Volleyball

Offenburgs Rückzug und Folgen für eine junge Frau aus Eichstetten

Wolfram Köhli

Von Wolfram Köhli

Di, 19. Februar 2019 um 10:38 Uhr

Volleyball

Der VC Printus Offenburg steht vor dem Titelgewinn und dem Rückzug aus Liga zwei. Über die Folgen des VCO-Rückzugs spricht Norbert Schupritt, Vater der gerade 18 Jahre alten Spielerin Anna Schupritt.

Die Umarmung war herzlich, genauso wie die Glückwünsche an die Tochter. Am Samstag, einen Tag nach deren 18. Geburtstag, schloss Norbert Schupritt seine Anna in die Arme. "Gut gemacht." Ein Kompliment aus berufenem Mund, nicht durch den väterlichen Blickwinkel geschönt. Im hinteren Tribünenviertel hat die Familie aus Eichstetten am Kaiserstuhl ihren Stammplatz. Es sind ruhige Beobachter, die vor allem durch eines auffallen, die Körperlänge. Als echte Volleyballfamilie bezeichnet der 53-Jährige sein Quintett vom Kaiserstuhl. Er gewann einst als Student und Bundesligaspieler des Moerser SC in den Neunzigern an der Seite von Georg Grozer den Europapokal, spielte in der Nationalmannschaft und noch lange die Beachtour.

Das Volleyballgen bestimmt die drei Kinder. Sohn Julian (Jahrgang 1999) ist am Beachstützpunkt in Stuttgart. Anna entschied sich für Leistungsvolleyball in der Halle und flog aus dem Beachkader. Tochter Marla (Jahrgang 2008) ist für den VfR Umkirch aktiv.

Es gehe im Leistungsbereich um Spielfreude auf dem Platz, gibt Norbert Schupritt sein Credo bekannt. Genau dies sahen er und seine Frau Anette in Offenburg gegeben. Die Tochter Anna wollte als 17-Jährige nicht so weit weg von zuhause. Da war das vom Leistungsgedanken geprägte Umfeld in Offenburg genau das Richtige. Das traf auch auf Trainer Florian Völker zu. Vater Schupritt hatte mit ihm zu Rundenbeginn ein einziges Gespräch. Da habe der junge Trainer dem erfahrenen Vater genau das gesagt, was der Fachmann auch gesehen habe. "Da sagte ich mir. Anna ist gut aufgehoben", erinnert er sich. Sich fachlich mehr einzubringen, sei nicht seine Sache gewesen. "Viele Köche verderben den Brei."

Um im Bild zu bleiben. Der Brei ist gelungen. Anna Schupritt ist die Akteurin, die in den sechs Monaten seit sie sich nach ihrem Abitur ganz dem Volleyball gewidmet hat, riesige Fortschritte machte. Sie entwickelte sich mit dem Krafttraining und den bis zu neun Trainingseinheit in der Woche ausgesprochen gut. "Dass sie soviel gespielt hat," sagt Norbert Schupritt, "war nicht zu erwarten."

"Anna hatte sich auf die Erste Liga gefreut."

Und nun soll alles vorbei sein? Die Tochter sei richtig traurig gewesen, berichtet er. "Sie hatte sich auf die Erste Liga gefreut." Der Vater sieht sie zwar eher als Zweitligaspielerin, ist sich aber sicher "irgendwann wäre sie in der Lage gewesen, in der Ersten Liga zu spielen." Nun steckt die junge Frau, die im August ihr soziales Jahr beim VCO beenden wird, in einem richtigen Dilemma. In ihrem Heimatverein, dem VfR Umkirch, wird nicht leistungsorientiert gearbeitet. Zwei Trainings in der Woche reichen, um in der Dritten Liga zu bestehen.

Norbert Schupritt versteht indes den abrupten Schritt des VCO nicht ganz. Aus eigener Erfahrung weiß er, die Unterschiede zwischen Liga zwei und drei sind nicht so groß. "Warum hätte man nicht unter Verzicht auf die professionelle Komponente eine junge Mannschaft ohne Amerikanerinnen in dieser Liga belassen können? Das wäre für die Region schön gewesen." Für den Klassenerhalt hätte es höchstwahrscheinlich gereicht, nimmt man die Leistung der Gastteams in dieser Saison als Maß.

Anna Schupritt ist nun echt gefordert. Sportlich wie beruflich steht sie vor einem Neuanfang. Aktuell sammelt die 18-Jährige Optionen für die Zukunftsplanung. Auch wenn sie selbst entscheiden wird, steht ihr die Familie mit Rat zur Seite. Norbert Schupritt: "Sie ist ehrgeizig. Ich glaube, wenn sie nur noch im Hobbybereich spielt, wird sie nicht so glücklich." Rein rhetorisch ist wohl seine Feststellung zu werten, "wenn sie keinen Sport macht und nur studiert, fahren wir finanziell besser." Es zeigt, im Leistungssport sind Eltern immer auch Sponsoren.