Schiffsverkehr in der Ostsee

Ein Schiff wird untergehen

Hannes Gamillscheg

Von Hannes Gamillscheg

Sa, 10. November 2012 um 14:19 Uhr

Panorama

Sound traffic, sound traffic!" Auf knatternder Radioleitung meldet sich der Steuermann des polnischen Frachters "Polsteam" im Kontrollturm der schwedischen Seeaufsicht an. "Good afternoon", begrüßt ihn dort Operateur Mats Braun.

Die wichtigsten Schiffsdaten hat ihm die Reederei schon per E-Mail übermittelt: die Registernummer, den geplanten Kurs, Last und Gewicht. Jetzt soll Braun den Riesenkahn sicher durch das Nadelöhr der Ostseeausfahrt geleiten, den Öresund, die schmale Meeresstraße zwischen Dänemark und Schweden, die an ihrer engsten Stelle nur vier Kilometer breit ist, doch mit einer Verkehrsdichte fast wie auf einer Stadtautobahn.

Durch die Panoramafenster im 14. Stock des "Öresundhauses" am Kai von Malmö könnte Braun die Schiffe mit freiem Auge sehen, doch sein Blick ist fest auf die Bildschirme vor ihm gerichtet, auf denen jedes Fahrzeug als kleines Viereck blinkt. Seine Aufgabe ist es, darauf zu achten, dass sie den Kurs halten. "Manchmal", sagt der Schwede, der selbst 16 Jahre lang zur See fuhr und daher weiß, "wie Seeleute ticken", "manchmal muss ich schon laut werden, um sie zu wecken".

35 000 Schiffe passieren jährlich den Öresund, und da genügt es, wenn ein Kapitän unachtsam ist, um einen der "Zwischenfälle" auszulösen, die vom Überwachungssystem VTS (Vessel Traffic Service) registriert werden. 51 waren es im Vorjahr, davon vier Schiffe auf Kollisionskurs, 27, die ins Flachwasser gerieten, zwei auf Grund.

Mit der "Polsteam" hat Braun keine Schwierigkeiten. Zwischen Kopenhagen und Malmö will sie auf der dänischen Seite fahren, durch die Drogden-Rinne, das muss sie auch. Für einen Tiefgang von 7,65 Meter wäre das schwedische Fahrwasser zu seicht. Drogden ist auf acht Meter ausgebaggert, wer tiefer liegt, muss auf den Großen Belt oder den Kieler Kanal ausweichen. "Kann ich da durch?", fragt der Steuermann. "Das muss der Kapitän entscheiden", erwidert Braun. Das ist die Standardantwort. Es ist nicht Aufgabe der Operateure, Routen gutzuheißen, um dann anschließend zur Verantwortung gezogen zu werden, wenn doch etwas schief läuft. Noch eine rasche Diskussion, ob der Frachter die Insel Ven rechts oder links umfahren soll, dann wünscht ihm Braun gute Fahrt. Er wird ihn auf seinem Bildschirm beobachten, bis er den Öresund wieder verlässt.

Nicht jede Passage verläuft so routinemäßig. "Ich hatte kürzlich einen, der steuerte erst auf die Windmühlen zu, und als ich ...

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