Spürnasen

Hunde erschnüffeln für die Polizei Handys und Datenspeicher

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 15. Oktober 2019 um 20:32 Uhr

Panorama

Als Konsequenz aus der Pannenserie im Lügde-Fall hat die Polizei in NRW fünf Hunde ausgebildet, die bei der Suche nach Smartphones, Speicherkarten und Festplatten helfen.

Dass Spürhunde der Polizei bei der Suche nach Drogen, Sprengstoff oder mutmaßlichen Straftätern helfen, ist weithin etabliert. Mit der Digitalisierung entwickelt sich aber auch das Aufgabenspektrum für Hunde weiter: In Neuss suchen Hunde ab sofort auch nach digitalen Beweismitteln. Fünf Diensthunde, die Handys und Datenspeicher erschnüffeln können, verstärken die Hundestaffel der nordrhein-westfälischen Polizei. Die Spürnasen mit Spezialausbildung seien eine wertvolle Hilfe, sagte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) am Dienstag.

Fünf ursprünglich auf Rauschgift spezialisierte Polizeihunde sind von ihren Trainern in den vergangenen Monaten zusätzlich darin ausgebildet worden, auch Smartphones, SIM- und Speicherkarten, USB-Sticks, Festplatten sowie CDs aufzuspüren. Die Spezialausbildung der Hunde ist eine Konsequenz aus der Pannenserie bei der Aufklärung des massenhaften Kindesmissbrauchs im lippischen Lügde. Damals musste Spürhund "Artus" aus Sachsen angefordert werden, der dort für die Justiz Datenträger und Handys in Gefängnissen oder für den Zoll erschnüffelt. Der Belgische Schäferhund fand auf dem Campingplatz in Lügde tatsächlich in einer Sesselritze übersehene Beweismittel.

Nordrhein-Westfalen hat erst seit kurzem vierbeinige Datenspeicher-Schnüffler als Justiz-Hunde im Einsatz. Testhund "Yam" hat bereits zahlreiche Handys in Gefängnissen erschnüffelt. Für die NRW-Polizei haben nun auch die Schäferhunde Ali Baba, Herr Rossi, Odin, Jupp und Theo die Lizenz zur Handy- und Datenspeichersuche. Insgesamt arbeiten nach Angaben des Ministeriums rund 300 Diensthunde für die Polizei in dem Bundesland.
Was Hunde alles riechen können

» Unterzuckerung: Manche Hunde von Diabetikern riechen eine drohende Unterzuckerung im Atem oder Schweiß ihres Besitzers, bevor dieser in Ohnmacht fällt. Sie schlagen Alarm und bringen das Blutzuckermessgerät. Andere Hunde spüren, wenn bei ihrem Herrchen ein epileptischer Anfall droht.

Krebs: Immer wieder wird von Hunden berichtet, die sich sonderbar aufführen, etwa ihr Herrchen dauernd in den Bauch stupsen. Dann stellt sich heraus, dass das Herrchen Darmkrebs hat. Auch Melanome, also Hautkrebs, erkennen manche Hunde bei ihren Besitzern. Trainierte Hunde können in menschlichen Atemproben Brust- oder Lungenkrebs riechen. In einigen Fällen erschnüffeln Hunde sogar winzige Tumore, die auf einem Röntgenbild kaum zu erkennen sind.

» Bedrohte Tier- und Pflanzenarten: Hunde bei der Basler Grenzwacht können unter anderem Elfenbein, Biber- und Leopardenfell, Alligatorleder oder Nashörner erschnüffeln. So wird ein illegaler Import verhindert.

Laubholzbockkäfer: Speziell geschulte Spürhunde des Regierungspräsidiums Freiburg erkennen den Asiatischen Laubholzbockkäfer, der nach dem Import aus Asien über Bau- und Verpackungsholz hierzulande den Laubbäumen und ihrem Holz schadet.

Bettwanzen: Die europäische Bed Bug Foundation zertifiziert Hunde, die darauf trainiert sind, lebende Bettwanzen zu erschnüffeln.