Segelflieger Reiselfingen

Ohne Winterarbeit keine Flüge

Christa Maier

Von Christa Maier

Mo, 09. Dezember 2019 um 15:41 Uhr

Löffingen

In der Werkstatt der Segelfliegergruppe Reiselfingen herrscht Hochbetrieb. Alle Maschinen werden auf Vordermann gebracht.

Im Sommer und vor allem bei schönem Wetter sieht man sie in ihren "fliegenden Kisten" kreisen, auf dem Platz ist reger Flugbetrieb. Doch was machen eigentlich die Reiselfinger Segelflugpiloten im Winter? Der Frage ging die Badische Zeitung einmal nach und stellte fest: Ohne Winterarbeit kein Sommervergnügen!

Der Platz sieht verwaist aus, nur zwei Spaziergänger schlendern am Samstag auf dem Segelflug-Lehrpfad. In der beheizten Werkstatt der Segelflieger dagegen herrscht Hochbetrieb: Es wird geschraubt, geschliffen, poliert und lackiert. Die beiden Werkstattleiter Rudolf Baderschneider und Bernd Schulz erklären geduldig technische Details und ihre Tücken, die es zu kontrollieren gilt. Zehn von 35 Aktiven, darunter Hellen Halbig als einzige Frau, sind an diesem Samstag im Arbeitseinsatz.

"Sämtliche Flugzeuge werden einer Grundreinigung unterzogen und auf Lack und Verschleißteile geprüft", sagt Vereinsvorsitzender Markus Halbig. Und das sind in Reiselfingen fünf Segelflugzeuge und ein Ultraleichtflugzeug. Neuralgische Stellen werden ganz genau kontrolliert und eventuell instandgesetzt oder erneuert. Dafür wurden die Tragflächen der Flugzeuge demontiert, so dass zwei Flieger nebeneinander in der vereinseigenen Werkstatt unter die Fittiche genommen werden können.

Jedes Flugzeug, das zu Ausbildung genutzt wird, muss einmal im Jahr einem Verbandsprüfer vorgeführt werden. "Das sind bei uns alle Flugzeuge", sagt Halbig. Der Prüfer schaut, ob alles wieder fachgerecht zusammen gebaut wurde, und ob der Flieger hundertprozentig flugsicher ist. Erst wenn er sein OK gibt, ist das Sportgerät einsatzbereit.

Dass derzeit der Verbandsprüfer alle zwei Wochen vorbeischaut, hat einen besonderen Grund: Die 50 Jahre alte K 8, die bei Flugschülern wie auch erfahrenen Piloten gleichermaßen beliebt ist und durch ihre gelbe Farbe gerne auch als "Löwenzahn" betitelt wird, erfährt eine grundlegende Renovierung. Durch die Entfernung der Bespannung ist es zur Zeit möglich, in das Innerste des Oldtimers zu schauen. "Den offenen Rumpf sieht man nicht jeden Tag und ist auch für unsere Flugschüler sehr interessant", sagt Markus Halbig. Und daran hat der Zahn der Zeit über die Jahrzehnte hinweg genagt: Die Stahlrohrkonstruktion wurde komplett abgeschliffen und wird jetzt mehrfach gestrichen. Anschießend wird der Spezialstoff wieder aufgeklebt und mit Spannlack überzogen. "Nach der Verdunstung des im Lack enthaltenen Lösungsmittels zieht sich das Gewebe zusammen, so dass die Bespannung gleichmäßig gestrafft wird", erklärt Halbig.

Neu ist ein umweltfreundlicher Motorsegler

Während eine Gruppe am Streichen ist, untersuchen andere nebenan die Oberfläche des Discus auf Beschädigungen, die während der Flugsaison in Form von Kratzern nicht ausbleiben. Derweil bringt Rudolf Baderschneider schon einen Teil der Oberfläche des Hochleistungseinsitzers, der gerne von den Überlandflugpiloten für Streckenflüge genutzt wird, auf Hochglanz. Das gelingt ihm mit Hilfe der Schwabbelscheibe, mit der er Wachs einarbeitet. Bei der Überprüfung des Flugzeugs wurde auch festgestellt, dass der Schlauch am Heckrad erneuert werden muss. Das übernimmt ein Flugschüler nach entsprechender Anweisung durch Markus Halbig.

Sechs Schüler absolvieren über die Wintermonate bei Ausbildungsleiter Rudolf Baderschneider den theoretischen Teil für die Segelflugausbildung, drei Piloten streben die Lizenz für das Ultraleichtflugzeug an. Und nebenbei ist eben auch Werkstatteinsatz angesagt. Die Überprüfung der beiden Anhänger und des Windenfahrzeugs gehört ebenfalls zu den Aufgaben in den Wintermonaten. "Da gibt es immer mal einen Schlauch oder ein Kabel auszutauschen", weiß Halbig.

Dagegen wartet der neue umweltfreundliche Motorsegler Discus im Hangar noch "jungfräulich" auf die kommende Saison. Der Einsitzer wird den über 48 Jahre alten Cirrus ersetzen. "Damit verjüngen wir nicht nur unseren Flugzeugpark, sondern machen auch einen Schritt nach vorne", zeigt Halbig auf den faltbaren Propeller vorne im Rumpf, der durch einen Elektromotor angetrieben wird. Die Akkus des Discus bringen den Motorsegler leise auf Höhe, falls nicht genügend thermischer Aufwind zur Verfügung steht. Dabei wird das Triebwerk kurz eingeschaltet und der Faltpropeller vorne im Rumpf sorgt innerhalb von fünf Sekunden für Vortrieb. Wird der Elektromotor wieder abgestellt, legen sich die Propellerblätter eng an die Rumpfspitze an, um möglichst wenig Luftwiderstand zu bieten. Selbst starten kann der Einsitzer mit seiner Flügelspannbreite von 18 Metern nicht, dazu brauche es Winde oder Motorflugzeug. Es sei ein anderes Fliegen, bei dem man weniger das Steigen, sondern vielmehr das Vorankommen im Auge habe, erklärt Markus Halbig.