichter besiedelten Umfeld. Die starke Nutzung (und Zerstörung) des Vier-Burgen-Wegs etwa durch Mountainbiker durchschneide das Gebiet regelrecht, so Bücherer.

Eine neue Abzweigung hinab nach Mundingen, die eine Gruppe Mountainbiker nach Aussage der Jäger gerade illegal anlege, sogar mit Autoreifen, sorgt für weitere Unruhe im Wald. Aber auch Spaziergänger und Wanderer nehmen immer weniger Rücksicht auf Ruhezeiten. Udo Schnitter appellierte daher an alle, vor allem auch an Hundebesitzer, ab der Dämmerung auf den Wegen zu bleiben. "Das Querfeldeingehen stört nicht nur die Tiere, es erschwert auch unsere Arbeit ungemein."