Fasnacht

Offenburg erwartet am Wochenende zehntausende Narren und Zuschauer

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Fr, 15. Februar 2019 um 14:14 Uhr

Offenburg

Die Althistorische Narrenzunft wird 175 Jahre alt. Zwei Tage lang, Samstag und Sonntag, wird in Offenburg mit tausenden Gästen gefeiert. Der Umzug am Sonntag wird im Fernsehen übertragen.

Offenburg wird am Samstag und Sonntag zur Narrenhochburg. Tausende von Hästrägern und Zuschauern werden anlässlich des 175. Geburtstages der Althistorischen Narrenzunft zum zweitägigen Narrentreffen erwartet, das am Sonntagnachmittag mit einem großen Umzug endet, der auch im Fernsehen übertragen wird. Vorgeschaltet ist ab Samstagvormittag der 41. Offenburger Narrentag, an dem auch rund 800 Kinder mitwirken.

VSAN – Der Verband

Lange hat man warten müssen, bis es mal wieder gelungen ist, ein größeres VSAN-Narrentreffen in die Kernstadt zu holen. VSAN ist die Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte, gegründet am 16. November 1924 in Villingen. 13 Zünfte traten seinerzeit dem "Gauverband badischer und württembergischer althistorischer Narrenzünfte" bei, sie kamen aus Bräunlingen, Donaueschingen, Elzach, Haslach, Hüfingen, Laufenburg, Oberndorf, Offenburg (Althistorische), Rottweil, Schramberg, Stockach, Villingen und Waldshut. 1937 wurde auch die Offenburger Hexenzunft aufgenommen.

Der Verband sieht sich als älteste Narrenvereinigung im Südwesten, mit 68 Narrenzünften in 67 Städten, in den Regierungsbezirken Freiburg und Tübingen beheimatet, dazu im Regierungsbezirk Schwaben sowie in fünf Kantonen der deutschsprachigen Schweiz. Das Gebiet reicht von Wangen im Allgäu bis Ehingen an der Donau und Sachsenheim (Württemberg), dann von Offenburg über Endingen am Kaiserstuhl bis Bad Säckingen, Willisau (Kanton Luzern) und Berschis (bei Sargans). Lediglich Offenburg hat zwei Verbandszünfte.

Weitere, auch in der Region sehr präsente Narrenverbände sind der Verband Oberrheinischer Narrenzünfte (VON) und der Ortenauer Narrenbund (ONB).

Landschaftstreffen

Das große VSAN-Verbandsgebiet hat der Volkskundler und Rundfunkjournalist Wilhelm Kutter 1964 vorwiegend nach regionalen Aspekten eingeteilt. Es gibt acht sogenannte "Landschaften". Zu den 13 Zünften der "Landschaft Schwarzwald" zählen neben den beiden Offenburger Zünften auch jene aus Gengenbach, Haslach, Hausach, Hornberg, Wolfach und Zell am Harmersbach, Endingen, Furtwangen, Schramberg, Triberg und Waldkirch. Landschaftsvertreter war bis vor kurzem Klaus Hansert, früherer Zunftmeister der "Althistorischen".



An diesem Samstag und Sonntag, 16. und 17. Februar, findet das Landschaftstreffen nun anlässlich des 175. Geburtstages der "Althistorischen" statt, im Beisein der Zünfte aus der Landschaft Schwarzwald, aber auch aus anderen Regionen und Verbänden. Auch zahlreiche Offenburger Ortsteilzünfte wurden als Gäste eingeladen, von den Windschläger "Kleeburgern" über die Tscherissili in Elgersweier bis zur Wolfonia aus Rammersweier. Auch Umlandzünfte sind vertreten. Man wird in Offenburg aber vor allem viele Zünfte sehen, die in der Vergangenheit nur selten – oder gar nie – den Weg in die Ortenau gefunden haben, aus Rottenburg etwa und Bad Cannstatt, aus Singen, Bonndorf, Munderkingen.

Auch in früheren Jahren gab es in der Kernstadt schon große und ganz große Narrentreffen, man denke etwa an 1964 und 1988, an 1994 und 2000, teilweise waren es "nur" Landschaftstreffen, teilweise komplette Verbandstreffen. Für 2008 hatten sich Althistorische und Hexenzunft gemeinsam mit der Stadt um ein ausschließlich in den Olympiajahren – also alle vier Jahre – stattfindendes großes Treffen beworben. Doch die Offenburger unterlagen 2005 Bad Waldsee. Das Treffen fand somit in der schwäbischen Kleinstadt statt. Da die Teilnahme für die Mitgliedszünfte Pflicht ist, werden an solchen Treffen bis zu 14.000 Hästräger erwartet und bis zu 50.000 Besucher.

