"Ohne Freunde geht es nicht"

Michael Masson

Von Michael Masson

Di, 05. November 2019

Kappel-Grafenhausen

"Kirchenmäuse" begeistern das Publikum in Grafenhausen mit Kindermusical gegen Fremdenfeindlichkeit und Hass.

KAPPEL-GRAFENHAUSEN. Damit hatten die Veranstalter in ihren kühnsten Träumen nicht gerechnet. Zum ersten Kindermusical der Grafenhausener "Kirchenmäuse" füllten rund 300 Gäste die Mehrzweckhalle. Längst nicht nur Angehörige der Akteure waren gekommen.

"Tuishi pamoja" lautete der Titel des Stücks, übersetzt aus dem afrikanischen Kisuaheli: "Wir wollen zusammen leben." Inhaltliche Kurzfassung des Musicals: In afrikanischer Savanne betrachten sich Zebras und Giraffen als jeweils schöner und klüger, je nach Streifen oder Punkten. Nicht gerade echte Feindschaft, aber: Man redet nicht miteinander und lebt in seinen eigenen Herden. So entwickelt sich eine fantasievolle Geschichte gegen Fremdenfeindlichkeit und Hass.

Gegen den Willen ihrer Herden versuchen Giraffenkind Raffi (Lara Motz) und Zebra-Zögling Zea (Hannah Kurz), Freundschaft zu schließen ("mal kurz vorbei schauen"), werden eindringlich ermahnt. Man hat unter sich zu bleiben. Spätestens da erschloss sich die deutliche Botschaft des Kinder-Musicals, etwa mit dem Liedtext "Alles, was anders ist, kommt mit uns nicht mit." Noch überzeugter: "Wir sind schlau und die einzigen Helden der Welt." Also: ein Haufen von Vorurteilen.

Erdmännchen ergreifen die Initiative

Ja, wenn es da nicht die Erdmännchen gäbe, die sich prompt engagieren, nachdem Raffi und Zea ihre Herden verloren hatten und bei ihnen verzweifelt landeten. Das Lied dazu: "Ich bin so allein, ohne Freunde geht es nicht". Vor allem angesichts drohender Löwen, die keinen Unterschied beim Fressen machen. Die Botschaft der Erdmännchen an Giraffen und Zebras: "So viel Blödheit auf einem Haufen ist nicht auszuhalten." Ihr konstruktiver Vorschlag: "Warum nicht miteinander reden?"

Das Publikum verstand die Musical-Botschaft, was es mit viel Zwischenapplaus untermauerte. Die 22 Kinder brachten sie auf der Bühne mit vollem Herzen rüber – ob bei gemeinsamen oder Solo-Liedern. Hervorzuheben waren Janka Saumer als quirlige Erdmännchen-Mutter, Patrizia Dold (Giraffenmama), Maya Lorena Kraus (Papa Zebra) und Milena Hoch in Multi-Rolle als Sprecherin, Giraffe und Traumgeist zugleich. Natürlich ist klar, wie die Musical- Savannengeschichte gefälligst gut ausgeht: Zebras und Giraffen verbrüdern sich gegen die Löwenbedrohung, auch textlich: "Wir wollen Freunde sein, für immer."

Donnernder Schlussapplaus belohnte die engagierten Bühnenkinder für ihre reife Musical-Leistungen.

Kirchenchor-Leiterin Ursula Wieber hatte das Musical projektiert und seit Mai mit den sechs bis zwölf Jahre alten Kindern einstudiert. Die Chorvorsitzende Petra Wacker dankte den zahlreichen Helfern im Hintergrund, ob Musikkapelle mit Bühnenarbeiten, Tontechnik samt visuellen Savannen- Bühnenbildern auf der Leinwand. Auch die Kuchenlieferanten wurden lobend erwähnt.