Sturmtief Sabine

Keine Schule, keine Züge, wenig Autos: Ausnahmezustand im Schwarzwald

kh, kmg, Susanne Gilg, Jonas Hirt, dpa, AFP

Von Karl Heidegger, Konstantin Görlich, Susanne Gilg, Jonas Hirt, dpa & AFP

Mo, 10. Februar 2020 um 05:25 Uhr

Südwest

Windböen in Orkanstärke haben am frühen Montagmorgen Südbaden erreicht – mit Folgen: Schulen und Kitas bleiben geschlossen, Straßen sind gesperrt, Züge fallen aus, umstürzende Bäume und Stromausfälle werden gemeldet. Besonders betroffen sind die Höhenlagen des Schwarzwaldes. Ein Überblick.

Sturmschäden und verletzte Menschen, gesperrte Straße, kein Zugverkehr, kein Unterricht, kein Münstermarkt in Freiburg und teilweise kein Strom: Das Sturmtief Sabine trifft Südbaden schwer – und wird weiterhin zu Problemen führen, denn Meteorologen gehen davon aus, dass es bis zum Nachmittag extrem stürmisch bleiben wird. Einen Liveticker zur Situation in Südbaden finden Sie hier

Verletzte, Schäden und Einsätze

Bei Titisee-Neustadt wurde ein Mensch verletzt, als ein Baum auf das Dach eines Autos krachte. In Teningen deckte der Sturm Teile des Hallendachs einer Spedition ab, im Müllheimer Ortsteil Niederweiler stürzte ein Baum auf das Dach eines Wohnhauses. Probleme gibt es auch in Freiburg, wo die Straßenbahn-Linie 1 wegen eines Oberleitungsschadens unterbrochen ist und ein Baugerüst einstürzte.


Die Polizei im Landkreis Lörrach berichtet von rund 30 Einsätzen bis um 7.30 Uhr. Dort verlief der Sturm glimpflich. "Bis jetzt war es ein normaler Wintersturm", sagt Volker Degener, Leiter der Integrierten Leitstelle im Landkreis.

Das Polizeipräsidium Offenburg berichtet in einer ersten Auskunft von zahlreichen Einsätzen von Sonntagabend bis Montagmorgen. Verletzte sind in der Ortenau bisher nicht zu beklagen. Auf der Autobahn 5 bei Achern verlor ein Lastwagen gegen 6 Uhr morgens vermutlich infolge des Sturms auf der Nordfahrbahn mehrere Teile seiner Ladung.

Gesperrte und blockierte Straßen

Welchen Einfluss die Orkanböen auf den Hochschwarzwald hatten, lässt sich an Eisenbach und dem Lenzkircher Ortsteil Saig erkennen: Beide Ortschaften waren am Montagmorgen zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten, da die Zufahrtstraßen blockiert waren.

"Generell wird empfohlen, alle Straßen oberhalb von 600 Höhenmetern nicht zu benutzen." Tipp des Landratsamtes
Auf der Bundesstraße 31 sind die Brücken bei Neustadt und Döggingen wegen der akuten Windböen weiterhin gesperrt; der Verkehr wird umgeleitet. Ebenfalls nicht befahrbar waren nach Angaben des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald die gesamte Straße über den Schauinsland zwischen Günterstal und Todtnau, die Notschrei-Strecke zwischen Oberried und Todtnau sowie die B317 zwischen Bärental und Todtnau. "Generell wird empfohlen, alle Straßen oberhalb von 600 Höhenmetern nicht zu benutzen", hieß es in der Mitteilung aus der Nacht zum Montag. Auch im Ortenaukreis waren und sind mehrere Straßen gesperrt.

Situation an den Schulen

Sicherheitsbedenken für den Straßenverkehr waren auch der Hauptgrund dafür, dass in vielen Schulen am Montag kein Unterricht stattfinden sind – vor allem sollte vermieden werden, dass sich Kinder und Jugendliche im Schwarzwald auf den Weg zum Unterricht einem Risiko aussetzen. Daher teilte das Waldshuter Landratsamt gegen 22 Uhr am Sonntagabend mit, dass die Schülerinnen und Schüler am Montag zu Hause bleiben und nicht zur Schule gehen sollten. Diese gelte auch für die Kindertageseinrichtungen.

