Originelles Handwerk auf der Originale

Hubert Gemmert

Von Hubert Gemmert

Mo, 21. Oktober 2019

Merzhausen

Die Verbindung von Kunst und Handwerk findet im Forum Merzhausen Anklang beim Publikum.

MERZHAUSEN. Es war schon Dunkel und es regnete in Merzhausen, als sich am Freitag über 50 Aussteller zur vierten Originale im "Forum design & handwerk" eingefunden hatten. Jedes Jahr steigt die Teilnehmerzahl der Künstler, die in der Zwischenzeit aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich angereist kommen, um bei dieser Messe im Merzhauser Forum dabei sein zu können. Drei Tage zeigten sie ihre Werke dem Publikum und wurden dabei des Erklärens nicht müde.

Im Jahr 2016 wurde zum ersten Mal in Zusammenarbeit zwischen dem Forum Design & Handwerk und der Handwerkskammer Freiburg diese regionale Messe ausgerichtet. Im Vordergrund steht die gestalterische Originalität und die handwerkliche Ausführung. Auf einer Sonderfläche präsentierte in diesem Jahr auch Ramina Ghafari ihre von der persischen Handwerkskunst beeinflussten Arbeiten. Sie kam eigens für die Originale aus Isfahan, der iranischen Partnerstadt Freiburgs. Mit ihr sollten weitere drei Iraner nach Merzhausen kommen, doch ihnen wurde das Visa für die Ausreise aus dem Iran verwehrt. Offiziell habe es dazu geheißen, der Sinn dieser Reise wäre nicht klar ersichtlich.

Ghafari sah vor vielen Jahren in einem Basar die mit Hand auf Wollstoffe gestickte Ornamente. Allerdings war der Preis der Stücke für sie viel zu hoch. "Da kam mir der Gedanke, dies selbst zu machen. Ich suchte mir einen Meister, bei dem ich eine rund neun Monate lange Ausbildung gemacht habe. Danach gründete ich meine eigene Manufaktur", erzählt sie. Ihre Muster werden auf Baumwollstoff vorgezeichnet und danach das Bild aufgestickt. "Kleine Teile sind in einer Woche fertig, größere Teile, wie zum Beispiel Läufer, dauern bis zu acht Monate", erklärt die junge Künstlerin. Seit rund zehn Jahren erstellt sie nun hauptberuflich diese Pate Duzi genannten künstlerischen Besonderheiten und bildet seit kurzem auch Lehrlinge aus. Ob Freie- oder Auftragsarbeiten, sie geht mit einer absoluten Begeisterung an die Arbeit. Übersetzt wurde das Gespräch mit ihr von Fatima Chahin-Dörflinger, der Vorsitzenden des Freundeskreises Freiburg-Isfahan, die den Besuch initiierte und Ghafari während ihres Aufenthaltes auch zur Seite steht.

Etwas weiter entfernt steht ein Tisch mit Barleben-Handspiel-Tierfiguren. Diese sind in Kindergärten und Schulen vorzufinden, werden aber immer mehr auch zur Therapieunterstützung bei Ärzten, in Seniorenheimen und Hospizen eingesetzt. Die aus Mohair gefertigten Tiere haben eine ausgefeilte Klappmaultechnik, mir der ein einzigartiges Minenspiel möglich ist. Maria Barleben hat aus ihrem Hobby vor 20 Jahren, beginnend mit Terrier Lutz, ihren neuen Beruf gemacht. Seither fertigt sie rund 50 Charaktere, darunter die Ratte Hein Tüddel, das Schaf Gerda, Hausschwein Rosalie, den Fuchs Herr von Räudenfell und viele mehr an. Schräg gegenüber sind Schmuckstücke aus Porzellan ausgestellt. Christian Streit, einer der beiden Besitzer von Materia Prima, erzählt stolz: "Alles Gold und Silber, das wir für unsere Produkte verwenden, sind recycelte Edelmetalle. Einer der Maler, die die Motive auf das Porzellan zaubern, war früher bei der Porzellanmanufaktur Meißen." Seit einiger Zeit ist das Unternehmen sogar als Lieferant von Gastgeschenken beim Auswärtigen Amt gelistet.

Trotz des Regens und der früh einsetzenden Dunkelheit sind bis zum Ende der Originale viele Besucher gekommen. Sie nehmen viele neue Eindrücke mit auf den Heimweg.