Wald

Ohne Waldwirtschaft geht es nicht

Roland Irslinger

Von Roland Irslinger (Tübingen)

Di, 21. Juli 2020

Leserbriefe

Zu: "Schädliche Kahlschläge", Beitrag von Roland Knauer (Magazin, 11. Juli)
Herr Ibisch meint, es gäbe im deutschen Wald eine Kohlenstoffschuld, wenn wir Holz einschlagen und energetisch verwerten. Sein Fehler liegt in der Betrachtung von Einzelbäumen beziehungsweise einzelnen Wäldern – offenbar sieht er vor lauter Bäumen den Wald nicht.

Wälder müssen, wenn es um Klimaschutz geht, auf Landschaftsebene betrachtet werden, es geht nicht um einzelne Bäume oder Bestände. Die Holzvorräte in den Wäldern liegen hierzulande auf einem Niveau, das von Natur aus nicht wesentlich höher sein könnte. Und sie steigen weiter – viel höher sollten sie aber nicht mehr werden. Bei nachhaltiger Waldwirtschaft wird jedes Jahr nur ein kleiner Teil der Bäume geerntet, die verbleibenden Bäume binden weiterhin Kohlenstoff. Die Wald-Biomasse ist ein Jahr nach der Fällung so groß wie zuvor. Holzenergie aus einer dermaßen nachhaltigen Waldwirtschaft ist CO2-neutral, auch wenn Herr Ibisch das Gegenteil behauptet. Eine Kohlenstoffschuld entsteht zu keiner Zeit. Brennholz wird ein Jahr getrocknet, bevor es verbrannt wird.

Der bei der Holzbearbeitung entstehende Verschnitt wird erst Jahre nach der Fällung des Baums energetisch verwertet, die Holzprodukte nach Jahrzehnten. So ist der geerntete Kohlenstoff wieder im Wald gespeichert, bevor er durch die Verbrennung in die Atmosphäre freigesetzt wird und nicht erst 120 Jahre danach. Dass bei der Herstellung von Holzmöbeln beachtliche Mengen an fossiler Energie eingespart werden, verbessert die Klimabilanz der Holznutzung. Die Waldwirtschaft reduziert die Treibhausgas-Emission Deutschlands um zehn Prozent. Ohne Waldwirtschaft sind die Klimaziele Makulatur. Roland Irslinger, Tübingen