Diamond League

Offenburger Speerwerfer Johannes Vetter siegt in Zürich

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Fr, 10. September 2021 um 18:45 Uhr

Leichtathletik

Tröstliches Saisonende: Johannes Vetter dominiert beim Meeting in Zürich. Dennoch bleibt beim Offenburger Speerwerfer der Schmerz, bei den Olympischen Sommerspielen nicht geliefert zu haben.

Am späten Donnerstagabend gewann Speerwerfer Johannes Vetter aus Offenburg in seiner Disziplin das Finale der Diamond League in Zürich, kassierte 30 000 US-Dollar und qualifizierte sich bereits für die Leichtathletik-WM 2022. Dennoch ist seine Saison eine unvollendete.

Als der 28-Jährige nach dem Wettkampf in der Schweiz dem Fernsehsender Sky ein Interview gab, geriet die Gefühlswelt des Weltjahresbesten und der Nummer zwei der ewigen Weltbestenliste noch einmal durcheinander. Vetter genoss die Ovationen des Publikums, das – wenn es durch Corona nicht ausgesperrt wird – zu den euphorischsten und zugleich fachkundigsten in der Leichtathletik zählt. 20 000 Besucher durften im Letzigrundstadion dem Meeting vor Ort zusehen. Aber 20 000 in Zürich machen Stimmung und Krach wie 40 000 in anderen Stadien.

Der neunte Rang in Tokio nagt an ihm

Angeheizt durch den auch in Zürich mit 2,34 Metern siegenden Hochsprung-Olympiasieger Gianmarco Tamberi (Italien), der auch als Animateur eine sehr gute Figur abgeben würde, wurde zuvor Vetters letzter Wurf von rhythmischem Klatschen begleitet. Auch wenn das Sportgerät nicht annähernd so weit flog wie bei seinem Siegeswurf in Durchgang zwei (89,11 Meter), so war beim Weltmeister von 2017 doch Rührung spürbar, endlich wieder vor vielen Zuschauern und nicht in leeren Stadien werfen zu können. "Da hat man einfach Bock und muss werfen, auch wenn ich nach 16 Wettkämpfen in diesem Jahr eigentlich keine Energie mehr hatte für den letzten Versuch", sagte Vetter. Er sei sehr stolz auf sich selbst und auf das, was er vor und nach den Olympischen Spielen an Leistung gezeigt habe.

Aber natürlich ist das ehrgeizige Kraftpaket aus der Ortenau, das in Zürich vor dem persönliche Jahresbestweite werfenden Mainzer Julian Weber (87,03) gewann, noch nicht über die Olympischen Spiele in Tokio hinweg. Damals, Anfang August, flog sein Speer weder in der Qualifikation noch im Finale so weit, um der Favoritenrolle gerecht zu werden.

Einzig und allein den für einen Kraftwerfer wie ihn zu weichen Belag macht er seitdem für seinen enttäuschenden neunten Rang in Japan verantwortlich. Und so fühlte er sich in Zürich nach Abschluss seines Wettkampfes auch bemüßigt, dem Hersteller des Kunststoffbelags im Letzigrundstadion ausdrücklich und genüsslich seinen Dank auszusprechen. Nach dem Motto: Wenn die Schweizer Qualität versprechen, dann können sie es auch halten. Was natürlich ein Seitenhieb auf die Olympia-Veranstalter in Asien war, denn die haben in Vetters Augen Qualität versprochen, aber keine abgeliefert mit ihrem Belag des italienischen Herstellers Mondo.

"Das Wichtigste, Gold bei Olympia, blieb mir aufgrund der Umstände verwehrt." Johannes Vetter
Vetter, der am Sonntag beim Istaf in Berlin letztmals in dieser Saison an den Start gehen und sich dann in den Urlaub verabschieden wird, spricht dann ins Sky-Mikrofon den Satz: "So wurde es noch ein tröstliches Ende des Jahres". Irgendwie scheint er aber selbst nicht an die eigenen Worte zu glauben. Er schiebt nach: "Das Wichtigste, Gold bei Olympia, blieb mir aufgrund der Umstände verwehrt."

Man kann ihn verstehen. Denn Johannes Vetter, der das Speerwerfen im Pandemie-Jahr 2020 und in 2021 so dominiert hat wie einst der Jamaikaner Usain Bolt den Sprint, hat in dieser Saison bei jedem Wettkampf, an dem er teilnahm, die größte Weite erzielt – bis eben auf den wichtigsten, die Olympischen Spiele in Japan. Das nagt sehr an ihm. Nach wie vor. Auch beim Siegerinterview in Zürich.