Konzertreihe in der Barockkirche St. Peter

Orgelhommage an die Stadt Paris

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Fr, 31. Juli 2020 um 17:06 Uhr

St. Peter

Bezirkskantor Johannes Götz eröffnete seine Orgel-Konzertreihe in der Barockkirche St. Peter mit einem Programm französischer Komponisten.

Seit einigen Jahren haben sich die Internationalen Orgelkonzerte an den beiden Orgeln der Barockkirche in St. Peter etabliert. Renommierte Organisten aus der ganzen Welt geben in jedem Jahr an Sonntagen im Juli und August Konzerte mit Orgelmusik aus allen Epochen bis hin zur Moderne. In diesem Jahr mussten die stets ausverkauften Konzerte wegen Corona und den damit verbundenen Reise-Einschränkungen leider ausfallen.

Bezirkskantor Johannes Götz und Begründer dieser Konzerte konnte sich damit nicht abfinden und überlegte sich stattdessen für denselben Zeitraum eine Konzertreihe unter dem Oberbegriff "Orgelmusik erleben". An den sechs Sonntagen spielt er jeweils unter einem thematischen Slogan ein Konzertprogramm für eine durch die Coronaregeln begrenzte Zahl von Zuhörern in der Barockkirche. Das Konzert wird mitgeschnitten und Live in Musik und Bild auf einem youtube-Channel gestreamt. Das erste Konzert widmete er der Stadt Paris, in deren Kirchen respektive an deren Orgeln immer bedeutende Organisten gewirkt und komponiert haben.

Götz eröffnete mit drei Teilen aus dem Gloria der Messe "Paroisses" von François Couperin. Schon zehnjährig sitzt Couberin an der Orgel der Pariser Kirche St. Gervais. Er übernimmt als Jüngling die Titularorganistenstelle von seinem Vater und landet bald in Versailles als Organist in der Kapelle bei Ludwig XIV. und unterrichtet dort auch als Musiklehrer die doch recht zahlreiche Kinderschar des sogenannten Sonnenkönigs.

Es folgte die "Fantasie G, Op.18, Nr.8" von Alexandre Boëly. Dieser Komponist wurde 1840 Organist der Pfarrkirche Saint-Germain`l`Auxerrais und trug maßgeblich dazu bei, Bachs Orgelmusik in Paris bekannt zu machen und damit übte er großen Einfluss auf die nachfolgenden Generationen französischer Komponisten wie Louis Vierne aus. Von Louis Vierne, dem Titularorganisten von Notre Dame, der schon 1900 auf derselben Orgel gespielt hat, die den verheerenden Brand unbeschadet überstanden hat, steuerte Johannes Götz das sehr finstere und versunkene Andantino Op.51,2 aus dessen "Pièces de Fantasie" bei.

César Franck gilt als einer der bedeutendsten Komponisten Frankreichs. Um eine Professur am Pariser Konservatorium antreten zu können, bekam der Belgier die französische Staatsbürgerschaft und dankte dies 1878 mit der patriotischen "Pièce Héroique". Für diesen heroischen Hymnus zog Götz buchstäblich alle Register und die gewaltige Klangflut sorgte für Vibrationen in jedem Winkel der stattlichen Barockkirche.

Als Beispiel für sinfonische Orgelmusik setzte die Toccata aus der "Symphonie pour Orgue Nr.5 f-moll, Op.42" von Charles-Marie Widor den Schlusspunkt des Konzerts. Er erhob das Soloinstrument in den Rang eines ganzen Orchesters, freilich unter Benutzung der technischen Innovationen des Orgelbauers Cavaillé-Colls. Ihm stand in der Pariser Kirche Saint Sulpice ein Instrument des Baumeisters zur Verfügung. Das zwangsweise dezimierte Publikum vor Ort spendete lange anhaltenden Beifall. Der Stream des Konzerts ist weiterhin auf youtube abrufbar.

Das nächste Konzert findet zu gleichen Bedingungen am Sonntag, 2. August, um 17 Uhr in der Barockkirche statt. Es steht unter dem Titel "Bach4ever" und Johannes Götz spielt die Werke BWV 572, 528, 641, 564. Wer live teilnehmen will, muss sich um eine Platzreservierung bemühen.

Weitere Information, auch über die folgenden Konzerte, unter http://www.barockkirche-st-peter.de