Das Programm

Dem kommenden Festwochenende der Althistorischen Narrenzunft vorgelagert ist der Offenburger Narrentag, der am Samstag, um 10 Uhr, beginnt und in gewohnter Weise stattfindet, mit Einmarsch (10.30 Uhr), Rathaussturm (11.11 Uhr) und "Hängen und Fleddern" (12 Uhr). Angeblich werden die Bohlsbacher Krabbenaze ihr schmieriges Werk am neuen OB Marco Steffens verrichten. Nach dem Scheeserennen (13 Uhr) beginnt um 14 Uhr der große Kinder- und Narrenumzug, an dem sich wieder rund 800 Kinder Offenburger Schulen und Kitas beteiligen.

Narrentag und Narrentreffen sind gut verzahnt. Noch vor 12 Uhr wird die Karnöffelzunft aus Willisau (Schweiz) Käsefondue servieren. Lauben und Zelte sind bereits ab dem Vormittag auf hungrige Narren und Besucher eingestellt, aber auch auf durstige. Solche könnte es viele geben, zumal die Wetterprognosen für Offenburg prächtig sind: trocken, mild und viele Sonnenstunden. "Mich wundert das nicht", lacht Thomas Decker, Chef der Althistorischen, "die Narrenräte haben zuletzt gearbeitet und gebetet."

Ab 16 Uhr geht’s dann mit dem Jubiläumsfest so richtig los: Die Zimmerergilde Stockach errichtet vor dem Rathaus einen angeblich 35 Meter hohen Narrenbaum – das Spektakel könnte gut anderthalb Stunden dauern. Um 18 Uhr beginnt in der Heilig-Kreuz-Kirche der ökumenische Narrengottesdienst, um 19.30 Uhr folgt vor dem Rathaus ein Narrenspiel. Zentral die Frage: Wer ist die älteste Figur der Althistorischen Narrenzunft? Bereits vor 1900 kam in der Chronik "D’r alt Offenburger" ein (fiktiver) alter Offenburger zu Wort, der sich kritisch und humorvoll mit den Tages- und Wochenthemen auseinandersetzte, erdacht von Herausgeber Adolf Geck. 1902 meldete sich die Alt-Offenburgerin zu Wort: Seitdem weiß man um "Andres und Veef", aus dem Ensemble der Zunft längst nicht mehr wegzudenken. Einer der profiliertesten "Andres"-Darsteller war Druckereibesitzer Franz Burda, Vater des Senators und Großvater von Hubert Burda. Es scheint allerdings eine noch viel ältere Figur zu geben: die des Ranzengardisten. Dieser trägt die Uniform der Bürgerwehr um 1850. Die Ranzengarde wird mit dem Gründungsjahr der Zunft – 1844 – in Verbindung gebracht. Um 20 Uhr wird das Narrentreffen dann ganz offiziell eröffnet. Feuerwerker Josef "Sepp" Menzer wird Böller und Raketen freilassen und damit die kurze "Freinacht" freigeben. Kurz darauf stellt sich die "Narrenbolizei" Hausach vor. Auch zahlreiche Innenstadtlokale sind auf Narrenbesuch eingestellt. Zapfenstreich ist um 2 Uhr.

Am Sonntag geht das närrische Treiben weiter, um 10.30 beginnt ein Frühschoppenkonzert, ab 12.30 Uhr Vor dem Café Zampolli eine "Klepperles"-Demonstration von 200 Kindern der Narrenzünfte Gengenbach, Haslach und Waldkirch. Um 13.45 Uhr setzt sich der Umzug in Bewegung, moderiert von Werner Mezger, Sonja Faber-Schrecklein und Matthias Drescher. Er wird im "Dritten" live übertragen. Mit dabei: 46 Zünfte und mehr als 40 Musikkapellen.

Busverkehr

Am Samstag herrscht auf allen fahrplanmäßigen Stadtbuslinien – Linien A, B, C und D – freie Fahrt. Zusätzlich sind Sonderfahrten eingerichtet. Sonderfahrten gibt es auch am Sonntag. Mit dem Festabzeichen ("Narrenbändel") fährt man an beiden Tagen auch auf allen eingerichteten Sonderlinien kostenfrei.
Info

Tamara Benz hat in enger Zusammenarbeit mit Benjamin Zipf eine App entwickelt. Unter "NARRENTREFFEN" kann sie heruntergeladen werden. Die App gibt Infos rund um das Narrentreffen, vom Programm über Bus-Shuttle bis zu Notrufnummern. Weitere Infos, auch zum Bustransfer