Später am Abend gab auch der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald die Empfehlung heraus, dass Eltern ihre Kinder besser zu Hause lassen. Die Stadt Titisee-Neustadt schloss sich laut einem Facebook-Post von Bürgermeisterin Meike Folkerts von 23.08 Uhr der Empfehlung ausdrücklich an – was sicher auch damit zu tun hat, dass "Sabine" in den Höhenlagen des Schwarzwaldes besonders heftig wütet. Der Schwarzwald-Baar-Kreis sprach dieselbe Empfehlung aus.

Die Schulen sollen aber auch ohne Unterricht geöffnet sein – auch im Kreis Waldshut und anderen Regionen wird so verfahren: "Schüler, die nicht informiert werden konnten oder in der Schule eintreffen, werden dort betreut", heißt es in der Waldshuter Mitteilung.

Auch im Landkreis Lörrach wurde reagiert. Im Oberen Wiesental haben Gemeinden am Sonntagabend entschieden, dass Schulen und Kindergärten geschlossen bleiben. Die Städte Lörrach und Rheinfelden haben sich hingegen vorerst an die Empfehlungen des Kultusministeriums in Stuttgart gehalten – wie auch viele andere Kreise und Kommunen Südbadens. Den Eltern sei es demnach freigestellt, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken. Halten sie den Weg für nicht sicher, können die Kinder zuhause bleiben. Die Schule müsse aber informiert werden.

Höchste Windgeschwindigkeit auf dem Feldberg: 177 Stundenkilometer

Auf dem Feldberg wurde in der Nacht die höchste Windstärke Baden-Württembergs gemessen: Eine Böe erreichte 177 Stundenkilometer, etliche weitere lagen im Bereich von knapp über 100. Der Wert von 117 Stundenkilometer, über dem definitionsgemäß von einem Orkan die Rede ist, wurde wohl mehrfach erreicht – allerdings nur vereinzelt und nur in den höchsten Lagen des Schwarzwaldes.



Laut Deutschem Wetterdienst stürmt "Sabine" im Südwesten bis Montagnachmittag. Allerdings weniger spürbar als in der Nacht zum Montag. In der kommenden Nacht werden schwere Sturmböen erwartet.

Busse und Bahnen

Das Orkantief wirbelte den Start zahlreicher Pendler in ganz Baden-Württemberg gewaltig durcheinander: Vor allem Bahnfahrer hatten am Morgen mit starken Einschränkungen zu kämpfen. Die SWEG stellte ihren Zugverkehr in Baden "bis auf Weiteres" ein. Der Fernverkehr der Bahn ruhte ebenfalls. Regionalzüge in Baden-Württemberg sollen laut einer aktuellen Mitteilung der Deutschen Bahn ihre Fahrten frühestens am Mittag wieder sukzessive aufnehmen – je nach Entwicklung der Wetterlage. Mit Ausfällen und Behinderungen sei den ganzen Tag zu rechnen.

Stromausfälle vor allem im Hochschwarzwald

Zu Stromausfällen kam es am Montagmorgen in Teilen des Hochschwarzwalds: So ist gegen 5.12 Uhr in Saig, Falkau, Altglashütten, Lenzkirch, Holzschlag, Raitenbuch und Kappel der Strom ausgefallen – laut Energieversorger ED Netze ist die Unterbrechung inzwischen behoben. Später waren Birkendorf, Breitnau und Titisee zeitweise ohne Strom, ebenso wie Teile der am Fuße der Berge gelegenen Ortschaften Staufen, Münstertal und Bollschweil.

Innenministerium: "Noch ist alles glimpflich verlaufen"

Nach Angaben des Lagezentrums im baden-württembergischen Innenministerium ist die Polizei im Südwesten zwar Hunderte Male ausgerückt, größere Schäden wurden zunächst aber nicht bekannt. "Wir haben bis gegen 4 Uhr morgens insgesamt 420 Einsätze gezählt", sagte ein Sprecher im Lagezentrum am Montagmorgen. "Aber noch ist alles glimpflich verlaufen."

Bundesweit wurden durch den Sturm mehrere Menschen verletzt. In Saarbrücken wurden zwei Frauen schwer verletzt, als auf dem Parkplatz des Klinikums ein Baum auf sie niederstürzte, wie ein Polizeisprecher in der Nacht zum Montag mitteilte. Eine der Frauen befinde sich in Lebensgefahr. In Paderborn wurde nach Angaben der Polizei ein 16-jähriger Junge schwer am Kopf verletzt, als er in einem bewaldeten Gebiet von einem herumfliegenden Ast getroffen wurde. Aktuelle Sturm-Nachrichten aus Deutschland hält unser Liveblog bereit.